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Biotonne im Landkreis wird freiwillig und kostenlos

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Als »schwere Geburt« wurde die Einführung der Biotonne im Landkreis Traunstein im Kreisausschuss für Umweltfragen beschrieben.

Traunstein – Ein Wortgeplänkel im Ausschuss für Umweltfragen, Abfallwirtschaft und Energie löste die Bemerkung über »eine schwere Geburt« der künftigen Biotonne, für die vor fünfeinhalb Jahren vom Kreistag ein Konzept in Auftrag gegeben wurde, aus. Die Worte von Grünen-Kreisrat Sepp Hohlweger wies Landrat Siegfried Walch energisch zurück: »Die Grünen haben immer gesagt, sie wollen eine regionale Verwertung über den Zweckverband für Abfallverwertung Südostbayern (ZAS). Das war immer unsere gemeinsame Position. Dass der Landkreis Altötting das nicht wollte, ist auch bekannt. Wenn man jetzt bemängelt, dass die Biotonne zu lange dauert – gerade das Thema Ökologie hat uns zu unserer Haltung bewogen.«


Der Landrat fuhr fort, der Kreis hätte längst eine europaweite Ausschreibung machen können – wenn es seinen Gremien egal gewesen wäre, wo der Bioabfall verwertet   wird. Walch mahnte, »beieinanderzubleiben«. Dirk Reichenau, SPD, steuerte in der Aussprache bei: »Mir ist wurscht, wenn es noch länger dauert. Hauptsache ist, die Biotonne kommt.«

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Das kleine Wortgefecht stand vor dem Hintergrund des vom Kreisausschuss vor vier Wochen beschlossenen Konzepts samt Zeitplan zur Einführung der Biotonne (wir berichteten). Walch informierte den Umweltausschuss über die wesentlichen Punkte. Eine 80-Liter-Tonne mit anthrazitfarbenem Korpus und braunem Deckel soll ab dem dritten Quartal 2020 jedem Grundstück kostenlos zugeteilt werden. Wer selbst kompostiert, ist freigestellt. Die Tonne wird 14-tägig geleert. Bürger dürfen ihren Biomüll weiterhin gratis an Wertstoffhöfen abliefern. Die einmaligen Kosten für das Beschaffen und Bereitstellen der Behälter betragen rund eine Million Euro, die jährlichen Sammelkosten knapp 1,8 Millionen Euro, die Verwertungskosten pro Jahr circa 1,15 Millionen Euro. Die geschätzten Gesamtkosten liegen bei 2,7 Millionen Euro im Jahr.

Dabei eingerechnet sind Einsparungen von knapp einer Viertelmillion Euro im Bereich der bisherigen Restabfall- und Grüngutentsorgung. Die EU-weite Ausschreibung startet im Juni. Den Auftrag soll im September der Kreisausschuss vergeben. Die erstmalige Leerung der Biotonnen ist für Anfang Dezember 2020 vorgesehen.

Der »Wunsch« des Landkreises Traunstein auf eine beim ZAS angesiedelte Vergärungsanlage für Bioabfall oder auf eine gemeinsame Lösung mit dem Landkreis Berchtesgadener Land ist gemäß Landrat »nicht in Sicht«. »Wir müssen uns allein um die Entsorgung kümmern«, konstatierte Walch. Josef Mayer, CSU, meinte dazu: »Es beißt sich – eine Biotonne und regionale Verwertung. In unserem Raum gibt es fast keine Verwerter.« Eine Anlage in Miesbach anzuschauen, regte Franz Obermeyer, Bündnis 90/Die Grünen, an. Er wollte außerdem wissen, wieviel Kompost, der nach Behandlung von Bioabfall übrig bleibt, von den Bürgern im Landkreis überhaupt gebraucht werde. Mit etwa 65 Kilogramm Bioabfall je Bürger und Jahr werde gerechnet, meinte ÖDP-Kreisrätin Dr. Ute Künkele. Die Kosten bei einer Vergärung seien höher als bei einer Kompostierung. Welchen Weg der Landkreis einschlage, sei noch nicht entschieden, erwiderte der Landrat.

Wo der Bioabfall verwertet werde, könne der Landkreis bei der Auftragsvergabe auch nicht vorgeben. Astrid Steinkirchner, die zuständige Sachgebietsleiterin, erwiderte auf Frage von Peter Ober, CSU, nach einer regelmäßigen Reinigung der Behälter, diese sei »sehr teuer«. Landrat Walch ergänzte,  eine Firma könne im Ausschreibungsverfahren die Reinigung mit anbieten. Der Landkreis werde wohl »verfahrensoffen ausschreiben«. Dies gelte auch für das Thema »Vergärung oder Kompostierung«. Letztlich müsse der Landkreis das wirtschaftlichere Angebot nehmen. kd