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Bildungscampus in Traunstein: »Das Bahnhofsareal wäre ideal«

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Bildungscampus in Traunstein: »Das Bahnhofsareal wäre ideal«
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Stellten den »Campus Berufliche Bildung Chiemgau« vor (von links) Dieter Vierlbeck, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für München und Oberbayern, Landrat Siegfried Walch und Prof. Dr. Peter Niedermaier, zweiter Vizepräsident der Hochschule Rosenheim. (Foto: Reiter)

Traunstein – Zusammen mit der Hochschule Rosenheim und der Handwerkskammer München will der Landkreis Traunstein einen Bildungscampus am Bahnhof errichten – mit einer Handwerksakademie, einem Institut für Digitalisierung sowie einem Wohnheim für Schüler, Studenten und Auszubildende. Dieses bereits weit fortgeschrittene Projekt wurde am Donnerstag auf einer Pressekonferenz im Landratsamt vorgestellt. Scheitern könnte es nur an der Grundstücksfrage – zumindest am Bahnhof in Traunstein.


»Berufliche Bildung steht bei uns immer ganz oben auf der Agenda«, betonte Landrat Siegfried Walch. Das Schöne sei, dass junge Leute in der Region Perspektiven hätten. »Aber das soll auch so bleiben. Deshalb müssen wir jetzt die Weichen für die Zukunft stellen«, sagte Walch. Den geplanten »Campus Berufliche Bildung Chiemgau« bezeichnete er als das größte Projekt in der Bildungsgeschichte des Landkreises. Es sei auf zwei tragenden Säulen aufgebaut, nämlich die Hochschule Rosenheim und die Handwerkskammer München und Oberbayern. »Wir müssen unsere Fachkräfte fit machen für 4.0«, sagte Traunsteins Landrat – also die Digitalisierung und Unterstützung durch intelligente Technologien. Als »Megathema« der Zukunft bezeichnete er die Digitalisierung. »Da muss man kein Prophet sein. Aber wir müssen das Thema auch aktiv bespielen.«

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Derzeit sei der Landkreis in Grundstücksverhandlungen mit der Stadt, dem Bundeseisenbahnvermögen und Privatleuten. Insgesamt ist das Gelände 28 000 Quadratmeter groß. »Das Bahnhofsareal wäre ideal für den Campus«, betonte Landrat Siegfried Walch. »Aber wenn es dort nicht klappen sollte, dann machen wir es woanders«, stellte er klar.

Parkhaus auf Gelände der Güterhalle

Geplant ist, die Güterhalle abzureißen und dort ein Parkhaus zu errichten. Auf dem Gelände des derzeitigen Pendlerparkplatzes soll ein »Campus Wohnen« entstehen. Das Bieterverfahren des Bundeseisenbahnvermögen für ein weiteres Grundstück am Bahnhof (wir berichteten) endet Mitte Mai – und mit im Boot bei den Interessenten ist der Landkreis. Denn an dieser Stelle soll nach den derzeitigen Plänen der »Campus Chiemgau« entstehen. »Wir könnten hier wunderbar alle Elemente zusammenbringen«, betonte der Landrat. »Das wird ein Leuchtturm für die ganze Region.«

»Für uns als Handwerksorganisation ist es von ganz besonderer Bedeutung, in die Zukunft zu blicken. Denn wir stehen vor herausragenden Veränderungen«, sagte Dieter Vierlbeck, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Das habe nicht nur mit der Digitalisierung zu tun, sondern auch mit der Energiewende, dem Thema Nachhaltigkeit oder der älter werdenden Gesellschaft. »Das Handwerk steht vor einem Strukturwandel, wie es ihn seit der Erfindung des Automobils nicht mehr gab.«

Die Handwerkskammer wolle gerade hier in der Region investieren, »weil sie hervorragend aufgestellt ist mit 3500 Handwerksbetrieben«. 37 Prozent aller Auszubildenden im Landkreis Traunstein würden einen handwerklichen Beruf wählen, was überdurchschnittlich viel sei, sagte Dieter Vierlbeck. Er ging beispielhaft auf einige Veränderungen ein, wie etwa im Kfz-Bereich. »Die Autoindustrie geht hin zur Digitalisierung, wir haben Elektromobilität oder autonomes Fahren. Das müssen wir im Blick haben – und dahingehend auch ausbilden.« Aber auch im Bereich Heizung/Sanitär seien die Fachkräfte enorm gefordert durch Themen wie Nachhaltigkeit oder Energiewende. »Wir müssen uns für die Zukunft wappnen«, betonte Dieter Vierlbeck, der von einem zweistelligen Millionenbetrag sprach, den die Handwerkskammer in den Bildungscampus investieren möchte.

»Wir brauchen gute Fachkräfte, damit wir uns weltweit positionieren können«, sagte auch Prof. Dr. Peter Niedermaier, zweiter Vizepräsident der Hochschule Rosenheim.

Der Landkreis Traunstein und seine Unternehmen seien sehr interessant, weil sie innovationskräftig und neuen Technologien gegenüber aufgeschlossen seien. »Das ist ein ganz wichtiges Signal für uns«, betonte Peter Niedermaier. Ab 2022 wolle man am Bildungscampus den Studiengang »Digitalisierung und Innovationsmanagement« anbieten. Doch bereits jetzt im April beginne man mit ersten Kursen und Workshops, sagte er.

»Das ist eine Initiative, die begeistert«, betonte Franziska Riese, die neue Bildungsamanagerin des Landkreises Traunstein. »Das wird der Ort für Bildung.« KR