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Bestattungskultur ändert sich – Weniger Familiengräber im städtischen Waldfriedhof

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3412 Grabstätten gibt es derzeit auf dem Waldfriedhof. (Foto: Pültz)

Traunstein – Über rund 3400 Grabstätten verfügt der städtische Waldfriedhof. Ihre Ausgestaltung ändert sich: Zu beobachten sei, wie Friedhofsverwalter Martin Schmitz im Interview mit dem Traunsteiner Tagblatt berichtet, dass die »Tendenz, Familiengräber anzulegen beziehungsweise bestehende weiterzuführen«, nachlasse. Seinen Angaben zufolge fehlen zum Teil die Nachkommen, zum Teil sind sie verzogen. Auch gesundheitliche oder finanzielle Gründe seien immer wieder einmal entscheidend.


Allerheiligen ohne Gräbersegnung auf dem Waldfriedhof – Hat es so etwas schon einmal gegeben?

Meines Wissens hat es eine Absage der Gräbersegnung zu Allerheiligen noch nicht gegeben.

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Keine Gräbersegnung – Was empfehlen Sie den Besuchern des Friedhofs als Alternative?

Es wird eine Gräbersegnung durch die Kirche zu einem nicht offiziell genannten Zeitpunkt durchgeführt. Ein Besuch der Gräber ist trotz allem auch durch die Kirche erwünscht. Aufgrund der Absage der Gedenkfeier erhofft sich die Kirche eine Vermeidung von größeren Menschenmengen, da der gesamte Allerheiligentag sowie auch die Tage vorher und nachher zu den Öffnungszeiten des Friedhofes für den Gräberbesuch zur Verfügung steht.

Von Allerheiligen abgesehen – inwiefern erschwert das Virus den Betrieb auf dem städtischen Friedhof?

Das Hygienekonzept der Stadt Traunstein wurde auch auf dem städtischen Waldfriedhof vollumfänglich umgesetzt. Zur Einhaltung der Abstandsregeln musste die Bestuhlung der Aussegnungshalle auf 40 Sitzplätze reduziert werden, die kleine Verabschiedungshalle ist bis auf weiteres außer Betrieb. Es gilt eine generelle Maskenpflicht sowohl für Beerdigungsgäste als auch für die Geistlichkeit und das Friedhofspersonal in geschlossenen Räumen. Die Aussegnungshalle und öffentlichen Toiletten wurden mit zum Teil kontaktlosen Desinfektionsspendern ausgerüstet.

Lassen Sie uns über die Pandemie hinausblicken. Welche besonderen Herausforderungen ergeben sich gegenwärtig in der Verwaltung des Begräbnisplatzes?

Die Grabgebühren setzen sich auf einem Friedhof aus den Positionen Grabmiete und Friedhofsunterhalt zusammen. Durch die Veränderungen in der Bestattungskultur wie Grabauflassungen ergibt sich für die Stadt Traunstein als kommunaler Träger des Friedhofes ein Rückgang der Gebühreneinnahmen. Demgegenüber stehen im Umfang gleichbleibende Unterhaltskosten, die sich zusammensetzen unter anderem aus Personalkosten, Maschinen und Betriebsmittel sowie unabdingbarer Einsatz von Spezialfirmen.

Wie viele Gräber gibt es auf dem Waldfriedhof, welcher Art sind sie?

Derzeit gibt es 3412 Grabstätten auf dem Waldfriedhof. Die angeboten Bestattungsformen umfassen klassische Wechselgräber, Gruften, in der Größe angepasste Urnenerdgräber, Baumgräber, naturnahe Grabfelder, Urnennischen im Freien als auch in der Krypta unter der Aussegnungshalle, gärtnergepflegte Urnengemeinschaftsgräber bis hin zu anonymen Grabstätten.

Welche Tendenzen in der Bestattung stellen Sie fest?

Generell ist eine nachlassende Tendenz, Familiengräber anzulegen beziehungsweise bestehende weiterzuführen, zu beobachten. Die Gründe sind vielfältig, die Bandbreite reicht von fehlenden beziehungsweise verzogenen Nachkömmlingen bis zu gesundheitlichen, aber auch finanziellen Gründen.

Es ändert sich auch die Bestattungskultur generell: Der Anteil an Feuerbestattungen beträgt mitunter knapp 80 Prozent aller Bestattungen. Die Urnenbestattung bietet eine ungleich höhere Vielfalt bezüglich der Bestattungsmöglichkeit, diese reicht von Baumbestattungen bis hin zu gärtnergepflegten Urnengemeinschaftsgräbern. Der daraus resultierende Rückgang an klassischen Gräbern ist bayernweit zu beobachten.

Wie lauten die Anregungen und Wünsche, die Sie bekommen?

Der gute Pflegezustand allgemein und die Präsenz der Friedhofsverwaltung vor Ort wird von den Friedhofsbesuchern im Trauerfall gelobt. Aufgrund der Gesamtgröße ist der Unterhalt der Wege sowie die Sicherstellung der Verkehrssicherheit im Rahmen des Winterdienstes der Stadt Traunstein für das Friedhofspersonal eine große Herausforderung.

Welche Erweiterungen des Waldfriedhofs halten Sie für anstrebenswert?

Auf dem Waldfriedhof Traunstein werden derzeit alle gängigen Bestattungsformen bezüglich Grabarten in einem eindrucksvollen Ambiente angeboten. Einige der am stärksten nachgefragten Urnengrabarten werden erweitert, die Planungen sind am Laufen.

Gernot Pültz

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