Beim Wohnen auf engstem Raum sind kluge Lösungen gefragt

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Rund 50 Teilnehmer quer durch alle Altersgruppen informierten sich bei einer Exkursion in Traunstein und Ainring über praxisnahe Aspekte des Wohnens und Lebens in Tiny Houses oder Mini-Häusern – wie hier am Campus St. Michael. (Foto: Effner)

Traunstein – Sie sind klein, manchmal beweglich und Zeichen einer neuen Art zu wohnen: Tiny Houses oder auf Deutsch: Mini-Häuser. Im Zuge von Klimaschutz, Flächenversiegelung, explodierenden Wohnungspreisen und einem wachsenden ökologischen Bewusstsein wächst das Interesse an dieser Form des Wohnens. Im Rahmen einer Info-Exkursion zu drei Projekten in Traunstein und Ainring kamen rund 50 Teilnehmer quer durch alle Altersstufen, um sich im Gespräch mit den Besitzern ein Bild zu verschaffen.


Eine der Initiatorinnen in der Region ist Johanna Nimmervoll. Die Betriebswirtin, Pädagogin und Campus-Managerin aus Traunstein hat bis vor Kurzem auf 18 Quadratmetern im selbstdesignten Tiny House im österreichischen Unken gewohnt. Noch bis April steht ihr mobil konzipiertes, 45.000 Euro teures Mini-Haus nun zu Demonstrationszwecken auf dem Campus St. Michael in Traunstein.

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Dass die Nachfrage groß ist, merkt auch die Interessensgruppe »CampusDate Wohnen«. Sie besteht seit 2018 und hat rund 50 Teilnehmer aus dem ganzen Chiemgau. Sie informiert über baurechtliche, ökologische, technische und energetische Aspekte zum Thema.

Die Realisierung des Traums vom Mini-Eigenheim ist hierzulande komplizierter als etwa in den USA. Das fängt bei den Fragen nach Pacht- oder eigenem Baugrund an, geht über die straßenverkehrsrechtliche Zulassung für den Transport und hört bei den Fragen nach Gestaltung, Statik, Dämmung, Brandschutz und Anschlusszwang (Strom, Wasser, Müll) noch lange nicht auf.

Beim Wohnen auf engstem Raum sind ausgetüftelte Lösungen gefragt: Schränke unter der Treppe, Hochbetten, ausklappbare Couchtische und eine intelligente Raumaufteilung im Bad. Darüber hat sich auch Julia Jobst aus Kammer intensive Gedanken gemacht. Im Rahmen ihres Betriebswirtschaftsstudiums in Ingolstadt hat die 23-Jährige die Vermarktung eines Tiny Houses als Start-up-Projekt initiiert. Aus dem anfänglich nur fiktiv geplanten Objekt wurde bei leidenschaftlichen Diskussionen über Details daheim schnell ein Familienprojekt mit Eigendynamik.

»Da mein Vater ein versierter Schreiner ist und meine Mutter ein gutes Händchen für Gestaltung hat, haben wir unser Minihaus schließlich auf einen umgebauten Anhänger gebaut«, erzählt Julia Jobst aus Kammer. »Tiny House-Siedlungen werden die fehlende Wohnraumproblematik, die auch in unserem Landkreis herrscht, nicht lösen«, hört man zu der Thematik allerdings aus dem Bauamt des Landkreises in Traunstein. Speziell bei einer »relativ homogenen Gebäudestruktur« gebe es Probleme mit der Baugenehmigung. Aktuell gebe es nur eine »positive Einzelfallentscheidung«.

Die haben Regina Pläskens und Lasse Carstenson bereits gelöst. Auf dem elterlichen Grundstück in Ainring haben die beiden Bauingenieure ihren Traum vom Eigenheim auf 25 Quadratmetern realisiert. Inklusive eigenem Gemüsegarten, Lagerfeuerplatz und zwei Gartenhäuschen als Stauraum und Werkstatt.

In der Großen Kreisstadt treibt inzwischen die Traunsteiner Initiative das Thema voran. Nach einer Info-Veranstaltung im Juli ist am morgigen Freitag eine Online-Diskussion zum Thema »Tiny House und Gemeinwohlökonomie« mit Tassilo Heller geplant. Nähere Information gibt es auf der Homepage der Initiative Traunstein e.V. eff

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