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Beim Ausbau regenerativer Energie auf gutem Weg

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Traunstein: Landkreis bei regenerativer Energie auf gutem Weg – Stromerzeugung Thema im Umweltausschuss
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Photovoltaik auf einem Hausdach – der Umweltausschuss des Landkreises Traunstein sieht hier neben der Geothermie eines der größten Potenziale beim Ausbau erneuerbare Energien in den nächsten Jahren. (Foto: dpa)

Traunstein – Die gute Nachricht vorab: Bereits im Jahr 2018 wurde das ehrgeizige Ziel des Landkreises Traunstein erreicht, der ab 2020 den gesamten verbrauchten Strom (ohne Industriebetriebe) und bis 2025 auch inklusive der Industrie aus regenerativer Energie aus dem Landkreis Traunstein decken wollte. »Wir haben 2018 erreicht, was viele sich nicht mal bis 2020 vorstellen konnten«, sagte dazu Landrat Siegfried Walch (CSU) in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses.


Seit 2010 würden die Daten zur Erzeugung von erneuerbaren Energien und zum Stromverbrauch jährlich im Energienutzungsplan aktualisiert. Insgesamt werde im Landkreis immer mehr Strom aus regenerativen Energien erzeugt. So erzeugte der Landkreis im vergangenen Jahr 11 Prozent des verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien, wie Sven Schuller vom Institut für Energietechnik (IfE) an der ostbaye-rischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden in der Sitzung erklärte.

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Private Haushalte verbrauchten 314.000 MWh

Demnach verbrauchten private Haushalte im Landkreis 314.441 Megawatt-Stunden (MWh) Strom, darunter allein in Traunstein über 40.000 MWh, Traunreut über 30.000 MWh und Trostberg rund 20.000 MWh. Dazu kamen 47.980 MWh Wärmestrom – je rund 4000 MWh in Traunreut und Siegsdorf, rund 3000 MWh in Übersee und knapp 2500 MWh in Grassau.

Bei den Kommunalen Liegenschaften werden die Daten nur alle drei Jahre abgefragt. Aus den Zahlen der letzten Erhebung von 2017 ergibt sich ein Gesamtstromverbrauch der Kommunen von 27.912 MWh im Jahr 2017. Am Gesamtverbrauch der kleinen und mittleren Unternehmen sowie der Großbetriebe im Jahr 2019 von 637.162 MWh hatten die Betriebe der Stadt Trostberg den größten Anteil mit rund 200.000 MWh, gefolgt von den Betrieben in Traunreut mit 125 000 MWh, Traunstein mit über 50.000 MWh und Siegsdorf mit knapp 50 000 MWh.

Alle Verbrauchergruppen zusammen verbrauchten rund 1,027 Millionen MWh. Die größten Stromverbraucher waren demnach die Großbetriebe mit 447.544 MWh (44 Prozent des gesamten Verbrauchs), gefolgt von den privaten Haushalten mit 314.441 MWh (31 Prozent), kleine und mittlere Betriebe mit 189.618 MWh (18 Prozent). Dagegen fallen Wärmestrom (47 980 MWh, 5 Prozent) und kommunale Liegenschaften mit 27.912 MWh Verbrauch (3 Prozent) kaum ins Gewicht.

An erneuerbaren Energien wurden erzeugt Biomasse 226.959 MWh mit den größten Anlagen in Schnaitsee und Traunreut, Photovoltaikanlagen 198.509 MWh mit den größten Anlagen in Tacherting, Traunreut und Trostberg, Wasserkraft 172.806 MWh – mit den größten Anlagen in Tacherting (rund 65.000 MWh), Altenmarkt (23.000 MWh) und Trostberg (rund 20.000 MWh) sowie knapp 6000 MWh in den beiden Windkraftanlagen in Palling und Schnaitsee. Dazu kamen knapp 3200 MWh Eigenstromnutzung kommunaler Liegenschaften, allen voran der Stadt Traunstein mit über 900 MWh, gefolgt von Traunreut und Waging.

111 Prozent Strom aus regenerativen Energien

Unterm Strich stünden, so Schuller, 111 Prozent des verbrauchten Stroms, der aus erneuerbaren Energien für private Haushalte, Kommunale Liegenschaften und kleine und mittlere Betriebe erzeugt werde. Und selbst, wenn man die Großbetriebe mit einbezieht, sind es bereits 62 Prozent des Verbrauchs, den der Landkreis bis jetzt schon aus erneuerbaren Energien nutzt.

Auf die Frage von Dr. Ute Künkele (ÖDP) sagte Schuller, die Kliniken in Traunstein und Trostberg würden beim Stromverbrauch den Großbetrieben zugerechnet, die Altenheime zählten zu den kleineren und mittleren Betrieben.

»Schaffen wir es, bei der Geothermie Strom und Wärme zu nutzen?«, fragte Willi Geistanger (Bündnis 90 / Die Grünen). Dazu erklärte Schuller, in Kirchanschöring würde die Wärme genutzt werden, aber die Anlage könne mehr Wärme produzieren, als in Kirchanschöring genutzt werden könne. »D'rum gibt es Überlegungen, die übrige Wärme eventuell nach Laufen zu liefern. Für Nußdorf lägen noch keine konkreten Zahlen vor.

Landrat Walch zeigte sich als »absoluter Fan der Geothermie.« Die Frage sei, ob man immer gleich zu Beginn eines solchen Projekts Strom und Wärme nutzen können müsse. »Das Thema Akzeptanz betrifft uns ja in allen Bereichen, da stoßen wir immer wieder auf Widerstand.«

Kirchanschörings Bürgermeister Hans-jörg Birner erklärte, Mitte November würden die Bohrungen beginnen. Weil die Anlage so viel mehr Wärme erzeuge, als in Kirchanschöring gebraucht werde, müsse man schauen, wohin damit. Möglicherweise könne man sie auch über »Wärmeautobahnen« bis nach Salzburg bringen. Aber »ohne Verstromung würden wir da keinen Investor finden. Umgekehrt genehmigt das Bergamt keine Anlage, wenn es nicht im Hintergrund ein Wärmekonzept gibt.«

Auf die Frage von Irmgard Siglreithmayer (CSU) erklärte Schuller, in Altenmarkt sei eine kleinere Wasserkraftanlage dazu gekommen, dafür seien drei kleinere Anlagen weggefallen.

Auf die Frage von Claus Pichler (SPD), wo der Landkreis Initiativen setzen könnte, erklärte Schuller, das größte Ausbaupotenzial sehe er bei der Photovoltaik, und zwar nicht – wie in Petting – in Freiflächenanlagen, sondern auf Hausdächern. Das sei vor allem für Betriebe interessant, die den Strom vor allem im Sommer auch gleich am Ort nutzen könnten.

Solarkataster erstellen und Potenzial betrachten

Bürgermeister Birner schlug vor, sich dabei auf die Hausdächer zu konzentrieren, um nicht durch den Flächenverbrauch bei Freiflächenanlagen zusätzliche Konkurrenz zur Landwirtschaft zu schaffen. »Wir sollten mal, wie das bereits andere Landkreise machen, ein Solarkataster forcieren, das Hauseigentümern das Potenzial ihres Daches aufzeigen könnte.«

Landrat Siegfried Walch lobte das Erreichte ausdrücklich: »Wir produzieren 111 Prozent unseres Stroms selbst, das sind 11 Prozent mehr, als wir heuer hätten erreichen wollen.« Abschließend rief er dazu auf, die beiden großen Themenfelder Photovoltaik und Geothermie als potenziell mögliche, ausbaufähige regenerative Energien sachlich zu betrachten und auf das Machbare hin zu untersuchen. coho

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