Bildtext einblenden
Mitarbeiter des städtischen Bauhofs brachten dieser Tage Absperrgitter in Position, mit denen die Brücke gesperrt werden kann, wenn ihre Benutzung wegen Schnee und Eis zugefährlich werden sollte. (Foto: Oberkandler)

Bei Schnee und Eis sperrt die Stadt den Heilig-Geist-Steg

Traunstein – Einmal mehr steht der Heilig-Geist-Steg im Brennpunkt: Bei Schneefall und Eis wird die Brücke für Fußgänger und Radfahrer nun im Winter zugemacht. Mitarbeiter des städtischen Bauhofs haben Vorkehrungen für eine Absperrung getroffen.


Bereits mehrfach sorgte die Brücke am Kreisverkehr Heilig Geist für negative Schlagzeilen verschiedenster Art. Erst waren es Anliegerproteste gegen den Bau des zwei Millionen Euro teuren Übergangs, dann war es der Pfusch am Bau, als sich herausstellte, dass man die beiden Teile der Brücke nicht zusammenschweißen konnte, weil sie nicht passten. Und schließlich geriet das Projekt, das unter Federführung des Staatlichen Bauamts geplant worden war, auch noch ins Visier des Bunds der Steuerzahler. Es wurde in dessen Schwarzbuch als Beispiel für Fehlplanung und Geldverschwendung aufgenommen.

Stein des Anstoßes waren nicht nur die Planungs- und Baupannen, sondern auch die Tatsache, dass die Brücke mit einer Fußbodenheizung ausgestattet wurde. Die, so zeigte sich im vergangenen Winter, benötigte für rund 23.000 Euro Strom, um den Belag schnee- und eisfrei zu halten. Ultima Ratio: Bei starkem Schneefall und Vereisungsgefahr wird das Bauwerk gesperrt.

Leser des Traunsteiner Tagblatts beobachteten in dieser Woche, dass Mitarbeiter des städtischen Bauhofs Absperrgitter in Position gebracht und Vorkehrungen getroffen haben, sie bei Bedarf an den beiden Aufgängen festzumachen. Denn für Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer war angesichts der hohen Stromkosten schon nach dem letzten Winter klar: »Die Große Kreisstadt Traunstein wird die Brücke ab sofort aus finanziellen und ökologischen Gesichtspunkten nicht mehr beheizen.« Stattdessen sollte künftig der Winterdienst den Gehweg schnee- und eisfrei halten, denn, so Hümmer: »Die bisher gängige Praxis ist weder ökologisch noch mit gesundem Menschenverstand nachvollziehbar.«

Eine Anfrage bei der Stadt Traunstein bestätigte dieser Tage den Sachverhalt. Agnes Giesbrecht, Pressereferentin der Verwaltung im Rathaus, teilte auf Anfrage mit: »Der Heilig-Geist-Steg wird nicht mehr beheizt. Die Mitarbeiter der Stadt Traunstein werden ihn in den Wintermonaten so weit möglich räumen. Allerdings kann es bei extremen Wetterlagen sein, dass der Steg – so wie andere Wege in diesen Fällen auch – gesperrt werden muss. Daher wurden nun Gitter angebracht, die im Ernstfall zur Sperre des Stegs genutzt werden.«

Dieser Ernstfall dürfte auch eintreten, wenn es nur friert, jedoch so gut wie kein Schnee fällt. Denn mit Streusalz wird man den Bodenbelag nicht behandeln. das würde der Brücke nämlich extrem schaden und ihre Lebensdauer um ein Drittel verkürzen. Als vor zwei Jahren der Fernsehsender RTL über die Brücke berichtete, erklärte ein Mitarbeiter des Staatlichen Bauamts dem Sender, die Stahlbrücke habe eine Haltbarkeit von über 100 Jahren. »Der Zeitraum verringert sich jedoch mit dem Einsatz von Streusalz um etwa 35 Jahre.«

Für die Nutzer der Brücke wird das Bauwerk also umso nutzloser, je strenger und schneereicher dieser Winter werden wird. Vor allem für Menschen aus dem Stadtteil Hallabruck, der zum Großteil auf Surberger Gemeindegebiet liegt, heißt es dann, die vielbefahrene Bundesstraße 304 beim Kreisverkehr zu überqueren.

K.O.

Mehr aus der Stadt Traunstein