Barrierefreie Achse vom Finanz- zum Landratsamt

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Eine barrierefreie Nord-Süd-Achse vom Finanz- zum Landratsamt schafft die Stadt. Unter anderem führt die Strecke auch am Kulturzentrum vorbei. In diesem Abschnitt befestigt die Stadt den Weg, der bislang aufgekiest ist und immer wieder aufweicht. (Foto: Pültz)

Traunstein – Auf ihrem Weg, Traunstein barrierefrei zu machen, will die Stadt im nächsten Jahr weitere Schritte unternehmen. Insbesondere plant sie eine Nord-Süd-Achse vom Finanz- bis zum Landratsamt, die Blinde und Sehbehinderte dann ohne Probleme benutzen können.


Zudem beabsichtigt sie, 2021 ein Förderprogramm aufzulegen und all jenen einen Zuschuss in Aussicht zu stellen, die einen barrierefreien Zugang zu ihrem Geschäft schaffen. Jeweils einstimmig hat der Ausschuss für Planung, Bau und Digitalisierung des Stadtrats die Weichen dafür gestellt.

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Als eine von 16 Modellkommunen im Freistaat hat sich Traunstein 2014 in das Programm »Bayern barrierefrei 2023« eingeklinkt. Seitdem ergreift die Stadt immer wieder Verbesserungsmaßnahmen.

Zum Bespiel legt sie Wert darauf, Kreuzungen so umzubauen, dass Menschen mit besonderen Bedürfnissen sie passieren können. Auch ist sie bestrebt, in jedem Jahr ein Schwerpunktprojekt aus dem »Konzept zur Barrierefreiheit der öffentlichen Räume und Einrichtungen in Traunstein« zu bearbeiten und nach Möglichkeit umzusetzen. Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU) betonte, dass die Maßnahmen nicht nur den Mobilitätseingeschränkten, sondern auch anderen zugute kommen – etwa auch Eltern, die einen Kinderwagen durch die Stadt schieben.

»Wir arbeiten kontinuierlich an Projekten«, sagte Elmar Schwäbisch, der Leiter des Sachgebiets Stadtplanung im Rathaus. Erst vor zwei Wochen etwa habe die Stadt Bordsteine auf dem Karl-Theodor-Platz abgesenkt.

Als große Maßnahme für das laufende Jahr sei die Sanierung der Apotheker-Stiege vorgesehen gewesen, die vom Karl-Theodor- zum Maxplatz hinaufführt. Das Projekte werde heuer nicht mehr, sondern erst im nächsten Jahr – voraussichtlich im Frühsommer – verwirklicht. Die neue Treppe werde vorgefertigt, womit dann ihr Einbau lediglich eine Woche in Anspruch nehme.

Als neue, große Maßnahme stellte Schwäbisch insbesondere die Schaffung einer Nord-Süd-Achse für Blinde und Sehbehinderte vom Finanzamt an der Herzog-Otto-Straße zum Landratsamt am Papst-Benedikt-XVI.-Platz zur Debatte: Er regte an, auf der Strecke, die vom Finanzamt über die Ludwigstraße am Kulturzentrum mit der Stadtbücherei vorbei, dann über die Bahnhof-, an der Pinerolo- und über die Wesselinger Straße zum Landratsamt führt, alle Hindernisse zu beseitigen.

Eine Reihe von Maßnahmen sei nötig. Nicht nur Bordsteine müsse die Stadt absenken, auch und gerade müsse sie den Streckenabschnitt an der Bücherei, der bislang nur aufgekiest ist und immer wieder aufweiche, befestigt werden. Die Kosten der genannten Baumaßnahmen einschließlich der Planung belaufen sich nach Angaben von Schwäbisch auf insgesamt 170.000 Euro.

Der Ausschuss sprach sich dafür aus, diese barrierefreie Nord-Süd-Achse zu schaffen. Außen vor blieb die Einrichtung einer Ost-Westachse, die vom Stadtplatz zum Bahnhof führt. Eine Verwirklichung kostet schätzungsweise mehr als eine Million Euro.

Eine Lanze für die Herstellung der Barrierefreiheit brach Karl Schulz (CSU). Der Referent für Menschen mit besonderen Bedürfnissen und für die Inklusion, betonte am 3. Dezember, dem »Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung«, dass die Beseitigung von Hindernissen vielfältiger Art in vielen Lebensbereichen – vor allem auch angesichts des demografischen Wandels – »das zentrale, gesamtgesellschaftliche und ganzheitliche Thema« sei.

Von der Barrierefreiheit profitiere nicht nur der Rollstuhlfahrer, sondern jeder andere auch. Sie schaffe Alltagskomfort nicht nur für die Kinderwagen schiebende Mama, sondern genauso auch für den älteren, in seiner Mobilität eingeschränkten Menschen mit schwerem Gepäck. »Eine barrierefrei zugängliche Umgebung ist vielleicht für zehn Prozent der Menschen zwingend erforderlich, für etwa 30 bis 40 Prozent in deren Lebens- und Berufsalltag notwendig, aber für 100 Prozent komfortabel.«

Klaus Schneider (CSU), Stadtrat und Bäckermeister, erläuterte, dass 600 bis 700 Kunden pro Tag seinen Laden am Stadtplatz betreten. Zwei Personen bleibe der Zugang verwehrt. Und in diesen Fällen gehen dann die Verkäuferinnen laut Schneider vor die Tür, um diese Kunden zu bedienen. Oberbürgermeister Hümmer betonte, dass es in der Diskussion über barrierefreie Zugänge nicht darum gehe, private Eigentümer an den Pranger zu stellen, vielmehr wolle die Stadt ein Vorbild geben und Anreize für Veränderungen und Verbesserungen schaffen.

Zweite Bürgermeisterin Burgi Mörtl-Körner (Bündnis 90/Die Grünen) forderte dazu auf, die Barrierefreiheit in Traunstein voranzutreiben. »Es ist an der Zeit, wieder ein Stück zu machen.« Helga Mandl (ebenfalls Bündnis/Die Grünen) stieß in dasselbe Horn. Sie erinnerte unter anderem daran, dass die Seh- und Gehbehinderten »selbstbestimmt« bleiben und zum Beispiel alleine zum Einkaufen gehen wollen.

Robert Sattler (SPD/Die Linke) wünschte sich, dass Werbeschilder nicht zu weit auf die Gehsteige geschoben werden – damit die Fußgänger an ihnen noch vorbeigehen können. Dritter Bürgermeister Sepp Kaiser (UW) sprach sich dafür aus, nicht alle Maßnahmen umzusetzen, die insgesamt viel Geld kosten. Ausreichend sei für ihn, die Kreuzungspunkte ins Visier zu nehmen.

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