Bildtext einblenden
Am 10. Dezember 2006 kam die Prominenz mit einem Sonderzug in Traunreut an (von links) Klaus Steiner, der damalige Landrat Hermann Steinmaßl, Dr. Peter Ramsauer, Alois Glück, Erwin Huber, der ehemalige Bürgermeister Franz Parzinger und Christoph Kraller, damals bei der Südostbayernbahn in Verantwortung. (Foto: Stadtarchiv Traunreut)

Bahnstrecke Traunstein-Traunreut wurde vor 15 Jahren wiederaufgenommen: Böse Zungen sprechen vom »Geisterzug«

Traunreut – Vor 15 Jahren, am 10. Dezember 2006, fand in Traunreut ein großes Ereignis statt: Der neue Bahn-Haltepunkt wurde feierlich eingeweiht und damit auch die wiederbelebte Zugstrecke in die Große Kreisstadt Traunstein. Zahlreiche Prominenz fuhr damals im Sonderzug nach Traunreut, unter anderem Erwin Huber, Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, sowie Christoph Hillenbrand, der Präsident der Regierung von Oberbayern. 


Als Voraussetzung für die Aufnahme des Personenverkehrs waren damals umfangreiche Baumaßnahmen an der Strecke erforderlich und der neue Haltepunkt in Traunreut wurde errichtet. Von Hörpolding nach Traunreut waren bis zu diesem Zeitpunkt nur Güterzüge unterwegs. Mit der Wiedereinführung des Personenverkehrs erhoffte man sich eine rege Nutzung des Angebots.

Die erhofften Fahrgastzahlen ließen allerdings zu wünschen übrig. Nach wie vor sprechen böse Zungen vom »Geisterzug« zwischen den beiden Städten, der oft leer fährt. Ein Sprecher der Bahn dazu, wie man die Strecke attraktiver machen könnte: »Positiv hervorzuheben sind aus der Sicht der Fahrgäste die in den letzten beiden Jahren vorgenommenen Verbesserungen wie die Ausweitung der Betriebszeiten in den Abendstunden und die Wiederaufnahme des durchgehenden Wochenendverkehrs. Der Kundenbeirat fordert jedoch über diese wichtigen ersten Verbesserungen hinaus die Einführung des Stundentakts zwischen Mühldorf und Traunstein. Damit sich die Züge stündlich zur Systemkreuzung in Trostberg begegnen und dennoch die Taktknoten in Mühldorf und Traunstein erreicht werden können, muss die Strecke insbesondere durch die Auflassung beziehungsweise technische Sicherung von Bahnübergängen beschleunigt werden.

Der Kundenbeirat appelliert insoweit an alle Entscheidungsträger vor Ort, die hierfür notwendigen Maßnahmen positiv zu begleiten, um die Attraktivität des Verkehrsmittels Eisenbahn weiter zu steigern und damit auch einen wichtigen Beitrag zu einer für den Umwelt- und Klimaschutz unabdingbaren Verkehrswende zu leisten.« Auch der Arbeitskreis Verkehr AKV Traunreut hat sich Gedanken gemacht und eine langfristig in die Zukunft gedachte Vision entwickelt. Darin heißt es: »Nach unserer Meinung muss die Bahn im Einstundentakt durch die Stadt fahren. Den Vorschlag der Bahn, mit einer neuen Bahnlinie von Traunreut über Traunwalchen nach Matzing zu fahren, finden wir sehr gut. Die Bahn muss in St. Georgen nach Traunreut abzweigen. Dazu ist vermutlich der tiefergelegte Kreisverkehr in St. Georgen von Vorteil. Die Bahn soll, von Altenmarkt kommend über Stein, St. Georgen, Bahnhaltepunkt Traunreut zum Werk BSH und dann weiter über Traunwalchen und Matzing nach Traunstein fahren. Damit wären alle Anwohner des Traun- Alztals von Mühldorf bis Ruhpolding mit der Bahn erreichbar.« Viele große Firmen lägen an der Bahnstrecke, die rund 13 000 Mitarbeiter beschäftigen. Die Schulen in Traunreut besuchen über 3600 Kinder und die Stadt Traunreut hat 14 000 Arbeitsplätze, fasst der AKV zusammen.

Die Arbeitskreismitglieder fordern außerdem: »Nach unserer Meinung muss der ÖPNV für die Benutzer kostenlos sein. Nur so wird er angenommen. So manches Zweitauto, das für den Weg zur Arbeit angeschafft wird, könnte entfallen. Die Kosten für den leeren Zug übernimmt jetzt auch schon der Steuerzahler. Die Straßen für die Autos werden ebenfalls von Steuergeldern bezahlt. Auch die Schulbusse sind bereits kostenlos. Es könnten alle Fahrkartenautomaten und Kontrolleure entfallen und es wäre für alle einfacher, den ÖPNV zu benutzen.«

Auch über die Finanzierung hat man sich Gedanken gemacht: »Ein kostenloser ÖPNV kostet natürlich viel Geld. Busse und Bahn könnten über die geplante CO²-Abgabe finanziert werden. Auch könnten wir uns ein Finanzierungssystem ähnlich dem Solidaritätszuschlag vorstellen. Das hätte auch noch eine Motivation zur Folge, denn wenn man schon für den ÖPNV bezahlen muss, dann benutzt man ihn auch. Die Höhe der Abgabe ergibt sich aus dem Bedarf.«

Zur Geschichte der Bahn

Die heutige Bahnstrecke Hörpolding–Traunreut geht auf die Anschlussbahn der Heeresmunitionsanstalt St. Georgen zurück, deren Bau 1938 in Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs begonnen worden war.

Die Munitionsfabrik und die dazugehörige Anschlussbahn gingen im Jahr 1942 in Betrieb. In den 1970er Jahren wurde der Personenverkehr nach Traunreut eingestellt und es gab nur noch Güterverkehr zu den Industriebetrieben. Der Streckenabschnitt Traunstein – Trostberg wurde am 31. August 1891 eröffnet. Am 14. November 1910 wurde die bisherige Stichbahn nach Trostberg mit der Strecke Mühldorf – Garching (Alz) verbunden und damit die durchgehende Verbindung Mühldorf – Traunstein geschaffen.

mix

Mehr aus der Stadt Traunstein