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Auf ungewöhnlichen Wegen zum evangelischen Pfarrer

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Traunstein: Auf ungewöhnlichen Wegen zum evangelischen Pfarrer
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Wird am Sonntag in den Ruhestand verabschiedet: der evangelische Pfarrer Barthel Pichlmeier. (Foto: Hohler)

Traunstein – Dass Barthel Pichlmeier evangelischer Pfarrer wurde, war keineswegs so vorgezeichnet. Denn seine Eltern waren beide katholisch, ebenso wie zunächst er und seine fünf Geschwister daheim auf dem Bauernhof nahe Mühldorf. Am Sonntag wird er nun mit einem Gottesdienst und anschließenden Empfang nach sieben Jahren als Pfarrer der evangelischen Gemeinde Traunstein in den Ruhestand verabschiedet.


Er war jung und wollte etwas lernen. Pfarrer zu werden, kam ihm relativ bald in den Sinn, aber die gymnasiale Schulbildung war auf dem Land nicht so einfach. So besuchte er nach der sechsten Klasse drei Jahre lang das Internat in Gars am Inn, ehe er mit etwa 15 Jahren nach Ingolstadt zu den katholischen Redemptoristen wechselte. Nach dem Abitur an dem humanistischen Gymnasium studierte er aber – wie zwei seiner Freunde – evangelische Theologie, erst in Erlangen, dann in München. Er selbst blieb dennoch fast während des gesamten Studiums noch katholisch.

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Über die Freikirche zur evangelischen Theologie

»Als Jugendlicher hab' natürlich auch ich rebelliert, und so kam ich über die Jesus-People-Bewegung zur evangelischen Freikirche«, erzählt er im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Dort arbeitete er – noch in Ingolstadt – in der Jugendarbeit mit. Während des Studiums der evangelischen Theologie stellte er fest, dass ihm die evangelisch lutherische Kirche näher war und er konvertierte.

Bei der Freikirche lernte er auch seine Frau Ruth kennen und lieben. 1980 heirateten die beiden und zogen nach München, wo beide ihr Examen ablegten – Ruth Pichlmeier ist Studienrätin im Sonderdienst. Nachdem er zweieinhalb Jahre Vikariat in Erding absolviert hatte, erhielt seine Frau eine Stelle in Freising, und so zogen sie nach Moosburg. In Wartenberg, das zu der dortigen evangelischen Gemeinde gehört, baute Pfarrer Pichlmeier in der neu erbauten Kirche die Gemeinde auf. Er absolvierte eine Zusatzausbildung in Meditation im Tanz und gründete einen Gospelchor, der heute noch existiert. Auch die Ökumene war ihm stets ein Anliegen.

Sehr wichtig war ihm vor allem auch die Familie. Sohn Sebastian kam 1989 zur Welt, zwei Jahre später Tochter Julia. 1996 folgte Sohn Michael. Natürlich war zunächst seine Frau daheim bei den Kindern geblieben. Aber da es damals eher zu viele evangelische Pfarrer und zu wenige Sonderpä-dagogen gab, nahm sie 1998 eine Stelle in Ruhpolding an. Er wurde Hausmann, kochte mittags für die ganze Familie und verbrachte viel Zeit mit den Kindern – die er im Nachhinein als »die schönste Zeit« empfindet.

Natürlich half er das eine oder andere Mal in Ruhpolding aus, und als dann vor sieben Jahren die dritte Pfarrstelle mit dem Weggang von Torsten Fecke vakant wurde, stieg er nach und nach wieder ganz ein. Die erste Pfarrstelle hält Dekan Peter Bertram inne. Dabei ist er zuständig für Traunstein Südwest, Haslach, Axdorf, Vachendorf, Mühlen und Geiselprechting. Die zweite Pfarrstelle füllt Dr. Manuél Ceglarek aus, zuständig für Traunstein Nordwest, Wolkersdorf, Erlstätt, Chieming, Tabing, Ising, Seebruck, Truchtlaching, Sondermoning und Nußdorf.

Immer auch persönlich bewegend

Pichlmeiers Sprengel reicht von Traunstein Ost, Aiging, Kammer und Rettenbach über Tettenham, Waging am See, Taching, St. Leonhard, Schönram und Petting bis Surberg. »Ich mag meine Leute sehr«, sagt er dazu. Und natürlich sei es immer persönlich bewegend, wenn man als Pfarrer zu den verschiedenen Anlässen gerufen wird, ob gerade jemand einen Angehörigen verloren hat, junge Menschen sich trauen oder ihre Kinder taufen lassen. »Mit der Zeit lernt man viele Menschen sehr nah kennen«.

4400 evangelische Gläubige gebe es derzeit etwa in Traunstein. Dabei gab es immer wieder tolle Aktionen im Sinne der Ökumene, etwa Studienreisen mit Pfarrer Christoph Nobs, Schulgottesdienste mit Robert Hintereder und Uli Englmaier, in Waging sei der Kontakt zu Pfarrer Andreas Ager und Gemeindereferent Martin Riedl fantastisch. So sei der ökumenische Kinderbibeltag mit 85 Kindern und 15 Betreuern auch ein Zeichen für die Eltern gewesen, »dass wir als Kirchen zusammengehören«.

Dabei sei die Ökumene für ihn immer »ganz was wichtiges« gewesen. Dazu gehörten auch Familiengottesdienste mit der katholischen und der evangelischen Freikirche. »Über das Café International hatte ich auch Kontakt zu Moslems. Ich finde, es ist unumgänglich, dass man zusammenarbeitet und voneinander lernt.«

Dass ihm im Ruhestand langweilig werden könnte, befürchtet der 64-Jährige nicht. »Ich hab' am Haus eine Menge zu tun, und ich repariere einfach gerne Dinge. Außerdem mache ich gerne Musik.« So spielt Barthel Pichlmeier gern Gitarre und »ich kann mir auch vorstellen, die Trompete wieder hervorzuholen.« Eventuell ergebe sich ja die Gelegenheit, in einer kleinen Jazzband zu spielen. Außerdem kann er sich vorstellen, Veranstaltungen in meditativem Tanz zu organisieren.

Nachfolgerin ist Hanna von Schroeders

Verabschiedet wird Pfarrer Barthel Pichlmeier am Sonntag um 10 Uhr im Gottesdienst in der Auferstehungskirche in Traunstein. Im Anschluss findet in der Kirche ein Empfang mit Grußworten statt. Nachfolgerin Hanna von Schroeders, derzeit Pfarrerin in Aschau/Bernau, übernimmt die Pfarrstelle ab 1. Juli. In der Zwischenzeit hilft Pfarrer Friedemann Krocker aus, der eine Vertretungsstelle innehat. coho

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