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Auf einmal waren 95 000 Euro weniger auf dem Konto

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Erleichtert ist Schatzmeister Dr. Georg Thurmayr: 95 000 Euro, die der Verein im Online-Banking verloren hat, sind jetzt wieder auf dem Konto des TVT.
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In die Kasse des Turnvereins Traunstein gegriffen haben ein oder mehrere Unbekannte: Via Internet haben sie sich 95 000 Euro geholt. Über das Online-Banking des TVT haben sich die Betrüger bereichert. (Fotos: Pültz)

Traunstein – »Wenn die Opfer nicht darüber reden, haben die Täter leichtes Spiel«, sagt Dr. Georg Thurmayr. Er ist Schatzmeister des Turnvereins Traunstein. Und der TVT war ein Opfer von Betrügern, die im Internet unterwegs sind. 95 000 Euro verlor der Verein über das Online-Banking an die Cyberkriminellen – 95 000 Euro, die der TVT dann wie durch Wunder in voller Höhe wieder zurückbekam. »Wir meinen immer, dass diese Art von Betrug weit weg ist, doch sie kann einen wahnsinnig schnell treffen«, berichtet der Schatzmeister im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Und er betont: »Wir dürfen da nicht schweigen.«


Thurmayr erzählt die Geschichte von einem langjährigen Vereinsmitglied, der ihm, dem Kassier, zur Hand geht. Dieser altgediente TVTler besitzt eine Kontovollmacht und kümmert sich um die Einziehung der Beiträge. Obwohl er Vorsicht walten ließ, ging er einem – oder auch mehreren – Betrügern auf den Leim. Nicht er erzählt, für ihn spricht Dr. Georg Thurmayr.

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Seinen Anfang nahm die Betrügerei mit einem E-Mail, das das langjährige Vereinsmitglied am 7. August des vergangenen Jahres erhielt. Die Nachricht, die auf seinen Computer lief, enthielt die Ankündigung, dass die Bank, die das Konto für den TVT bereithält, eine Systemumstellung zum 1. September plane – was aber, wie sich dann später herausstellte, nur vorgetäuscht war.

Am 22. August, an einem Samstag, bekam der TVTler dann einen Anruf von einem, wie er sich vorstellte, »Herrn Timo Weber«. Der Mann, der mit schwäbischem Akzent sprach, bezog sich auf die – angebliche – Systemumstellung der Bank. Er behauptete, ein Mitarbeiter zu sein, und bat um vertrauliche Daten. Der TVTler überprüfte den Anrufer und stellte ihm Fragen, die eigentlich nur ein Bankangestellter beantworten konnte. »Herr Weber« erläuterte Bewegungen auf dem Vereinskonto – unter anderem auch, dass ein Zuschuss der Stadt zur Anschaffung von Sportgeräten eingegangen war. Für Thurmayr und das langjährige Vereinsmitglied ergab sich alsdann nur eine Schlussfolgerung: Der Unbekannte hatte allem Anschein die Datenbank des Kreditinstituts erfolgreich gehackt und Einblicke auf das TVT-Konto bekommen.

Zurück zum 22. August: Der TVTler bat »Herrn Weber«, in einer halben Stunde noch einmal anzurufen, und beendete das Gespräch. In dieser Zeit versuchte das Vereinsmitglied dann, die Bank zu erreichen und sich von ihr die Angaben von »Herrn Weber« – die angeblichen Pläne für die Systemumstellung – bestätigen zu lassen. Doch niemand war erreichbar. Und als »Herr Weber« dann erneut anrief, war der TVTler bereit, die vertraulichen Angaben zu machen.

Insgesamt neun Transaktionsnummern gab er preis. Das Kind war in den Brunnen gefallen. Binnen kürzester Zeit erfolgten dann Überweisungen. Fünf Auszahlungen konnte der TVTler, als er dann doch den Betrug ahnte, noch stoppen, in vier Fällen war er jedoch zu spät dran. »Herr Weber«, der möglicherweise Komplizen hatte – bis auf den heutigen Tag ist nach wie vor offen, wer hinter dem Angriff genau steht – habe den TVT, wie Thurmayr sagt, »um 95 000 Euro erleichtert«.

Einen Tag später, am Sonntag, 23. August, ging das langjährige Vereinsmitglied dann – er hatte inzwischen mehr als nur ein bisschen Argwohn geschöpft – zur Polizei. Er erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Seitdem liegt die Angelegenheit bei den Ermittlern. Und sie scheinen auch schon eine Spur zu haben, zumindest hat sich das Polizeipräsidium Duisburg im Januar an den Turnverein Traunstein gewandt und ihn um Angaben gebeten – um Auskünfte, die der TVT dann postwendend erteilt hat. Die Ermittlungen laufen weiter – Thurmayr: »Der Fall ist nicht aufgeklärt.«

Auch wenn der oder die Täter nach wie vor nicht gefasst sind, ist der TVT nun aber mehr als nur ein bisschen erleichtert. Denn er hat die 95 000 Euro, die ihm abhanden gekommen sind, wieder auf sein Konto bekommen. Der Schatzmeister berichtet, dass sich die Bank sehr kooperativ verhalten habe, insbesondere zwei Mitarbeiterinnen hätten den TVT nach Kräften unterstützt. Und so habe die Bank nun dem TVT die verloren gegangenen 95 000 Euro in voller Höhe erstattet.

Dank der Unterstützung der Bank ist der TVT unterm Strich mit dem Schrecken davon gekommen – der aber sitzt tief. Und so haben Thurmayr und Co. nun auch gut gemeinte, wie er sagt, Handlungsempfehlungen für andere, die Online-Banking betreiben: Gegenüber Sofort-Überweisungen sollte man zurückhaltend sein. Und auch die Obergrenze für tägliche Überweisungen sollte tief angesetzt werden. Schließlich weiß der TVT jetzt, dass man viel schneller Opfer von Cyberkriminalität werden kann, als man vielleicht glaubt.

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