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Auf den Spuren der Edelleute in Traunstein: Doku über Rittergeschlechter in der Stadt

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Fertig ist das Werk: Eine Dokumentation mit dem Titel »Auf den Spuren von Rittern und Edelleuten in Trauwenstain« hat Hans Kösterke erstellt. (Foto: Pültz)

Traunstein – Zirnberg, Großschedel, Schaumberg und Kern – so hießen sie. Edelleute aus diesen Geschlechtern haben in der Stadt Traunstein in früheren Jahrhunderten segensreich gewirkt. So berichtet Hans Kösterke unter anderem, dass die Familie Zirnberg 1470 eine Stiftung ins Leben gerufen habe, die dann über Jahrhunderte Wohltaten gebracht hat – und auch noch weiter in Aussicht stellt. »Sie besteht heute noch. Die katholische Pfarrkirchenstiftung St. Oswald Traunstein verwaltet sie«, erzählt der 73-Jährige im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt.


Ein Jahr lang hat Kösterke unermüdlich in der Vergangenheit »gewühlt«, Bücher gelesen und Quellen gesichtet. Jetzt hat er die Arbeit beendet. Die Ergebnisse seiner Nachforschungen stehen auf 160 Seiten. »Auf den Spuren von Rittern und Edelleuten in Trauwenstain« lautet der Titel der Dokumentation, die er jetzt im Eigenverlag herausgebracht hat. Anfang des nächsten Monats geht er mit seinem Buch ins Rathaus, dann präsentiert er sein Werk der Öffentlichkeit. »Am 1. Oktober ist die Übergabe an die Stadt«, freut sich der 73-Jährige schon auf die Stippvisite.

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Seit vielen Jahren hat sich Hans Kösterke insbesondere einem Hobby verschrieben: Die Heimatgeschichte fesselt ihn. So beteiligte sich der 73-Jährige aus Traunstein, der früher für die Stadtverwaltung arbeitete, eineinhalb Jahrzehnte lang immer wieder als Landsknecht verkleidet am Georgi-Ritt in Traunstein. Und ebenso lang war er Kirchenpfleger von St. Oswald – was zur Folge hatte, dass er einen tiefen Einblick in die Geschichte der Pfarrei bekam und dann anfing, ein Büchlein nach dem anderen über die einzelnen Gotteshäuser zu schreiben. Den zehnten und letzten Teil dieser Serie will er noch in diesem Jahr fertigstellen.

Schon seit 2015 arbeitet er an dieser Reihe »Katholische Pfarrei St. Oswald. Geschichte – Architektur – Kunstschätze«. Zwischenzeitlich hat er sich nun aber im vergangenen Jahr mit einem anderen Thema befasst: mit den Edelleuten in Traunstein. Er macht kein Hehl daraus, dass ihn dieses Thema eines Tages gepackt und nicht mehr losgelassen habe, so spannend sei die Beschäftigung mit den Rittern für ihn gewesen.

Angefangen hatte alles am Ostermontag im vergangenen Jahr, als sich der Georgi-Ritt in Bewegung setzte. Hans Kösterke stand neben Albert Schmied, der in die Rolle des Herolds geschlüpft war und hoch zu Ross die Pferdewallfahrt anzuführen gedachte. »Zum ersten Mal ist mir damals dann aufgefallen, dass auf dem Sattelzeug am Ross des Herolds farbige Wappenanhänger angebracht waren«, erzählt der 73-Jährige. Die Wappen weckten sein Interesse – über die Familien Zirnberg, Großschedel, Schaumberg und Kern, die sich hinter ihnen verbargen, wollte er mehr, am besten alles wissen.

»Noch am gleichen Tag habe ich angefangen zu recherchieren«, erzählt der 73-Jährige. Ein Jahr lang kam er dann kaum von seinem Computer weg. Von Zuhause aus begab er sich auf die Spuren, die die Edelleute hinterlassen haben. In die Archive musste er nicht fahren, um an Quellen heranzukommen, denn diese Einrichtungen haben schon sehr viel digitalisiert und online gestellt. Über das Internet konnte sich Kösterke zahlreiche Quellen leicht und schnell ins Haus holen. Und so las er dann insbesondere auch Wappenbücher, die man seinerzeit »Stammenbücher« nannte. Sie enthalten wertvolle Hinweise auf die Geschlechtergeschichte.

Die Nachforschungen förderten Erkenntnisse zutage, die die Heimatforschung bereichern – und die so manche Behauptung, die bisher immer aufgestellt worden ist, infrage stellen. So ist sich Hans Kösterke jetzt nach seiner Quellenarbeit sicher, dass in Traunstein einst nicht die »Schaumburger«, sondern die »Schaumberger« gelebt haben. Seiner Ansicht nach ist bislang immer eine Verschreibung in die Überlieferung hineingerutscht – ein Ungenauigkeit, die er nun korrigieren will.

Auch habe er, wie er in diesem Zusammenhang weiter erläutert, einiges über die Herkunft der »Schaumberger« herausbringen können. So meint Kösterke, dass das Geschlecht dem fränkischen Ritter-Uradel zuzuordnen sei. Stammsitz sei die »Schaumburg« gewesen, die über der Stadt Schalkau am Südhang des Thüringer Waldes gestanden sei. Die Linie in Traunstein sei im Jahre 1659 ausgestorben.

Mit vielen Zeugnissen aus der Vergangenheit beschäftigte sich Kösterke – unter anderem auch mit einer Grabplatte in der Turmhalle der katholischen Pfarrkirche Mariä Verkündigung in Haslach. Die Gedenkstätte erinnert an die Zirnberger und die mit ihnen verwandten Geschlechter. Ganz genau hat der Heimatforscher die Inschrift angeschaut – und er entdeckte Unerwartetes: Die Erinnerung gelte nicht, wie er die bisher gängige Lesart zitiert, einer »Anna Apfentaler«, sondern vielmehr, wie er hingegen die alten. schwer zu lesenden Buchstaben entziffert, einer »Lucia Apfentaler«. Die Recherche in den Quellen habe diese Lesart des Namens dann auch bestätigt, so der 73-Jährige. In der Überlieferung habe er eine »Lucia Apfentaler«, aber keine »Anna Apfentaler« entdeckt.

Kösterke hat seine Dokumentation »Auf den Spuren von Rittern und Edelleuten in Trauwenstain« im Eigenverlag herausgebracht. Wer sich für das Buch interessiert, kann sich an den Autor wenden. Hans Kösterke ist unter Telefon 0861/ 6 94 19 zu erreichen. pü

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