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Auch in Traunstein konsumieren Jugendliche Drogen

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Angelika Deiml, die Leiterin der Polizeiinspektion Traunstein, will die Betäubungsmittel-Kriminalität weiter bekämpfen: »Wir werden in der Verfolgung der Straftaten nicht nachlassen.« (Foto: Pültz)

Traunstein – In großen Städten wie in München kennt die Polizei Brennpunkte: Straßen und Plätze, Ecken und Enden, wo Jugendliche Drogen kaufen können. In der vergleichsweise kleinen Stadt Traunstein existieren solche Umschlagplätze, wo sich der Handel verdichtet, nicht. »Es gibt keine Hochburg«, sagt Angelika Deiml. Und sie muss es wissen, schließlich leitet sie die Polizeiinspektion (PI) Traunstein.


Zu glauben, dass in der Kreisstadt keine Drogen in die Hände von Jugendlichen gelangen, wäre jedoch blauäugig. Und so macht dann auch die Polizeichefin im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt kein Hehl daraus, dass Jugendliche wie andernorts auch in Traunstein Drogen konsumieren.

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Einzelheiten zu Örtlichkeiten und zum Vorgehen – wo, wann und wie die Polizei kontrolliert – will sie aus ermittlungstaktischen Gründen nicht preisgeben. Nicht, dass sie die eigene Arbeit beeinträchtigt und unbeabsichtigte Warnungen in der Zeitung lesen muss. Über Grundsätze der Polizeiarbeit in Traunstein gibt sie aber sehr wohl Auskunft. Und in diesem Zusammenhang betont sie dann vor allem auch, dass die Drogenproblematik in Traunstein keinerlei Auffälligkeiten aufweist.

Angesprochen auf die Örtlichkeiten, wo Jugendliche einen Joint rauchen, sagt Deiml: »Der Drogenkonsum kann in Traunstein überall passieren« – und damit also etwa auch am Bahnhof, an der Güterhalle und am Jugendtreff der Stadt Traunstein. Auf letztere, öffentliche Einrichtung war die Aufmerksamkeit vor einiger Zeit gefallen, als die Stadtjugendpflegerin Petra Breutel in einer öffentlichen Ausschusssitzung berichtete, dass das Betreuungsteam weißes Pulver auf der Bubentoilette gefunden habe – und dass damit auf Drogenkonsum in oder an der Einrichtung geschlossen werden muss.

In der aktuellen Straftatenstatistik der Polizei erscheint der Jugendtreff nicht. Im vergangenen wie auch im laufenden Jahr sei, wie Deiml mit einem Blick auf die Zahlen berichtet, »kein einziger Fall von Drogenkriminalität« bekannt geworden. Und sie ergänzt: »Wir gehen aber auch nicht rein und schütteln die Jugendlichen.«

Wie oft Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren in Traunstein Drogen mit sich herumtragen, konsumieren und vor allem wie oft sie dann auch von der Polizei erwischt werden, bleibt offen. Straftaten, die gerade sie im Bereich der Betäubungsmittel (BTM) begehen, werden von der Polizeiinspektion in der Jahresstatistik nicht eigens aufgelistet. Die PI fasst unterschiedslos alle BTM-Delikte zusammen.

Im Zahlenwerk für 2018 stehen nach Angaben von Deiml 118 Straftaten in der Stadt Traunstein im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln. Gegenüber 2017 ergibt sich ein Rückgang um 43 Delikte. Wie in anderen Bereichen ist auch in der BTM-Kriminalität von einer Dunkelziffer für Fälle auszugehen, von denen die Polizei keine Kenntnis erhält.

Wer Drogen in die Hand nimmt und mit dem Gesetz in Konflikt kommt, muss damit rechnen, erwischt zu werden. So hatte die Polizeiinspektion Traunstein auch im vergangenen Jahr wieder eine sehr hohe Aufklärungsquote: Die PI-Leiterin berichtet, dass die Beamten in 95,8 Prozent der Fälle in Traunstein die Täter ermitteln konnten.

Wenn Jugendliche in Traunstein Drogen konsumieren, dann ist davon auszugehen, dass sie in der Regel einen Joint rauchen. So betont Deiml, dass Jugendliche meist zu Einstiegsdrogen greifen: zu Cannabis. Die PI-Leiterin spricht insbesondere von Marihuana. Nur vereinzelt konsumieren Jugendliche ihren Angaben zufolge harte Drogen wie Heroin.

Mit Kontrollen versucht die Polizei illegales Treiben zu unterbinden. Und auf diesem Weg will sie weitergehen. »Wir werden in der Verfolgung der Straftaten nicht nachlassen«, betont die Leiterin der Polizeiinspektion.

Zum einen kommt die Polizei ihrem Auftrag nach, Straftaten aufzudecken, zum anderen will sie Jugendliche vor sich selbst schützen. So gehe die Polizei gegen den Konsum von Betäubungsmitteln gerade auch deshalb vor, weil Drogen, so Deiml, die Gesundheit beeinträchtigen. »Was sich die Leute antun, darf man nicht außer Acht lassen.«

In diesem Sinne leiste die Polizei mit ihren Partnern vor allem auch eins: Aufklärungsarbeit – und in diesem Bereich werde die Polizei in ihrem Engagement, so Deiml, ebenso wenig nachlassen.