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Altoberbürgermeister Fritz Stahl wird Ehrenbürger

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Erhält am 1. März aus Anlass seines 80. Geburtstags die Ehrenbürgerwürde der Stadt Traunstein: Altoberbürgermeister Fritz Stahl.

Traunstein – Was haben Papst Benedikt XVI. emeritus und Fritz Stahl gemeinsam? Beide sind Ehrenbürger der Stadt Traunstein, Stahl zumindest ab 1. März, wenn es nach dem Willen des Stadtrats geht. Nach Informationen des Traunsteiner Tagblatts hatten alle im Stadtrat vertretenen Fraktionen gemeinsam vorgeschlagen, Stahl aus Anlass seines 80. Geburtstags das Ehrenbürgerrecht der Stadt Traunstein zu verleihen.


Das Ehrenbürgerrecht wird für »bleibende höchste Verdienste um das Ansehen und das Allgemeinwohl der Stadt« verliehen. Bisher wurde an 22 Personen das Ehrenbürgerrecht verliehen, zuletzt am 16. Juni 2005 an Papst Benedikt XVI. emeritus – überreicht von Fritz Stahl, der damals als Oberbürgermeister mit einer Delegation der Stadt Traunstein in den Vatikan gereist war. Das Ehrenbürgerrecht kann nur zu Lebzeiten verliehen werden und endet mit dem Tod des Ehrenbürgers. Derzeit hat nur der emeritierte Papst Benedikt XVI. das Ehrenbürgerrecht der Stadt Traunstein inne.

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Über 40 Jahre lang kommunalpolitisch engagiert

Über 40 Jahre war Fritz Stahl kommunalpolitisch engagiert, 18 Jahre war er Oberbürgermeister der Stadt Traunstein. Für sein herausragendes politisches Engagement wurde ihm 2003 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen, 2005 erhielt er die Medaille des Freistaates Bayern für Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung.

Nach dem Ausscheiden aus dem Amt des Oberbürgermeisters 2008 verlieh ihm der Stadtrat den Ehrentitel Altoberbürgermeister. Im Jahr 2009 wurde ihm der Ehrenring der Stadt Traunstein verliehen. Der Ehrenring ist nach der Ehrenbürgerwürde die höchste Auszeichnung, die von der Stadt vergeben wird.

Bereits 1972 wurde er in den Stadtrat gewählt und führte von Anfang an den Vorsitz der SPD-Fraktion. 1984 übernahm er das Amt des dritten Bürgermeisters, bevor er im Jahr 1990 zum Oberbürgermeister der Stadt gewählt wurde. 1996 und 2002 bestätigten ihn die Traunsteiner mit Rekordergebnissen im Amt, das er bis 2008 bekleidete.

In seine Amtszeit fallen unter anderem der Neubau des Traunsteiner Rathauses sowie die Neugestaltung des Stadtplatzes. Mit der Verlängerung der Südspange und der Brücke über die Traun und dem unermüdlichen Einsatz für die Nordumfahrung zur Entlastung Traunsteins setzte er auch verkehrspolitische Akzente. Seit 1978 bis heute gehört Stahl dem Kreistag an und ist damit derzeit der dienstälteste Kreisrat. Von 1990 bis 2002 war Fritz Stahl zudem stellvertretender Landrat.

Auch über die Grenzen von Stadt und Landkreis hinaus war Fritz Stahl politisch aktiv: Als Mitglied in verschiedenen Ausschüssen des Deutschen Städtetages und des Bayerischen Städtetages hat er seinen kommunalpolitischen Sachverstand ebenso eingebracht wie als gemeinsamer Vertreter der kommunalen Spitzenverbände im Beirat der Akademie für politische Bildung. Über Jahrzehnte war er Aufsichtsratsvorsitzender der Wohnungsbaugenossenschaft Haidforst und hat somit für unzählige Bürger Traunsteins bezahlbaren Wohnraum geschaffen. Von 1966 bis 1996 war Stahl zudem Mitglied im Kirchenvorstand der evangelischen Kirche in Traunstein. Dabei pflegte er immer guten Kontakt auch zu den katholischen Pfarrern in St. Oswald. Zudem ist Stahl Vorstandsmitglied der Förderstiftung der Diakonie Traunstein und Schirmherr der Kreisarbeitsgemeinschaft Malihilfe.

Bis heute ehrenamtlich für die Mitbürger im Einsatz

Bis heute nimmt der Altoberbürgermeister wichtige Ämter wahr und engagiert sich für seine Mitbürger. So ist er unter anderem Vorsitzender der Volkshochschule Traunstein, der Orgelfreunde St. Oswald und des Vereins Freunde der Musik – Förderverein der Musikschule Traunstein.

»Es ist mir eine große Freude und Ehre, Herrn Altoberbürgermeister Fritz Stahl in dankbarer Anerkennung seiner überragenden Verdienste um die Stadt Traunstein und anlässlich seines 80. Geburtstages am 1. März die Ehrenbürgerwürde verleihen zu dürfen«, so Oberbürgermeister Christian Kegel gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt.

»Fritz Stahl ist mir seit vielen Jahren ein enger Freund, Wegbegleiter und wertvoller Ratgeber. Er ist ein Mensch, der in seiner ganz besonderen, sehr feinen, nicht nachlassenden, aber niemals aufdringlichen Art fähig ist, Menschen zusammenzuführen, von wichtigen Zielen zu überzeugen und für diese zu begeistern.« Oft sei es ihm dabei ein Rätsel, woher Stahl diese Energie und diese Kraft nimmt, diese für die Stadt so herausragend wichtigen Leistungen zu erbringen, und das, obwohl er ja schon seit zwölf Jahren nicht mehr Oberbürgermeister ist.

Unverdrossen und mit höchstem Einsatz kümmere er sich um zentrale Belange der Menschen, die VHS Traunstein, der Orgelverein Traunstein und der Förderverein der Musikschule seien nur drei Beispiele. Alle drei führe er als Vorsitzender mit allergrößtem Erfolg. »Lieber Fritz: Ich danke Dir im Namen der Stadt und ganz persönlich und gratuliere Dir, meinem engen Freund und Idol, von ganzem Herzen zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde. Ganz Traunstein ist Dir dankbar und stolz auf den neuen Ehrenbürger«, so Kegel.

Auch zweiter Bürgermeister Hans Zillner (CSU) denkt nach eigenem Bekunden gerne zurück an die gemeinsame Zeit mit Fritz Stahl. »Als er 1990 zum OB gewählt wurde, begann ich meine Stadtratstätigkeit und sechs Jahre danach wurde ich zum zweiten Bürgermeister gewählt, wodurch ich ihm noch näher stand. Wir gehörten ja unterschiedlichen Fraktionen an, das war aber für ihn nie ein Problem, bei ihm stand immer ein fraktionsübergreifendes Bemühen zur Einigung im Vordergrund.«

Sicher sei man nicht immer einer Meinung gewesen – »aber das war eine der Stärken von Fritz Stahl: Bei Differenzen hat man halt nicht nur einmal über das Problem gesprochen, es wurde nochmals und wenn notwendig, ein drittes Mal über etwas diskutiert, und am Ende hat man sich dann meistens '»zusammengerauft'«. Seine Überzeugungsarbeit, Verständnis und der Wille zu einer Einigung seien oft die Ursache von 90 Prozent einstimmiger Abstimmungsergebnisse gewesen. Gut vorbereitete Sitzungen sowie die rechtzeitige Unterrichtung der Gremien und Ausschüsse hätten in der Regel für ein angenehmes Arbeitsklima über die Fraktionsgrenzen hinweg gesorgt.

Konsens über Fraktionsgrenzen hinaus gesucht

Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner, wie Stahl ebenfalls von der SPD, lobt vor allem Stahls Zuverlässigkeit und Geradlinigkeit: »Wenn er was sagt, dann meint er das auch so. Er ist immer verbindlich und hält seine Zusagen ein. Was ihn besonders auszeichnet, ist das stete Bemühen um einen Konsens über alle Fraktionsgrenzen hinweg. Drum hat er auch so viel durchgebracht. Er hat halt immer mit den Leuten geredet, bis klar war, das geht oder das geht nicht.«

Das unterscheide Kommunalpolitik von der Landes- oder Bundespolitik. »Da kennt man die Leute und arbeitet zusammen. Es ist ja nicht gesagt, dass nicht auch ein anderer mal eine gute Idee hat. Und es war für ihn auch nie ein Problem, auch andere Meinungen gelten zu lassen.« Stahl habe auch in der Wohnungsbaugenossenschaft unheimlich viel gemacht.

»Ich bin 1980 für Hermann Schätz in den Stadtrat nachgerückt, da war Fritz Stahl dritter Bürgermeister und SPD-Fraktionsvorsitzender.« 1996 sei sie selbst dritte Bürgermeisterin geworden, derzeit arbeite sie bereits mit dem vierten Oberbürgermeister zusammen. Sie selbst habe viel von Fritz Stahl gelernt, »verbindlich sein, mit den Leuten reden, andere Meinungen zählen lassen und den Bürgern Rede und Antwort stehen.« coho

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