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Alle Teilnehmer schafften das Staatsexamen mit Bravour

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Einen Staatspreis der Regierung von Oberbayern überreichten der stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser (rechts), Schulleiter Alexander Hoh (links) und Klassenleiterin Manuela Nann (Zweite von rechts) an Viktoria Lamminger (von links), Stefanie Heinrich und Chantal Nies. (Foto: Buthke)

Ihre Anerkennung als staatlich geprüfte Gesundheits- und Krankenpfleger haben 22 Schüler der Berufsfachschule für Krankenpflege Traunstein erfolgreich geschafft. Jetzt wurden ihnen die Zeugnisse überreicht.


»Sie erfüllen nun alle Voraussetzungen, um diesen gesetzlich geschützten Titel tragen zu dürfen«, stellte Schulleiter Alexander Hoh fest. Staatspreisurkunden der Regierung von Oberbayern für einen Notendurchschnitt bis 1,5 übergaben der stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser, Schulleiter Hoh und Klassenleiterin Manuela Nann an Viktoria Lamminger aus Teisendorf (1,14), Chantal Nies aus Ruhpolding (1,29) und Stefanie Heinrich aus Siegsdorf (1,43).

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Schüler leiteten drei Wochen eine Station

Der Klasse bescheinigte Hoh eine positiv kritische Haltung, eine ausgeprägte Diskussionsfreudigkeit sowie eine motivierte Aufgeschlossenheit für Neues. »Passend dazu setzten wir mit dieser Klasse erstmals unser Theorie-Praxis-Projekt 'Schüler leiten eine Station' um«, so der Schulleiter. Die Schüler übernahmen dabei für drei Wochen im Dreischichtsystem die Leitung und pflegerische Versorgung einer orthopädischen Station in der Kreisklinik Trostberg. Jede Schicht wurde von examinierten Pflegekräften begleitet. Auf diese Weise konnten die Schüler im geschützten Rahmen den »Echtbetrieb« erleben, berufliche Handlungskompetenz erwerben und sich auf den Berufsalltag vorbereiten.

»Die pflegerische Arbeit ist eine hochprofessionelle Tätigkeit mit einer sehr großen Eigen- und Fremdverantwortung. Die Pflegefachkräfte arbeiten mit anderen Berufsgruppen am Patienten unter hochkomplexen, ökonomischen, rechtlichen und ethischen Rahmenbedingungen«, stellte Hoh fest. Die frisch examinierten Pflegefachkräfte forderte er auf, sich kritisch einzubringen, kompetent zu pflegen, mit Ärzten und anderen Berufsgruppen auf gleicher Augenhöhe zu kommunizieren sowie eine Haltung und ein pflegerisches Selbstverständnis zu zeigen, mit dem sie entsprechend wahrgenommen würden.

Der Leiter des Bildungszentrums für Gesundheitsberufe der Kliniken Südostbayern AG, Rupert Übelherr, erklärte, das Bildungszentrum entlasse in diesem Jahr insgesamt rund 100 Pflegefachkräfte, Pflegefachhelfer, Operationstechnische Assistenten, Medizinische Fachangestellte und Teilnehmer an Fachweiterbildungen in den heiß umkämpften Markt für Pflegefachkräfte. Die Krankenpflegeschulen Bad Reichenhall und Traunstein hätten seit Anfang der 1960er Jahre an die 4000 Krankenpflegekräfte überwiegend für den regionalen Markt ausgebildet. Der Großteil davon sei in die eigenen Kliniken übernommen worden. Auch in wirtschaftlich schwierigen Jahren seien nie Ausbildungsplätze abgebaut worden. »Der Beitrag, der hier im Bereich Pflegeausbildung und damit Sicherung einer qualifizierten Versorgung von kranken und alten, hilfsbedürftigen Menschen geleistet wurde und wird, ist unschätzbar wertvoll«, unterstrich Übelherr.

Ausbildung der Mitarbeiter auch in schwierigen Zeiten

Das Bildungszentrum für Gesundheitsberufe sei eine Bildungseinrichtung für alle Kliniken des Klinikverbunds, sagte der Medizinische Direktor, Dr. Stefan Paech. Die Aus- und Weiterbildung habe bei der Kliniken Südostbayern AG stets einen großen Stellenwert. Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei in die Ausbildung der Mitarbeiter investiert worden.

Die Berufsbilder im Gesundheitswesen und die Interaktion mit anderen Berufsgruppen würden deutlich zunehmen. Die von den Ärzten dominierte Zeit sei vorbei, denn die Prozesse würden nicht mehr von jeder einzelnen Berufsgruppe, sondern von allen gemeinsam gestaltet. Neuerungen, wie zum Beispiel die Digitalisierung, sollen erreichen, dass wertvolle Arbeitszeit für den Patienten erhalten bleibe, denn »Dokumentationen mit Papier und Bleistift« würden die Pflegekräfte viele Stunden kosten. Paech bedauerte, dass die Politik dazu keine Finanzmittel zur Verfügung stelle. Dennoch habe die Gesundheitspolitik verstanden, dass es ein »Weiter-so« nicht länger geben könne.

Von den 22 Absolventen würden 15 bei der Kliniken Südbayern AG übernommen und auf die Klinikstandorte Traunstein, Trostberg, Ruhpolding und Berchtesgaden verteilt, sagte die Pflegedirektorin der Kliniken Südostbayern, Susanne Güll. »Wir brauchen diese Aufgeschlossenheit und Offenheit, über die Standorte hinweg zu arbeiten. Diese Wendigkeit wird entscheiden, wie wir unseren Verbund in die Zukunft führen«, so Güll. Sie forderten die neuen Pflegefachkräfte auf, sich diese Offenheit und Aufgeschlossenheit für Neues gerade in einer Zeit des Wandels und der Veränderungen zu bewahren. Beruflichen Erfolg würden diejenigen unter ihnen haben, die sich in Teams integrieren, sich konstruktiv und positiv mit den Anforderungen der Berufswelt auseinandersetzen und nach Lösungen suchen.

Maschinen ersetzen Dienst am Menschen nicht

Auch das Gesundheitswesen sei von der Digitalisierung und Globalisierung nicht ausgeschlossen, sagte der stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser. Etliche Patienten würden schon vor einem Krankenhausaufenthalt oder Arztbesuch ihre Symptome im Internet eingeben. Aber Maschinen würden den Dienst am Menschen nicht ersetzen können.

Der Krankenpflegeberuf sei ein Beruf mit Zukunft, die man nach den eigenen Vorstellungen gestalten müsse. Dazu brauche es Vertrauen in die, die Verantwortung trügen und die Bereitschaft, selbst Verantwortung zu übernehmen. »Denn wir haben ein gemeinsames Anliegen: In der Gesundheitsversorgung das Beste für die Menschen in unserer Region zu leisten«, stellte Konhäuser fest.

Anhand von eindrucksvollen Bilder ließ Klassenleiterin Nann die dreijährige Ausbildungszeit Revue passieren. Allerdings höre nun das Lernen mit dem Ende der Ausbildung nicht auf. »Und hoffentlich auch nicht Ihre Neugierde, Ihr Drang, sich neues und vertieftes Wissen anzueignen.« Mit einigen Anekdoten blickte zum Schluss Schülersprecherin Helena Schweidler auf die spannende Schulzeit zurück. Bjr