weather-image
34°

Abschlussfest mit kritischen Untertönen

3.5
3.5
Traunstein
Bildtext einblenden
Ein- und Ausblicke in den »Rahmen des Lebens« gaben Franziska Spirkl (links) und Judith Heigermoser. (Foto: Effner)

Traunstein – Die zum Teil heftig geführten Diskussionen um den Erhalt der Artenvielfalt und die Rolle der Landwirtschaft lassen auch den Agrar-Nachwuchs alles andere als kalt. Dies wurde beim Festakt der Absolven-ten des Wintersemesters 2018/19 der Landwirt-schaftsschule Traunstein im Landratsamt deutlich. 35 junge Männer und Frauen erhielten im Beisein zahlreicher Ehrengäste ihre Zeugnisse als staatlich geprüfter Wirtschafter für Landbau beziehungsweise als Fachkraft für Ernährung und Hauswirtschaft.


Landrat Siegfried Walch betonte den Wert der regionalen Landwirtschaft, die er als »gelebten Umweltschutz« und »tragende Säule für unsere Heimat« bezeichnete. Investitionen seien hier auf Generationen hin ausgerichtet und nicht auf kurzfristigen Gewinn. Sowohl bei der nachhaltigen Erzeugung gesunder Nahrungsmittel wie auch für den sozialen Zusammenhalt in den Kommunen seien die Landwirte unverzichtbar. Angesichts der Leistungen wünsche er sich mehr gesellschaftliche Wertschätzung gerade für die kleinbäuerliche Landwirtschaft in Bayern, sagte er: »Wegen einiger Lauser darf man nicht eine ganze Branche verurteilen«.

Anzeige

Georg Baumgartner, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands aus dem Berchtesgadener Land, betonte die gute Ausbildung als Grundvoraussetzung für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Bruno Thurnhausstatter vom Verband für landwirtschaftliche Fachbildung in Laufen stellte angesichts großer Umbrüche den Stellenwert der persönlichen und beruflichen Weiterbildung für den Agrarnachwuchs heraus.

Hans Zenz, Schulleiter der Landwirtschaftsschule Traunstein, und Annemarie Hofstetter-Hack, Leiterin der Abteilung Hauswirtschaft, freuten sich über die lebendige Vielfalt im Unterricht, die Schüler mit den unterschiedlichsten Berufsabschlüssen mitbrachten. Diese kommen inzwischen sogar bis aus den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen und Cham. Angesichts des Artenschwunds und deutlicher Klimaveränderungen, deren Auswirkungen im Dürresommer 2018 auch im Landkreis zu spüren waren, sei das Thema Biodiversität im neuen Schuljahr Beratungsschwerpunkt, sagte Zenz. Anhand unterschiedlicher Beispiele zeigte er mit Hof-stetter-Hack auf, wie jeder Einzelne durch mehr Bewusstsein beim Einkaufen und im Alltag zu einer positiven Veränderung beitragen könne.

Zenz verwies auch auf die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für den Erhalt der kleinstrukturierten Landwirtschaft mit rund 82 000 bäuerlichen Betrieben in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land. Diese sei zwar ein »entscheidender Vorteil für Artenschutz und Landschaftspflege«, werde aber durch drohende Fördereinschränkungen, behördliche Regelungswut und die schwierige Preissituation bedroht. »Der Wunsch nach mehr Ökologie hängt auch viel vom Verbraucher ab«, lautete das Schlussfazit.

Eine differenzierte Auseinandersetzung mit Vorur-teilen und Vorwürfen gegenüber dem Agrarsektor zeigten die beiden Sprecher der Landwirtschaftsklasse, Melanie Huber und Martin Stein, unter dem Thema »Landwirte in der Kritik« auf. Anhand von hitzigen Gesprächen mit Bürgern bei der Feldarbeit und professionell gestalteten Faktenpräsentationen stellten sie die Wirtschaftsleistung der Landwirtschaft insgesamt und die persönliche Betroffenheit zwischen persönlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anforderungen als Landwirt heraus.

Nicht weniger kreativ präsentierten die beiden Sprecherinnen der Hauswirtschaftsklasse, Judith Heigermoser und Franziska Spirkl, den Spagat zwischen einer Vielzahl von beruflichen und privaten Anforderungen. Anhand von Holzbauteilen, die sie mehrmals neu in den »Rahmen des Lebens« einpassten, zeigte sich, dass trotz vollen Kalenders immer noch Platz für die »Winterschule« und künftig auch für wichtige Fortbildungen bleibe. Einblick in das dichtgepackte siebenmonatige Schulprogramm der Weiterbildungen zum Landwirt oder zur Hauswirtschafterin gaben die Sprecherinnen Melanie Huber und Judith Heigermoser.

Als Jahrgangsbeste von den 17 Studierenden der Landwirtschaftsklasse wurde ausgezeichnet: Martin Stein aus Grabenstätt (Notendurchschnitt 1,07), Melanie Huber aus Fridolfing (1,35) sowie Georg Künzner aus Kienberg und Jakob Zeltsperger aus Tittmoning (beide 1,92). Als Jahrgangsbeste der Hauswirtschaftsklasse mit 18 Studierenden ausgezeichnet wurden: Kerstin Schmid aus Stansried (1,22, Landkreis Cham), Barbara Fischer aus Vogtareuth (1,33, Landkreis Ro-senheim) und Franziska Spirkl aus Kastl (1,33, Landkreis Altötting). eff