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Abschied nehmen im engsten Kreis: »Würde hängt nicht von der Zahl der Trauergäste ab«

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Traunstein: Beerdigungen in Corona-Krise mit vielen Bedingungen und begrenzten Teilnehmern
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Bestattungen dürfen derzeit wegen der Corona-Krise nur unter strengen Vorgaben stattfinden – eine zusätzliche Belastung für die Hinterbliebenen in ohnehin schweren Zeiten, aber auch für die Bestatter. (Foto: dpa)

Traunstein – Beerdigungen im kleinsten Kreis, ohne Trauergottesdienst, offene Aufbahrung und tröstende Umarmungen – für den einen ganz normal, für den anderen nur sehr schwer zu ertragen. Das Traunsteiner Tagblatt sprach mit den beiden Traunsteiner Bestattern, Robert Huber und Josef Sailer vom Beerdigungsinstitut Paul Loch, wie die Corona-Krise ihre Arbeit verändert.


»Da gibt es eine ganz klare Verordnung«, sagt Robert Huber. Streng genommen seien Bestattungen sogar verboten, könnten aber auf Antrag stattfinden, wenn die Bedingungen eingehalten würden. Heißt: Es ist nur der engste Kreis zugelassen – exklusive Sargträger und Pfarrer »möglichst höchstens 10, maximal 15 Personen« (Stand 31. März).

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Termin darf nicht veröffentlicht werden

Der Termin der Beisetzung darf nicht veröffentlicht werden – auch nicht in der Todesanzeige, weder in der Zeitung noch auf dem Online-Portal, auf dem man Kerzen anzünden und kondolieren könne. Trauerfeiern in geschlossenen Räumen und offene Aufbahrungen sind nicht zulässig. Desinfektionsmittelspender sind aufzustellen.

Die geänderten Rahmenbedingungen beginnen schon beim Gespräch mit den Hinterbliebenen. »Sie können auch weiter zu uns kommen, aber nur ein bis höchstens zwei Angehörige, damit wir weit genug auseinander sitzen können.« Natürlich sei das für die Angehörigen schwer – noch schwerer als ohnehin schon – »aber das sehen sie schon ein, dass es im Moment einfach nicht anders geht«, sagt Huber.

»Wir müssen uns unbedingt schützen«, sagt er. Einer der neun Mitarbeiter sei gerade rein vorsorglich krankgeschrieben. »Seit Kurzem sind wir auch als systemrelevant anerkannt. Würde einer von uns wirklich krank und wir könnten nicht mehr bestatten, wäre das schlimm.« Bei der hygienischen Versorgung eines Verstorbenen – waschen, kämmen, anziehen, in den Sarg betten – tragen die Bestatter selbstverständlich Schutzkleidung. Das sei aber generell üblich und habe nichts mit Corona zu tun.

Relativ wenige Angehörige tendierten in der aktuellen Lage dazu, die Beerdigung zu verschieben, um neben der Familie auch Freunde, Kollegen und Nachbarn daran teilhaben lassen zu können. »Denn das wäre ein Verschieben ins Ungewisse. Kein Mensch kann abschätzen, wie lange die Pandemie dauert«, so Huber. Zwar seien die Möglichkeiten derzeit schon sehr stark eingeschränkt ohne Leichenschmaus beim Wirt, ohne Trauergottesdienst und Musik, doch habe er den Eindruck, »die Leute nehmen das aushaltend in Kauf.« Denn das Verschieben der Bestattung »macht Druck auf der Seele. Die Angehörigen wollen das meist möglichst schnell hinter sich bringen.«

»Verstorbener wird immer würdevoll behandelt«

Die Frage, wie man als Bestatter dennoch eine würdevolle Trauerfeier gestalten kann, ist für ihn geradezu unverständlich: »Die Würde hängt doch nicht an der Zahl der Trauergäste. Auch kleine Beerdigungen können würdevoll gestaltet sein. Und der Verstorbene selbst wird immer ordentlich hergerichtet, auch wenn er keine Angehörigen hat. Das ist Regel Nummer eins in unserem Handwerk, das lernen die Auszubildenden als Erstes.«

Und wenn Beerdigungen doch verschoben würden, müssten sie als Urnenbestattung stattfinden. Aber das sei mittlerweile ohnehin eher im Trend als Erdbestattungen – aus unterschiedlichsten Gründen. Huber schätzt den Anteil auf inzwischen gute 70 Prozent im Landkreis, »in Traunstein sind wir sicher bei 75 Prozent«.

»Wir standen ja bis vor kurzem vor einer undurchsichtigen Sachlage«, sagt auch Josef Sailer, Ansprechpartner des Bestattungsunternehmens Paul Loch in Traunstein. Seit kurzem gibt es klare Richtlinien des Bayerischen Gesundheitsministeriums und des Landratsamts. »Wir bemühen uns, diese täglich in der Praxis umzusetzen als Schutz für die Angehörigen und unsere Mitarbeiter.« Die Beerdigungen und Abschiednahmen seien für Bestatter und auch Angehörige sehr eingeschränkt.

Aufbahrungen sollten ja unterbleiben. »Ebenso ist der Rahmen der Beerdigung sehr eingeschränkt. Persönliche Gestaltungsmöglichkeiten sind fast nicht umsetzbar.« Probleme gebe es zum Beispiel auch bei der Blumenauswahl. Manche Gärtnereien berichteten von Lieferschwierigkeiten bestimmter Blumen. »Das macht es zum Teil sehr schwer, auf die Wünsche der Angehörigen einzugehen«, sagt Sailer. »Ebenso hakt es bei den Zulieferern der Särge und der Hygieneartikel.«

Büro- und Fahrdienst streng getrennt

Um den Betrieb unter allen Umständen aufrecht erhalten zu können, hat Sailer etliche Vorkehrungen getroffen. »Wir arbeiten im Zwei-Schicht-Betrieb, um immer noch Mitarbeiter in Reserve zu haben. Ebenso ist der Bürodienst strikt vom Fahrdienst getrennt.«

Um eine Ansteckung zu vermeiden, würden viele Trauergespräche am Telefon und per E-Mail geführt, um persönlichen Kontakt zu vermeiden. »Aber die An- gehörigen sind sehr einsichtig und akzeptieren die Maßnahmen zu ihrem Schutz«, hat Sailer beobachtet. Erleichtert zeigte er sich, dass auch Bestatter seit Kurzem als systemrelevant anerkannt sind. »Das hatte in der Politik keiner auf dem Schirm. Wir sind da schlicht vergessen worden. Momentan weiß niemand, was da noch alles auf uns zukommt. Wir sind aber bemüht, uns immer auf dem neusten Stand zu halten und täglich nach den geänderten Bedingungen zu arbeiten, um unsere Gesellschaft zu schützen.« coho

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