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50 neue Computer in der Schule: »Ein Umdenken bis ganz oben muss erfolgen«

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In der Wartung der neuen Ausleihgeräte sieht Stefan Bauer, der Leiter der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule, die »größte Baustelle bei den ganzen Digitalisierungsbestrebungen«. Es sei »unklar, wer das Personal finanziert und einsetzt«.

Traunstein – Über 50 neue Computer verfügt die Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule. Sie stehen für die Ausleihe an die Jugendlichen zur Verfügung. Wie ihre beiden Grund- hat die Stadt auch ihre Mittelschule mit Geräten ausgestattet, die die Lehrer nun im Bedarfsfall ausgeben können – zum Beispiel dann, wenn möglicherweise in Zeiten der Corona-Krise die eine oder andere Klasse wieder zuhause bleiben müsste und Distanzunterricht bekäme.


Jenen Jugendlichen, die über keinen Computer verfügen, greift die Schule dann unter die Arme, gibt ihnen Geräte, damit sie am Unterricht teilnehmen können und den Anschluss nicht verlieren. Im Interview mit dem Traunsteiner Tagblatt über die Organisation des Ausleihbetriebs sieht Rektor Stefan Bauer vor allem auch ein Problem: Seinen Angaben zufolge fehlt Personal zur Schulung der Nutzer und zur Wartung der Geräte. »Hier muss ein Umdenken bis ganz oben erfolgen«.

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Wann haben Sie die Geräte bekommen?

Unser Systembetreuer, Herr Gulden, hat schon im Juli die Ausschreibungen für mögliche Leihgeräte gemacht. 30 Laptops wurden von ihm dann im August mit den Mitteln angeschafft. 20 iPads konnten Anfang September geliefert werden.

Welche Art von Computern haben Sie sich beschafft? Die Kosten?

Die Laptops haben einen Gesamtwert von jeweils circa. 450 Euro, die Tablets mit Zubehör fast 400 Euro. Zu den Tablets waren weitere Einzelanschaffungen – Ladestation et cetera – notwendig.

50 Geräte zum Ausleihen stehen Ihnen nun zur Verfügung. Haben Sie die Computer schon an die Schüler ausgegeben?

Wir haben die Stadt gebeten, einen Leihvertrag zu entwerfen. Dazu fand nun eine abschließende Beratung statt. Ich gehe davon aus, dass die Leihverträge demnächst vorliegen.

Wie handhaben Sie die Ausleihe? Wer bekommt wann wie lange unter welchen Voraussetzungen ein Gerät?

Der Stadt ist es zunächst ein Anliegen, dass die Geräte anlassbezogen für den Fall von weiterem Fernunterricht ausgegeben werden. Didaktisch und pädagogisch wäre natürlich eine dauerhafte Verleihung wünschenswert. Hier arbeiten wir konstruktiv an einer optimalen Lösung für Schüler und Sachaufwandsträger.

Sicherlich nicht jeder Schüler kann mit dem Ausleihgerät umgehen, das er erhält. Wie läuft dann die Schulung?

Hier bleiben noch einige Unsicherheiten. Natürlich benötigen die Schüler eine Einweisung. Da die Geräte aber aktuell noch nicht verliehen sind, werden wir im Informatikunterricht, der Pflichtunterricht in den Klassen 5 bis 8 ist, die Geräte mit möglichst vielen Schülern testen.

Für den erneuten Fall von Schulschließungen wäre natürlich ein Unterstützungssystem für zu Hause wünschenswert. Gerade unsere Schulart besuchen Schüler aus technikfernen Familien, die teilweise zu Hause keinerlei Computerwissen oder Erfahrungen mitbringen. In einer Besprechung mit der Digitalbeauftragten der Stadt, Frau Mandl, wurde dieses Grundproblem der Mittelschule schon erörtert. Ich würde mir einen Helferkreis von Freiwilligen mit Unterstützung von Stadtseite dazu als Idealfall vorstellen.

Über die Schulung haben wir jetzt gesprochen. Ein anderes Thema: Wer in der Lehrerschaft übernimmt die Wartung? Wie geht sie vonstatten?

Genau hier liegt meines Erachtens die größte Baustelle bei den ganzen Digitalisierungsbestrebungen. Es werden sehr viele Mittel von Bund und dem Freistaat Bayern zur Verfügung gestellt, aber es ist unklar, wer das Personal finanziert und einsetzt. Alleine die Wartung der 50 Leihgeräte würde den Rahmen der Arbeitszeit völlig sprengen, die mein Systembetreuer Herr Gulden als Anrechnung bekommt.

Wir versuchen durch externe Dienstleister, die Problematik zu entzerren, sind aber oft auf kurzfristige Hilfe angewiesen. Ein Ansprechpartner bei der Stadt Traunstein für den kurzfristigen Notfall wäre meine Wunschvorstellung, damit im Notfall eine Wartung erfolgen kann, ohne meinen Systembetreuer völlig zu überlasten.

Auch die Staatsregierung ist aber in der Pflicht, endlich die Anrechnungsstunden für Systembetreuung aufzustocken. Für derzeit circa 200 zu betreuende Computer, zusätzlich 25 Beamer und 25 Dokumentenkameras stehen unserer Schule nur drei Anrechnungsstunden pro Woche zur Verfügung.

Jeder, der schon einmal auf mehreren PCs neue Programme installiert hat, weiß, dass alleine dies den zeitlichen Rahmen von drei Stunden schon deutlich sprengt. Zeit für Schulung von Schülern – und Lehrern im Übrigen auch – ist daher oft gleichbedeutend mit Mehrarbeit, die ich aber nicht anordnen oder gar vergüten kann.

Hier muss ein Umdenken bis ganz oben erfolgen, sonst werden wir unsere Baustellen bei der Digitalisierung in nächster Zeit und langfristig nicht in den Griff bekommen.

Neue Computer für städtische Schulen

Die Stadt hat ihre Schulen mit Computern zum Ausleihen an die Schüler ausgestattet. Die Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule hat nach Angaben von Agnes Giesbrecht, der Pressesprecherin der Verwaltung im Rathaus, 50 Tablets und Notebooks erhalten, die Ludwig-Thoma-Grundschule 46 und die Grundschule Haslach 16 Tablets. Die Kosten von gut 61.800 Euro werden ihren Angaben zufolge mit knapp 56.500 Euro gefördert aus dem »Sonderbudget Leihgeräte« im Rahmen des DigitalPakts des Bundes.

Gernot Pültz

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