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23-jähriger Äthiopier muss in die Psychiatrie – Frauen und Kinder sexuell belästigt

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Landgericht Traunstein: 23-jähriger Äthiopier muss in die Psychiatrie – Frauen und Kinder sexuell belästigt
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Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa-Archiv

Traunstein – Auf unbestimmte Zeit muss ein 23-jähriger Äthiopier, der 2018 in Trostberg durch eine Reihe sexuell bedingter Handlungen gegenüber Frauen und Kindern aufgefallen war, in die Psychiatrie. Die Jugendschutzkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Dr. Klaus Weidmann ordnete gestern die zwangsweise Unterbringung des psychisch kranken Beschuldigten an. Für seine Taten, die sich mit den Vorwürfen in der Antragsschrift der Staatsanwaltschaft deckten, könne der Mann nicht bestraft werden, so Weidmann.


In der Anklageschrift von Staatsanwältin Pia Moulas stand eine Vielzahl von Straftaten, darunter Missbrauch von Kindern, sexuelle Belästigung von Frauen, Beleidigung, vorsätzliche Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, teils in mehreren Fällen. Seine Schuldfähigkeit sei wegen seiner psychischen Erkrankung bei allen Vorfällen aufgehoben gewesen. Laut Sachverständigengutachten sei die Wiederholungsgefahr für vergleichbare Taten hoch, ebenso die Gefahr für die Allgemeinheit. Der 23-Jährige sei in keiner Beziehung zu den Opfern gestanden, so die Anklägerin. Die Voraussetzungen für Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus seien erfüllt, die Unterbringung anzuordnen. Zur Bewährung könne sie derzeit nicht ausgesetzt werden.

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Der Verteidiger, Stefan Pritz aus Trostberg, hatte im Plädoyer an die Angaben seines Mandanten, er habe krankheitsbedingt gedacht, die Frauen wünschten seine sexuellen Annäherungen, erinnert. Wenige Details habe der 23-Jährige nicht eingeräumt. Bestritten habe er die Vorfälle mit Kindern auf einem Spielplatz, ebenso einen Tritt gegen einen Buben. Zeugen hätten jedoch alles bestätigt. Der Beschuldigte sei psychisch krank, fühle sich von höheren Mächten, von »Technology« gesteuert. Er höre zum Beispiel Stimmen und habe Halluzinationen. Eine Zeugin habe geschildert, nach ihrem Eindruck habe sie der Täter »gar nicht wahrgenommen«.

Auch Verteidiger Stefan Pritz sprach sich für eine Unterbringung in einer Klinik aus. »Es bleibt zu hoffen, dass der Beschuldigte nach der Therapie zeitnah entlassen werden kann.«

In der Urteilsbegründung betonte Vorsitzender Richter Dr. Klaus Weidmann, dass es an der Glaubwürdigkeit der Zeugen keinen Zweifel gebe. Die Kinder hätten nicht vom Gericht vernommen werden müssen, weil das Verhalten des 23-Jährigen ihnen gegenüber in das Schema der übrigen Delikte gepasst habe. Zwischen den massiven Aggressionstaten und der Erkrankung bestehe ein Kausalzusammenhang, fuhr Dr. Weidmann fort. Derartige Delikte könnten künftig ohne Behandlung »noch erheblicher ausfallen«: »Er geht auf ältere Menschen und auf Kinder los. Niemand ist vor ihm wirklich sicher.« Im jetzigen Zustand würde kein Heim den Beschuldigten aufnehmen. Deshalb bleibe es bei der aktuellen stationären Unterbringung – damit der 23-Jährige »auch vor sich selbst sicher ist«. »Er muss stärker werden als seine Technology«, schloss der Vorsitzende Richter.

Der 23-Jährige sagte im »letzten Wort«: »Das habe ich unbewusst gemacht, außer Kontrolle – weil ich psychisch krank bin.« kd