Zaunpfosten aus der Muna-Zeit

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Fritz Bantscheff (links) und Alois Schroll am Zaun beim FC-Gelände. (Foto: P. Mix)
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Auf dem Archivbild ist der Zaun in seiner ursprünglichen Form zu sehen, damals noch mit Holzlatten – und dahinter einige Bunkeranlagen. (Foto: Stadtarchiv)

Traunreut – Viele Traunreuter sind sicherlich schon zigmal auf dem Stadtrundweg am Zaun hinter Freibad und FC-Gelände vorbeigewandert oder geradelt. Doch die wenigsten werden wissen, dass hier auch die frühere Begrenzung der Bunkeranlagen der Muna-Zeit war. Noch heute stehen eine ganze Reihe von Betonstützen des alten Zauns, der vor über 80 Jahren errichtet wurde.


Auf die alten Stützen aufmerksam gemacht wurde Fritz Bantscheff vom Verein Heimathaus durch Alois Schroll aus Oderberg. Der 84-Jährige ist Feldgeschworener und kennt sich in Traunreut und Umgebung sehr gut aus. Er kann sich gut an die alten Muna-Anlagen erinnern. Die Pfosten stehen noch heute in einem Abstand von rund drei Metern, dazwischen waren früher zwei Meter hohe Holzlatten angebracht. Der Kies zum Betonieren der Stützen kam damals aus der Kiesgrube in St. Georgen, der Zement wurde per Bahn nach Hörpolding und dann mit Lastwagen in die Muna gebracht. Alois Schroll findet es bemerkenswert, dass die Zaunstützen nun schon so viele Jahre überstanden haben.

Am Traunreuter Radweg vom Umspannwerk herkommend stehen noch einige wenige solcher Betonpfosten. Etwas weiter den Weg entlang am Gelände des FC Traunreut ist eine ganze Reihe davon auf einer Strecke von rund 100 Metern original erhalten. Der Zaun sperrte in der Zeit des Zweiten Weltkriegs das Gelände ab, auf dem Giftstoffe gelagert wurden. Die Bevölkerung darum herum sollte damals nicht wissen, was hinter dem Zaun vor sich ging, weiß Alois Schroll. Die Bauern, denen die Grundstücke auf dem Gelände gehörten, seien von Hitler einfach enteignet worden. Er weiß das, weil seine Familie ein kleines Sacherl in Oderberg mit zwei Kühen hatte und dorthin, wo später die Bunker entstanden, zum Eingrasen fuhr. Schroll kann sich auch daran erinnern, wie er und seine drei Brüder als Buben mitunter den Zaun überwunden haben und ins abgesperrte Gelände gelangten. Dort sammelten sie Heidelbeeren, Himbeeren und Schwammerl, die in großen Mengen wuchsen. Die Mutter habe sich immer gefreut, wenn sie damit einen Kuchen oder ein leckeres Mittagessen kochen konnte. Wenn die Buben erwischt wurden, brachte man sie zum Bürgermeister von Traunwalchen. Das allerdings war Josef Schroll, der Onkel der Buben, der es mit einer Ermahnung gut sein ließ. Es bestand natürlich schon die Gefahr, dass sie eines Tages schlimmer bestraft oder sogar ihrer alleinerziehenden Mutter weggenommen würden, da der Vater bereits 1944 verstarb. Aber Alois Schroll meint: »Man hat’s halt probiert.«

Fritz Bantscheff will einen der Zaunpfosten für ein späteres Museum sicherstellen und für die Nachwelt erhalten. Ihr Zustand ist nach wie vor so gut, dass sie bestimmt noch lange an Ort und Stelle stehen bleiben können.

mix


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