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Von Geschäftsschließung bis »Click & Collect«

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Beim Möbelhaus Jobst war man mit dem Weihnachtsgeschäft zufrieden, sagt Firmenchef Gerhard Jobst (rechts), hier mit Berater Frank Goßlau. Zur aktuellen Lage meinte er, online gehe »relativ wenig, unser Hauptansatz ist stationär und beratungsintensiv dahoam«. (Foto: Rasch)
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»Das Warengeschäft rentiert sich einfach nicht mehr«, sagt Ralf Fässer von der gleichnamigen Elektro-Firma. Deshalb ist er gerade dabei, das Geschäft aufzulösen. Wegen des Lockdowns muss er aber den Ausverkauf verschieben.

Traunreut – Die jetzt verlängerten und verschärften Maßnahmen zum Schutz vor der Corona-Pandemie treffen weiterhin auch den Einzelhandel in der Stadt Traunreut hart. In einer – nicht repräsentativen – Umfrage wollten wir wissen, wie der verschärfte Lockdown die Händler und kleinere Geschäfte trifft und wie sie versuchen, den Umsatzeinbruch abzumildern.


Mit seinem Warengeschäft online auf den Markt zu gehen, wäre für die Firma Elektro-Fässer nach Auskunft von Inhaber Ralf Fässer unrentabel, zumal das Unternehmen als kleiner Familienbetrieb mit den Großhändlern und der Internetkonkurrenz seit geraumer Zeit ohnehin nicht mehr Schritt halten könne. Das alteingesessene Geschäft am Traunring schließt wegen der sinkenden Umsatzzahlen jetzt seine Pforten für immer. »Das Warengeschäft rentiert sich einfach nicht mehr«, sagte Ralf Fässer. Kundendienstleistungen würden aber weiterhin aufrechterhalten.

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Nicht äußern wollte man sich im Elektrofachmarkt Expert Huber. Auf Nachfrage erklärte die Prokuristin: »Es ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, was zu sagen.«

»Online geht bei uns relativ wenig, unser Hauptansatz ist stationär und beratungsintensiv dahoam«, sagte Gerhard Jobst vom gleichnamigen Möbelhaus. Das Möbelhaus betreibt gemeinsam mit Kollegen über eine Einkaufsgenossenschaft einen Online-Shop. »Aber das ist Nebensache, auch wenn im Abverkauf ein bisschen was geht«, so Jobst. Ein eigener Internet-Handel wäre laut Jobst auch aus finanzieller Hinsicht nicht erstrebenswert.

Dass der sogenannte kleine Lockdown den Läden und Kaufhäusern ausgerechnet in der Weihnachtszeit einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, bedauert auch Jobst. »Die Weihnachtszeit ist für Geschäfte wie unser Haus die umsatzstärkste Zeit des Jahres.« Er könne aber dennoch nicht klagen: »Das Geschäft ist schon vor dem kleinen Lockdown ordentlich gelaufen und auch mit dem Weihnachtsgeschäft bin ich sehr zufrieden.« Wobei hier die ausgefallenen Veranstaltungen dem Weihnachtsgeschäft in die Karten gespielt hätten: »Wir haben davon profitiert, weil keine Weihnachtsmärkte offen hatten.«

Trotz des jetzt verlängerten Lockdowns bis mindestens Ende Januar wird aber in dem Möbelmarkt nahezu unverändert weiter gearbeitet. Mit Ausnahme des Verkaufs – hier werden einige Mitarbeiter ab der kommenden Woche in Kurzarbeit gehen und andere wiederum ihren Urlaub vorziehen – sind der Beratungs-, Technik- und Lieferbereich besetzt. Bestellungen selber abzuholen sei im Moment nicht möglich.

Manche Unternehmen nutzen das ab nächster Woche in Bayern erlaubte System »Click & Collect«. Dabei können Kunden Waren online bestellen, um sie dann im Laden abzuholen. So soll der regionale Handel gestärkt werden. Das Abholen der Ware soll kontaktlos stattfinden, in dem die Ware zum Beispiel vor das Auto auf dem Kundenparkplatz abgestellt wird. Um lange Schlangen zu vermeiden, wird in der Regel ein Zeitfenster vereinbart.

Die BayWa in Traunreut hat mit diesem Modell bereits im ersten Lockdown positive Erfahrungen gemacht. »Die Resonanz beim ersten Lockdown war relativ gut«, sagte der Marktleiter Helmut Birkmaier.

Der Traunreuter Geschäftsmann und Vertreter des Bayerischen Einzelhandels, Christian Gerer, empfindet dieses Angebot als eine »gute Sache.« »Es ist wenigstens etwas. Aber man muss als Händler mit einem Online-Shop schon gut aufgestellt sein«, betont er. Für sein Damenmodegeschäft »Instyle«, das über keinen Online-Shop verfügt, sieht er keine großen Möglichkeiten, dieses Prinzip anzuwenden.

ga


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