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Traunreuter Tafel hat wieder geöffnet – nach sechs Wochen Corona-Pause

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Traunreuter Tafel hat wieder geöffnet – nach sechs Wochen Corona-Stopp
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Die Traunreuter Tafel hat wieder geöffnet. Ausgegeben werden die Lebensmittel an vier Fenstern. Auf dem Boden sind deutliche Abstandsmarkierungen zu sehen, an die sich die Kunden bei der Ausgabe halten müssen. (Foto: P. Mix)

Traunreut – Das Team der Traunreuter Tafel um die Leiterin Rosl Hübner, bei der alle Fäden zusammenlaufen, hat in den letzten Tagen eine Strategie entwickelt, die Kunden und Helfer gleichermaßen schützt. Die Ausgabe von Lebensmitteln konnte somit diese Woche wieder starten und findet künftig wie gewohnt immer am Montag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 16.20 Uhr statt. »Bei den ersten beiden Ausgaben diese Woche hat schon mal alles gut geklappt«, freut sich Hübner.


Eingestellt wurde die Ausgabe vor sechs Wochen nicht zuletzt, um die meist älteren ehrenamtlichen Helfer zu schützen. Auf einen Aufruf hin haben sich über 20 jüngere Corona-Helfer gemeldet. Von diesen haben drei wieder abgesagt, weil sie doch früher als geplant zurück in die Arbeit konnten.

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»Daher ist es wichtig, dass sich auch weiterhin Helfer und Interessierte melden, damit wir solche Ausfälle schnell ersetzen können«, betont Christine Höller. Bei jedem Ausgabetermin sind nun zwei erfahrene Helfer da, die für Rückfragen und Organisation im Hintergrund stehen und die Neuen anleiten.

Die Ausgabe erfolgt über die Fenster. In einer Richtung stehen die Leute an, werden vom »Türsteher« auf der Liste der Empfangsberechtigten abgehakt und dürfen sich dann bei einem Fenster einer nach dem anderen die Lebensmittel abholen.

Es wird darauf geachtet, dass sowohl die Helfer als auch alle Kunden die Abstandsregeln einhalten und Masken tragen. Außerdem ist wichtig, dass die Leute innerhalb des für sie vorgesehenen Zeitrahmens kommen; damit wird vermieden, dass alle 450 Berechtigten gleichzeitig anstehen.

Das Tafelgeld, das sonst bei der Ausgabe der Tafelscheine eingesammelt wird, ist nun direkt bei der Abholung zu bezahlen und vorübergehend auf 50 Cent pro Person festgelegt. Es gibt keine Kasse und somit auch kein Wechselgeld. Um die Geldübergabe kontaktlos zu gestalten, soll der Betrag passend in ein Sparschwein geworfen werden.

Die Tafelscheine gelten vorerst ohne Erneuerung weiter. Neukunden erhalten einmalig Lebensmittel für ihren Haushalt, ohne die Bedürftigkeit nachzuweisen. Sie müssen ihre Kontaktdaten hinterlassen, damit sich jemand vom Tafel-Team bei ihnen melden kann und einen individuellen Termin vereinbart, bei dem die Berechtigung durch Vorlage entsprechender Nachweise geprüft wird. In den nächsten Wochen werden auch diejenigen Kunden kontaktiert, deren Berechtigung ausläuft.

Jeder berechtigte Haushalt darf einmal wöchentlich Lebensmittel abholen, wobei der Tag in Absprache mit den Kunden festgelegt wurde. Wenn jemand krank ist oder sich wegen seiner Zugehörigkeit zur Risikogruppe nicht traut, selbst die Ware in der Tafel abzuholen, kann man auch einen Vertreter schicken. Dieser sollte aber den Tafelschein im Original dabeihaben. Rosl Hübner selber wirkt aktuell organisatorisch im Hintergrund, da sie aufgrund einer Operation noch nicht voll einsatzfähig ist.

Die Kunden sind froh, dass die Tafel nun wieder geöffnet hat. »Es war schon eine schwere Zeit«, erklärte eine Dame. Jetzt ist sie dankbar, dass sie wieder Lebensmittel bekommt: »Über alles, was sie uns geben, bin ich zufrieden.« Schwer einschränken mussten sich in den letzten Wochen auch ein Mann, seine Partnerin und ihr Kind. Dank einer finanziellen Hilfe konnten sie zuletzt selber das Nötigste einkaufen. Dennoch ist er dankbar, dass die Tafel wieder geöffnet ist: »Jetzt hoffe ich nur, dass die Menschen vernünftig sind und sich an die Regeln halten, sonst sperren die wieder zu.«

Der Vorrat an Lebensmitteln bei der Tafel ist ausreichend für die Berechtigten. In vier festen Zweierteams sammeln die Fahrer an vier Tagen pro Woche die Lebensmittel ein. Die Kunden können sich damit dann die Taschen füllen und soweit vorhanden aussuchen, was sie gerne haben. Christine Höller betont: »Wenn man es sich gut einteilt, kann man damit eine ganze Woche lang auskommen.« Dem Tafel-Team sei es wichtig, dass die Leute ihr weniges Geld nicht für Lebensmittel ausgeben müssen, sondern damit etwa Miete oder Schulden begleichen können. mix


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