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Stromnetz mehrheitlich in städtischer Hand

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Den Konzessionsvertrag unterzeichneten Ursula Jekelius vom Bayernwerk (von links), Bürgermeister Klaus Ritter sowie die beiden Geschäftsführer Armin Irlbeck und Frank Wachsmuth. (Foto: Rasch)

Traunreut – Das Stromnetz im Stadtgebiet Traunreut ist ab sofort wieder mehrheitlich in städtischer Hand. Im Rathaus wurde jetzt der Konzessionsvertrag unterzeichnet – er gilt für die kommenden 20 Jahre. Betrieben wird das Stromnetz von der neu gegründeten Stromnetz Traunreut GmbH & Co. KG, an der die Stadtwerke mit 51 Prozent den Mehrheitsanteil tragen und die Bayernwerk Netz GmbH mit 49 Prozent beteiligt ist.


Für die Traunreuter bedeutet die Vereinbarung vor allem kürzere Wege: Sie können sich bei technischen Fragen zum Anschluss ihres Hauses künftig neben dem Bayernwerk auch direkt an die Stadtwerke wenden. Wie Ursula Jekelius vom Bayernwerk betont, geht es dabei aber nicht um die Lieferung des Stroms durch die Stromnetz Traunreut GmbH & Co. KG: »Die Gesellschaft verkauft nicht den Strom, sie kümmert sich nur darum, dass er ankommt.« Wie mehrfach berichtet, hat sich bisher das Bayernwerk darum gekümmert, dass die technischen Voraussetzungen für die Stromlieferung vom Umspannwerk bei Siteco bis in die einzelnen Häuser in der Stadt geschaffen werden.

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Die Konzession für das Stromnetz im Stadtgebiet wird regelmäßig an einen Anbieter vergeben, zum 1. Januar 2021 stand die Neuvergabe für die kommenden 20 Jahre an. Wie Bürgermeister Klaus Ritter erklärt, war es aus Sicht der Stadt wichtig, diesen Zeitpunkt zu nutzen und diesen Teil der Grundversorgung wieder in städtische Hand zu übernehmen. Deshalb war bereits im Juni 2018 ein Kooperationsvertrag zwischen Stadt, Stadtwerken und Bayernwerk geschlossen worden. Anschließend hat sich die gegründete gemeinsame Gesellschaft Stromnetz Traunreut um die Konzession für das Stromnetz im Stadtgebiet beworben und nun auch den Zuschlag bekommen.

Organisatorisch führen die gemeinsame Gesellschaft der Traunreuter Stadtwerke-Leiter Frank Wachsmuth und Armin Irlbeck vom Bayernwerk als Geschäftsführer. Alle kaufmännischen Angelegenheiten der Gesellschaft werden von den Stadtwerken erledigt, um die Technik kümmert sich weiter das Bayernwerk. Das Kundencenter von Bayernwerk in Freilassing ist also weiterhin für alle technischen Dinge zuständig und bleibt damit Ansprechpartner der Traunreuter Bürger, wenn es um Hausanschlüsse, Leitungsstörungen oder andere technische Probleme geht. Gleichzeitig können Anfragen aber auch an die Stadtwerke gestellt werden, die diese dann ans Bayernwerk weiterleiten. Zum Stromnetz im Stadtgebiet gehören Kabel und Leitungen mit fast 200 Kilometern Länge, 470 Kabelverteiler, 145 Trafostationen und rund 4040 Hausanschlüsse.

Laut Stadtwerke-Leiter Frank Wachsmuth profitiert die Stadt von der neuen Kooperation durch mehr Einfluss auf das Stromnetz sowie eine Rendite durch den Anteil am Gewinn. Wie berichtet, haben Stadt und Stadtwerke rund 2,5 Millionen Euro für den Anteil am Stromnetz ans Bayernwerk gezahlt. Ursula Jekelius vom Bayernwerk versicherte, dass ihr Unternehmen glücklich über die Zusammenarbeit sei: »Denn wenn die Ausschreibung ohne die Stadtwerke gelaufen wäre, hätte die Konzession auch an ein ganz anderes Unternehmen gehen können.« So könne man nun gemeinsame Synergien nutzen und das Bayernwerk habe auch bereits die Konzession für dieses Jahr an die neue Gesellschaft übergeben.

Bürgermeister Klaus Ritter dankte den Bayernwerk-Vertretern, dem Stadtrat und den Stadtwerken für die große Unterstützung für die Stromnetz-Gesellschaft: »Der damalige Stadtwerke-Geschäftsführer Wilhelm Helmdach hat das angestoßen und nach dem Strom kommt nun auch das Gasnetz wieder in städtische Hand und noch mehr Grundversorgung zurück zur Kommune. Die Stadtwerke werden dadurch weiter aufgewertet.«

Der Stadtrat habe zudem beschlossen, dass der jeweilige 1. Bürgermeister die Stadt in der Gesellschaftervertretung vertrete und Werkausschuss sowie Stadtrat zweimal im Jahr informiert werden, damit sie stets auf dem neuesten Stand sind. Wie die beiden Geschäftsführer Frank Wachsmuth und Armin Irlbeck betonen, soll die engere Zusammenarbeit auch für gemeinsame Projekte in der Zukunft genutzt werden.

Einig waren sie sich, dass eine alleinige Übernahme des Stromnetzes durch die Stadtwerke kaum umsetzbar gewesen wäre: »Alleine das Personal in der jetzigen Lage aufzutreiben, wäre ex-trem schwierig«, versichert Irlbeck. Vorteil fürs Bayernwerk sei, dass es sein Personal nun weiter hier einsetzen könne. Bei den Stadtwerken könne der kaufmännische Bereich der neuen Gesellschaft nach bisheriger Einschätzung von Frank Wachsmuth vom jetzigen Personal bewältigt werden.: »Wir probieren es jetzt auf alle Fälle einmal so.« ga


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