SPD-Ortsverein Traunreut besteht seit 70 Jahren

SPD-Ortsverein Traunreut besteht seit 70 Jahren
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Immer wieder fanden prominente SPD-Politiker den Weg nach Traunreut. So kam zum Beispiel im Jahr 2001 der Bundesvorsitzende Hans-Jochen Vogel (rechts) zur 50-Jahr-Feier des Ortsverbands. Neben ihm saß Ernst Ziegler.

Traunreut – Der SPD Ortsverein Traunreut besteht mittlerweile seit 70 Jahren. Wegen der Corona-Pandemie konnte dieses Jubiläum heuer nicht mit einer Festveranstaltung begangen werden. Nachfolgend ein Blick in die Geschichte der Traunreuter SPD:


Ein Jahr nach Gründung der Gemeinde Traunreut im Jahr 1950 war es für die Bürger der jungen und schnell wachsenden Kommune von großer Bedeutung, die SPD vor Ort zu haben. Es gab damals bereits in Stein / St. Georgen einen SPD-Ortsverein. Heimatvertriebene und Arbeiter, die mit Siemens aus Hof kamen, bildeten den Kern der frühen Traunreuter SPD.

Die Gründungsversammlung fand am 17. Februar 1951 auf Anregung von Gemeinderat Josef Glink statt, der dann auch erster Vorsitzender des SPD-Ortsvereins wurde. 2. Vorsitzender war Kurt Mangel, Schriftführer Willi Gebhardt, Kassier Ludwig Hueber. In den kommenden Jahrzehnten wechselte der Vorstand mehrmals und auch die Zahl der Gemeinde- und später Stadträte schwankte immer wieder. 1965 übernahm Alfred Haupt das Amt des Vorsitzenden. »Er war ein Sozialdemokrat durch und durch, der die Geschichte der Arbeiterbewegung auswendig konnte. Empfindlich reagierte er gegenüber jeder rechtsradikalen Ideologie. Zu sehr war er noch durch seine Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus geprägt. Mit der bayerischen Gemütlichkeit, die langsam auch in der Orts-SPD zu erkennen war, hatte er nichts am Hut. Er wandte sich vielmehr der Jugend und dem politischen Nachwuchs zu, die sich in den späten 60er Jahren vermehrt wieder linkes Gedankengut zu eigen machte«, erklärte Ernst Ziegler anlässlich des 50-jährigen Bestehend des Ortsvereins im Dezember 2001. Ziegler selber war 30 Jahre lang im Stadtrat, war zwischendurch zweiter Bürgermeister und viele Jahre Fraktionsvorsitzender. Er schied 2020 aus dem Gremium aus.

Die späten 1960er Jahre waren gekennzeichnet vom Aufbegehren der Jugend, insbesondere der Studenten. Weitab von den Universitätsstädten war die Welt in Traunreut zunächst noch in Ordnung. Bis sich im BIZ (Bildungs- und Informationszentrum der Volkshochschule) mit den Mitarbeitern Magda Weidner und Norbert Kühne linke Ideen etablierten. Der Diplom-Psychologe Norbert Kühne wurde schnell zum Chef-Ideologen einer aufblühenden Juso-Bewegung in Traunreut. Er entsprach ganz und gar dem Klischee, das sich der brave Bürger von einem radikalen Systemveränderer machte. »Dennoch zeigt uns die Geschichte, dass eine aggressive linke Politik anerkannt wurde, denn nicht nur Kühne, sondern in seinem Juso-Gefolge wurden auch Heide Bär und Franz Wernberger 1972 in den Stadtrat gewählt«, erinnert sich Ernst Ziegler.

Heide Bär erinnert sich noch gut an die Zeiten, als sie zu den ersten drei Frauen im Stadtrat gehörte. Sie kam aus der Jugendarbeit und machte sich dann auch im Gremium stark für die Jugend, organisierte Ferienmaßnahmen, holte dazu auch Kinder aus den damals noch bestehenden Baracken heraus, wo sie unter ärmlichsten Verhältnissen lebten. Heide Bär wurde im Laufe ihrer Zeit im Stadtrat Sozialreferentin und Jugendreferentin. »Mir hat die Arbeit immer viel Spaß gemacht«, betont sie heute.

1971 übernahm Franz Weber die Traunreuter SPD. Er verstand es recht gut, mit den jungen Rebellen umzugehen, die damals rund 30 Mitglieder ausmachten. Ziegler: »Die Vorstandssitzungen, vor allem die Mitgliederversammlungen wurden zum Albtraum. Durch endlose Fluten von Anträgen und Geschäftsordnungsdebatten dauerten diese oft bis weit nach Mitternacht. Viel zu lang für die Arbeitnehmer in den Traunreuter Betrieben, die meist schon um 5 Uhr früh aus den Federn mussten. Kein Wunder, dass sich um 22 Uhr die Reihen der Versammlungsteilnehmer lichteten und der verbliebene harte Kern die Abstimmungsergebnisse bestimmte.« Viel Verärgerung habe es damals in der Partei gegeben. Allerdings sei es auch sehr lebhaft zugegangen im Ortsverein. Der Erfolg zeigte sich schließlich mit dem Erringen von neun von 18 Stadtratsmandaten. 1973 verließ Franz Weber Traunreut aus beruflichen Gründen. Sein Nachfolger wurde Willi Gebhard, ein Mann der ersten Stunde. Wichtigste Aufgabe seiner Amtszeit war es, wieder ruhige und stabile Verhältnisse in den Ortsverein zu bringen und ein Miteinander von Jung und Alt zu erreichen.

1976 gab Willi Gebhard die Parteiführung an Kurt Zimmermann ab, der sie zehn Jahre innehatte. Bemerkenswert für diesen Zeitraum ist, dass an der Spitze der Fraktion erstmals und einmalig im Traunreuter Stadtrat eine Frau stand. Else Pradella war von 1972 bis 1987 eine energische und durchsetzungsfähige Fraktionschefin. Auch Heide Bär findet: »Es war schon toll, dass erstmals eine Frau die Fraktion anführte.« Durch die Gebietsreform 1978 und die Eingemeindungen verschoben sich allerdings die Verhältnisse im Stadtrat und im ländlich geprägten Umland war die SPD schlecht positioniert, weshalb sie auf fünf von 24 Mandaten abrutschte.

Von 1986 bis 1988 leitete Ewald Mateika den Ortsverein, ab 1988 Ernst Ziegler, ab 1991 Heide Bär, ab 1993 Bernhard Dirnberger, ab 1997 Bernd Ehlert. 2002 wurde Christian Stoib Vorsitzender, ab 2012 Robert Jekel und 2017 übernahm wiederum der aktuelle Vorsitzende, Christian Stoib. Im Laufe der Jahre wurden die Stadtratsmandate der SPD immer weniger, heute gehören nur noch Christian Stoib und Gerti Winkels dem Gremium an.

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