Spaziergänger und frei laufende Hunde erschweren die Jagd

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»Hunde bitte anleinen« heißt es auf solchen Schildern in Waldgebieten, in denen viele Spaziergänger und Jogger unterwegs sind. Genauso wichtig ist: »Bitte auf den Wegen bleiben.« (Foto: P. Mix)

Traunreut – Die Schonzeit für Rehwild endete am 1. Mai – und die Jagdsaison für Schmalrehe und Böcke begann. Der Bayerische Jagdverband befürchtet allerdings, dass die geplanten Abschüsse in der Pandemie dieses Jahr nicht erfüllt werden können. Wenn flächendeckend zu wenig Tiere erlegt werden, könne das Gleichgewicht in den Wäldern durcheinander geraten und vermehrt Verbiss auftreten. Deutlich erkennbar ist auch in den Waldgebieten rund um Traunreut, dass mehr Spaziergänger unterwegs sind als in früheren Jahren und die Jagd dadurch erschwert wird. 


»Je weiter weg vom Stadtkern man in den Wald geht, umso ruhiger wird es«, stellt Johannes Pollak fest, seit einem Jahr Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Traunwalchen. Deshalb seien auch die einzelnen Reviere völlig unterschiedlich zu bewerten. In manchen Wäldern, etwa nahe Oderberg oder Hörzing, seien rich-tige »Völkerwanderungen« feststellbar. Waldbesitzer und Jäger hätten natürlich Verständnis dafür, dass die Menschen in der aktuellen Situation raus in die Natur wollen. »Aber wichtig wäre halt, dass sie auf den Wegen bleiben«, betont Pollak. Vielen Menschen sei nicht bewusst, was sie damit anrichten, wenn sie durchs dichte Unterholz oder quer über Wiesen und Felder laufen und dabei das Wild aufscheuchen. Ein weiteres Ärgernis sei, dass Spaziergänger vermehrt im Dunklen noch unterwegs sind. »Sobald es finster wird, braucht die Natur aber ihre Ruhe.«

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Dass die Jagd zunehmend schwieriger wird, stellt auch Eckhart Schröter fest. Der Jäger betont: »Jeder hat natürlich das Recht und auch das Bedürfnis rauszugehen, sich mit anderen Menschen zu treffen.« Dass aber ganze Familien mit Kinderwagen und oft auch mit Hunden im dichten Wald abseits der öffentlichen Wege unterwegs sind, müsse nicht sein.

Wenn er die Leute in seiner freundlichen, ruhigen Art anspricht und aufklärt, dass ihr Spaziergang das Wild verschreckt, stößt er allerdings meist auf Unverständnis: »Was soll ich dann machen? Ich kann ihnen das Spazierengehen nicht verbieten.« Das Wild brauche aber unbedingt seinen Rückzugsraum, wo es ungestört ist. Wenn dieser immer mehr eingegrenzt wird, gebe es unweigerlich mehr Verbiss bei den Jungpflanzen im Wald.

Schröter muss jetzt viel öfter unterwegs sein als sonst, bis er überhaupt Rehwild sieht, »ein irrer Aufwand und viel mehr Ansitzzeiten sind nötig, den Abschuss zu erfüllen«. Dass man das Wild erst einmal in Ruhe beobachtet und aussucht, welches Tier geschossen werden soll, kennt er nur von Erzählungen alter Jäger aus früheren Zeiten. Immer später, wenn es schon fast zu dunkel ist, trauten sich die Rehe aus dem Wald heraus.

Für die Jagd auf Schalenwild und für die Nachsuche nach verletzten oder kranken Tieren ist die nächtliche Ausgangssperre aufgehoben. »Es ist existenziell wichtig, dass die Jagd auch in diesen Zeiten fortgesetzt wird«, betont Eckhart Schröter. Hinterlassene Müllberge als zusätzliche negative Auswirkung der vermehrten »Waldbesucher« und Feiern von Jugendlichen erwähnt der Jäger nur am Rande.

Ein leidiges Thema sind nach wie vor außerdem frei laufende Hunde, von denen es seit Corona offenbar viel mehr gibt. »Die Tendenz geht klar zum Zweit- oder gar Dritthund«, stellt Johannes Pollak fest. Im Bereich der Traunwalchner Jagdgenossen gab es letzten Sommer den Fall, dass ein frei laufender Hund ein Reh riss. Seine Anfrage daraufhin bei der Stadt, ob nicht doch eine Leinenpflicht eingeführt werden könne, sei verneint worden, »wer sollte das auch kontrollieren«. Umso wichtiger ist für Pollak die Aufklärung der Menschen, was ihr Verhalten in der Natur anrichten kann.

Ruhe im Wald ist laut Konrad Winkler, dem Vorsitzenden der Jagdgenossenschaft Stein, besonders jetzt dann in der bevorstehenden Setzzeit der Rehe notwendig. Als Setzzeit bezeichnet man den Zeitraum, in dem die Rehkitze geboren werden. Die Hauptsetzzeit ist Ende Mai/Anfang Juni. Wenn ihn die Bauern rechtzeitig informieren, wann sie ihre Wiesen abmähen wollen, macht sich Jäger Eckhart Schröter dann mit Unterstützung seiner ganzen Familie auf, um Kitze im hohen Gras zu suchen und aufzuscheuchen. Sie sollen so vor dem tödlichen Mähwerk in Sicherheit gebracht werden.

Noch sehen die Vorstände der Jagdgenossenschaften Stein und Traunwalchen Konrad Winkler und Johannes Pollak kein größeres Problem mit zunehmendem Verbiss. In diesem Frühjahr wird turnusgemäß ein neues Verbissgutachten durch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) erstellt. Daraus ergibt sich dann der neue, für drei Jahre gültige Abschussplan für die einzelnen Jagdreviere, der 2022 in Kraft tritt. Die Begutachtung ist noch nicht abgeschlossen.

Im letzten Jahr hatten die Abschussquoten noch erfüllt werden können, obwohl es schon schwieriger geworden war. Für die neue Jagdsaison sei eine Prognose sehr schwierig, betont Konrad Winkler. »Mittlerweile sind die Leute im Wald nicht nur zu Fuß, sondern auch mit Fahrrad, Pferd und anderem unterwegs – und das beinah zu jeder Tages- und Nachtzeit.« mix


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