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Schweinepest und purzelnde Preise bereiten den Bauern Sorgen

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Traunreut: Schweinepest und purzelnde Preise bereiten den Bauern Sorgen
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Frank und Magdalena Janetzky mit ihrem jüngsten Sohn Wiggerl. Die kleinen Ferkel waren beim Fototermin gerade mal drei Tage alt. (Foto: P. Mix)

Traunreut – Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist derzeit noch weit weg von Bayern. Lediglich in Brandenburg sind seit Mitte September bisher zehn an der Krankheit verendete Wildschweine gefunden worden. Und trotzdem spüren auch die hiesigen Bauern bereits jetzt die Auswirkungen davon. Die Preise für Schweinefleisch oder Ferkel sind stark gesunken und die Vermarkter nehmen nicht mehr alles ab, was ihnen angeboten wird.


Der Traunwalchner BBV-Ortsobmann Frank Janetzky hat in seinem Betrieb in Walchenberg bereits vor einigen Jahren Vorkehrungsmaßnahmen gegen die Schweinepest getroffen. Der Hof wurde eingezäunt, es gibt ein großes Hoftor und eine Schmutzschleuse zum Stall hin. Aktuell hat er rund 150 Zuchtsauen plus Mast auf dem Hof und seit kurzem Probleme, seine Tiere abzusetzen.

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Der Vermarkter, mit dem er lange zusammenarbeitet, hat kürzlich nicht alle Tiere mitgenommen, die vom Alter und Gewicht her jetzt gerade ideal zum Schlachten wären. »Ich kann die Tiere aber nicht ewig behalten«, sagt Frank Janetzky und fürchtet, dass dies erst einmal so weitergehen wird.

Besonders deutlich spürt er die Veränderungen seit Auftreten der Schweinepest am Preis. Im Sommer gab es noch 2,07 Euro für ein Kilo Schweinefleisch, »das war schon ein Spitzenpreis« weiß Janetzky. Doch aktuell bekommt er gerade noch 1,27 Euro pro Kilo, während seine Kosten und der Arbeitsaufwand natürlich gleich hoch geblieben sind. Pro Ferkel, das er rund 14 Wochen füttert, erhält er im Moment 29,50 Euro, während es vor wenigen Monaten noch 100 Euro waren. »Das ist auf jeden Fall ein negativer Deckungsbeitrag.«

Seit Auftreten von ASP gibt es einen Exportstopp beispielsweise nach China. In dem Land sind diejenigen Teile der Schweine, die bei uns niemand mag, Delikatessen. Kopf, Füße, Ohren, Schwänze können jetzt nicht mehr verkauft und müssen weggeschmissen werden. »Davor hatten wir eine totale Ausschlachtung und alles vom Tier wurde verwertet«, so der Bauer. Die Deutschen mögen auch nicht so gerne fettes Fleisch, das früher nach Russland exportiert wurde, sondern vor allem die guten Teile wie Schinken, Lende oder Schnitzel.

Für Frank Janetzky ist der niedrigere Preis auch ein Versuch, vermehrte Importe aus dem Ausland zu verhindern. In anderen Ländern, wie beispielsweise Niederlande oder Dänemark, gelten nicht die in Deutschland üblichen Standards und Vorschriften, so dass von dort billigeres Fleisch eingeführt werden kann. Der Geschäftsführer des BBV Traunstein, Matthäus Michlbauer, sieht hier eine eindeutige Tendenz zu größeren Betriebseinheiten, die dann billiger produzieren können. Es bestehe aber immer die Gefahr, dass ein Teil der Produktion aus Kostengründen ins Ausland verlegt wird.

Das Thema Kastration ist ein weiteres, das Frank Janetzky umtreibt. Künftig darf entweder nur noch der Tierarzt eine Kastration vornehmen, was pro Ferkel mit vier Euro zu Buche schlägt. Oder, wenn ein Landwirt weiter selber tätig sein will, muss er nicht nur eine Schulung zum Umgang mit dem Betäubungsmittel Isofluran machen, sondern vor allem dafür eigens ein 10.000 Euro teures Gerät anschaffen.

»Den Kurs mach' ich jetzt mal mit, aber ob ich das Gerät kaufe, muss ich noch überlegen«, meint Frank Janetzky. Er bräuchte außerdem einen extra belüfteten Raum, um mit dem nicht ungefährlichen Stoff arbeiten zu können. Aus seiner Sicht bringt diese Methode viel mehr Stress für die Ferkel, als so, wie er es bisher gemacht hat, nämlich mit einer örtlichen Betäubung und einem Schmerzmittel, das Landwirte nicht mehr selber spritzen dürfen.

Weitere Investitionen fallen für alle Schweinezüchter durch das Kastenstandverbot an, für das es noch eine fünfjährige Übergangsfrist gibt. Um die neuen Vorgaben zu erfüllen, muss der Stall ausgebaut werden. »Die Standards steigen ständig, aber der Preis fällt«, stellt der Bauer fest. Er selber habe 2019 ein gutes Jahr gehabt und könne jetzt schon mal vorübergehend niedrigerer Erträge überbrücken. Aber wer vielleicht gerade einen neuen Stall gebaut hat, dem gehen solche Preisrückgänge an die Existenz.

Seit drei Jahren hatte Janetzky über seinen Vermarkter einen Vertrag , dass er einen entsprechend guten Preis bekommt, weil er gentechnikfrei füttert und dafür einen höheren Futteraufwand betreiben muss. Dieser Vertrag wurde heuer im April gekündigt, das heißt für ihn, der Abnehmer setzt nicht mehr auf gentechnikfrei. Matthäus Michlbauer stellt dazu fest, dass »die Verbraucher leider ein kurzes Gedächtnis haben. Vor einigen Jahren war Gentechnik in aller Munde und die Anbieter reagierten darauf. »Jetzt ist es nicht mehr so öffentlich und schon wird zurückgerudert.«

Am Ende zählt nur der Preis

Ganz schlecht und erster Grund für einen Preisverfall noch vor ASP war laut Janetzky für Schweinezüchter der Skandal bei Tönnies. »Das schlechte Image da-raus hat sich auf die ganze Branche ausgewirkt. Es gab einige Zeit keine Schlachtungen mehr, die Sauen blieben stehen oder man konnte sie nur für weniger Geld verkaufen.«

Der Lebensmitteleinzelhandel sei der Gewinner bei dem Ganzen, denn der senke seine Fleischpreise nicht. »Qualität und Tierwohl sind jedem wichtig, aber am Ende zählt nur der Preis. Da fehlt einfach der politische Wille«, meint der Schweinezüchter und führt weiter aus: »Die beste Wirkung gegen ASP ist, das Fleisch aufzuessen und auf keinen Fall Reste einfach irgendwo zu entsorgen, wo sie eventuell Wildschweine anlocken könnten.«

BBV-Geschäftsführer Michlbauer appelliert an alle Verbraucher, sich solidarisch mit den Landwirten zu zeigen, auch im Herbst noch den Grill anzuheizen und Fleisch aus den heimischen Betrieben zu verzehren. mix


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