Sängerchor Traunreut feiert 70-jähriges Bestehen

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Zum 20-jährigen Bestehen gab der Sängerchor 1971 ein Konzert im Hofbräuhaus Traunreut unter Dirigent Hans Lauber.

Traunreut – Der Sängerchor Traunreut ist fast so alt wie die Stadt. 1951 hat er angefangen, das öffentliche Leben zu bereichern. Und seinen 70. Geburtstag feiert er jetzt mit einem Jubiläumskonzert am 16. Oktober um 19 Uhr im k1. Die Geschichte des Chores hat Wolfgang Rahn zusammengefasst.


Am 1. Oktober 1950 entstand die Gemeinde Traunreut aus der ehemaligen Munitionsanstalt St. Georgen. Es gab damals drei Männer – Johann Haase, Hannes Kopplin und Hans Mäurer –, die sich nicht damit begnügen wollten, zu arbeiten, zu essen und zu schlafen. Sie vermissten schmerzlich ein Kulturangebot und waren entschlossen, selbst dafür zu sorgen. In Hof an der Saale hatte es im Siemens-Kleinbauwerk einen Werkschor gegeben, dem sie angehörten. Warum sollte dieser nicht wieder ins Leben gerufen werden? Sänger gab es sicher genug. Zeit war auch vorhanden, es gab ja noch kein Fernsehen in den Wohnzimmern. Aber etwas ganz Wichtiges fehlte: Geld. Da kam man auf die Idee, Direktor Mohr den Plan vorzutragen. Vielleicht sprang ja eine kleine Finanzspritze heraus. Walter Mohr zeigte sich begeistert und sagte nicht nur jede mögliche Unterstützung zu. Er übergab auch den gesamten Notenbestand des ehemaligen Werkschors als Geschenk.

Im Juni 1951 war die Gründung. In der Versamm-lung erklärte der damalige Bürgermeister Karl Löppen, er freue sich darüber, dass ein Männergesangverein aus der taufe gehoben werde, der als erster Baustein im kulturellen Leben der Gemeinde zu betrachten sei. Er sagte dem Verein seitens der Gemeinde weitgehende Unterstützung zu. Gleichzeitig bat er auch gleich um die Mitwirkung bei der bevorstehenden Sonnwendfeier – und so hatte der Chor am 21. Juni seinen ersten Auftritt mit den beiden Liedern »Flamme empor« und »Kein schöner Land«.

Auf der 1. Generalversammlung im Juli 1951 entschied man sich für den Namen Sängerchor Traunreut 1951. Zum Vorsitzenden wurde Johann Haase gewählt. Chorleiter wurde, wie bereits beim Werkschor in Hof, Hannes Kopplin.

Wie dort handelte es sich auch beim Sängerchor Traunreut zunächst um einen reinen Männerchor, und zwar – das hatte Walter Mohr zur Bedingung gemacht – um keinen Siemens-Chor. Jeder Bürger sollte Zugang haben. Das war besonders deshalb wichtig, weil im Schmelztiegel Traunreut viele Konfessionen, Landsmannschaften und soziale Schichten zusammentrafen. Beim Gesang sollte es keine Unterschiede geben. Die Musik sollte verbinden.

Der Chor war ein fester Bestandteil der Gemeinde Traunreut. Und als solcher wollte er auch seinen Beitrag leisten. Schon bald wagte er sich vor die Tür. In Traunstein fand anlässlich des 40-jährigen Bestehens des dortigen Männergesangsvereins ein Sängerwettstreit statt, an dem sich elf Chöre beteiligten, die zum größten Teil auf eine langjährige Tradition zurückblicken konnten. Unter den preisgekrönten Chören fand der Sängerchor Traunreut unter Hans Kopplin eine besondere Erwähnung.

Aber bei aller Euphorie spürte man doch, dass noch etwas fehlte, nämlich die Frauen. Also wurden flugs alle sangesfreudigen Damen zu einer Besprechung eingeladen – und am 23. Oktober wurde neben dem Männer- ein gemischter Chor aus der Taufe gehoben. Damit war der Sängerchor Traunreut endgültig geboren.

Widmete man sich bei den ersten Auftritten schwerpunktmäßig dem Volkslied, so wagte man sich 1954 zum ersten Mal mit Ausschnitten aus Operette und Oper an die Öffentlichkeit. Gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester Bad Reichenhall unter der Leitung von Dr. Wilhelm Barth veranstaltete man ein Frühjahrskonzert, das beim Publikum den Wunsch nach einer baldigen Fortsetzung weckte. Dies sollte der Beginn einer erfreulichen, erfolgreichen Tradition werden.

Unbestritten verdankt der Chor seine positive Entwicklung dem Engagement seiner musikalischen Leiter. Den Grundstein legte Hannes Kopplin, dem es immer wieder gelang, seine Sängerschar bei der anstrengenden Probenarbeit zu motivieren. Er übergab 1958 seinem Nachfolger Fritz Benker ein schweres Erbe. Dieser erweiterte das Repertoire vor allem durch zahlreiche Eigenkompositionen. Wolfgang Rahn: »Mit einem weinenden und einem lachenden Auge erinnern sich die Chormitglieder an Alfons Lohr, der 1966 den Dirigentenstab übernahm und für frischen Wind und neue Begeisterung sorgte. Er war es auch, der den Gesellschaftsabend ins Leben rief, jene Veranstaltung, die einen Konzertteil mit einer anschließenden Tanzveranstaltung verband, und die mancher Traunreuter noch heute schmerzlich vermisst.« Als enthusiastischer Chorleiter wie als sympathischer Mensch weckte er die Hoffnung auf einen weiteren Höhenflug des Sängerchors. Umso tragischer, dass er mitten während der Probe zu einem bevorstehenden Konzert unerwartet aus dem Leben gerissen wurde.

Hans Lauber fiel die Aufgabe zu, die hinterlassene Lücke zu füllen. Er setzte konsequent die Arbeit seines Vorgängers fort, sodass das Publikum aus Traunreut und Umgebung weder auf die gleichermaßen beliebten Chorkonzerte noch auf die Gesellschaftsabende verzichten musste. Vor allem erkannte er die musikalische Begabung seines Nachfolgers. Und so kam es, dass Richard Kalahur, der lange Zeit aktives Chormitglied war, 1973 dessen Leitung übernahm.

Nach drei Jahrzehnten nahm er eine Auszeit, während der Andrea Wittmann übernahm. Nach fünf Jahren kehrte Richard Kalahur zurück.

Ein besonderes Kapitel in der Geschichte des Sängerchors Traunreut ist die freundschaftliche Verbundenheit mit dem italienischen »Corale Citta di Nettuno«. Seit der Städtepartnerschaft zwischen Nettuno und Traunreut haben sich beide Chöre mehrfach besucht und bei diesen Gelegenheiten große Konzerte gemeinsam gestaltet. Auch mit dem Chor aus der französischen Partnerstadt Lucé kam es zu gemeinsamen Konzerten.

Jubiläumskonzert im k1 in Traunreut

Der Sängerchor Traunreut veranstaltet am Samstag, 16. Oktober, um 19 Uhr ein großes Jubiläumskonzert im k1.

Unter dem Motto »Aus Oper und Operette« bringen die vereinten Chöre Sängerchor Traunreut, Gesangverein Trostberg und der Kirchenchor Palling sowie das Ruperti-Orchester Traunreut Chöre, Orchesterstücke und Arien aus bekannten Werken wie »Der Barbier von Sevilla« (Rossini), »Zar und Zimmermann« (Lortzing), »Die verkaufte Braut« (Smetana), »Der Zigeunerbaron« (Strauß) und »Anatevka« (Jerry Bock) zu Gehör. Die Gesamtleitung liegt in Händen von Richard Kalahur. Der Solist des Abends ist der Bassist Peter Kellner aus München.

Für dieses Konzert gibt es Karten im Vorverkauf. Derzeit gibt es nur Möglichkeit der Buchung über eine Warteliste direkt im k1 (ticket(at)k1-traunreut.de oder 08669/857-444).

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