Realschule ohne Rassismus und mit Courage – Titelverleihung mit Dr. Bärbel Kofler und Stefan Kröll

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Selina Brüderl, Andreas Wastlhuber, Simon Ehinger und Miriam Jung (von links) aus der 9d zeigen stolz das Schild zum Titel. (Foto: P. Mix)

Traunreut – Die Walter-Mohr-Realschule darf sich »Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage« nennen. Die offizielle Titelverleihung fand mit einem ausgewählten Besucherkreis in der Aula der Schule statt. Bundestagsabgeordnete Dr. Bärbel Kofler und der Kabarettist Stefan Kröll sind Paten des Projekts und werden die Aktivitäten der Schule auch weiter wohlwollend begleiten.


Angefangen hat alles damit, dass die Klasse 8d im vergangenen Schuljahr mit ihrer Deutschlehrerin Stefanie Limmer eine Kurzgeschichte zum Thema Rassismus und Zivilcourage lasen. »Dabei merkte ich, dass die Schüler gar nicht so genau wissen, was Zivilcourage ist«, erzählte die Lehrerin. Das Thema wurde ausführlich diskutiert und da die Klasse sich sehr interessiert zeigte, schlug ihnen Limmer gleich noch ein weiteres Projekt vor.

Seitdem arbeiteten sie mit großem Eifer daran, sich den jetzt verliehenen Titel zu verdienen. Die ganze Schulfamilie wurde mit ins Boot geholt und zwei Paten um Mithilfe gebeten. Realschulleiterin Cornelia Linnhoff freute sich sehr über das Engagement, war aber nicht sonderlich verwundert, weil sie längst weiß, »an unserer Schule wird Toleranz gelebt«.

Ursache ist oft Angstvor dem Unbekannten

Dr. Bärbel Kofler, Bundestagsabgeordnete und Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, erklärte, sie sei sehr stolz, hier Patin zu sein. Jeder und jede Einzelne könne etwas gegen Rassismus und Ausgrenzung tun. Das Erste und Wichtigste dabei sei, den Mund aufzumachen, wo immer einem Ausgrenzung begegne. »Aber das erfordert Courage«, stellte sie fest. Oft stehe eine gewisse Angst vor dem Unbekannten und Fremden hinter solchen Taten und der beste Weg gegen diese Angst sei, sich mit den Menschen auseinander zu setzen, sie genauer kennenzulernen, »über den Tellerrand zu schauen«.

»Weltweit gibt es viele Bewegungen gegen Ausgrenzung«, betonte die Abgeordnete, etwa »black lives matter« oder die »Me too«-Debatte. Genauso wichtig seien diese aber auch bei uns im Land. Oft stünde am Anfang »nur« eine Beleidigung oder ein böser Kommentar, nicht selten ende das Ganze aber in Gewalt bis hin zum Tod. »Wir müssen den Anfängen wehren und uns als wehrhafte Demokratie beweisen«, meint Dr. Kofler und ergänzte: »Leben und Lernen mit anderen Kulturen macht richtig Spaß.«

Stefan Kröll, zweiter Pate des Projekts, sieht es ähnlich: »Wenn es von jungen Leuten wie euch ausgeht, hat das Ganze eine andere Dynamik und Kraft.«

Der Kabarettist stellt manchmal fest, dass der Dialekt als Schutzschild für Rassismus benutzt wird. Als Beispiel nannte er die wiederholte Nennung des »N-Wortes« bei Fußballkommentatoren, die Spieler allein wegen ihrer Hautfarbe ausgrenzen: »Nur nicht den Alaba, weil der ist ja ein guter, beliebter Fußballer.« Wenn ihm dann entgegnet werde, das sei in Bayern schon immer so gesagt worden, kann er richtig wütend werden.

»Was nicht mehr rein gehört, muss raus«

»Wir haben einen wunderbaren Dialekt, und es ist wichtig, ihn Wert zu schätzen. Aber was nimmer reingehört und nicht mehr dem Zeitgeist entspricht, muss raus.« Ebenso verwehrt er sich gegen die vielen englischen Begriffe, wie »Location«, »Message«, »Feedback«. Sie alle versteht er zwar, würde sie aber nie nutzen, »dafür haben wir doch in unserer Sprache schönere Begriffe«.

Zum neuen Titel der Schule gratulierte unter anderen stellvertretender Landrat Sepp Konhäuser. Für ihn ist die Walter-Mohr-Realschule ein »Vorbild und Impulsgeber für weitere Schulen im Landkreis, sich diesem Thema anzunehmen«. Er betonte aber auch, dass der Titel keine Magie ist, »die dazu führt, dass diese Schule frei von Diskriminierung ist«. Vielmehr müsse man daran arbeiten, dass Menschen nicht wegen irgendwelcher Eigenschaften ausgegrenzt werden, Stigmatisierung und Vorurteile müssten abgebaut werden.

Der Leitende Ministerialbeauftragte für Realschulen, Wilhelm Kürzeder, lobte die Gemeinschaft an der Schule. Die Integration der verschiedensten Nationen sei hier kein Problem. Im Gegenteil seien die Schüler unterschiedlicher Herkunft eine willkommene Vielfalt. »Die Welt ist vielfältiger und bunter geworden. Das kann uns stärken und beflügeln. Daraus kann eine neue Humanität entstehen, Achtsamkeit und Wertschätzung. Davon können wir nicht genug haben.«

Ron Otto, der Regional-koordinator Oberbayern für Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage, wurde online zugeschaltet. Er hielt die Urkunde, die der Realschule noch übermittelt wird, in die Kamera und gratulierte zum Titel. Für ihn ist es wichtig, dass eine Schule ein »Schutzraum« ist, wo man einander zuhört und die ganze Schulfamilie für einander da ist.

Die Titelverleihung, bei der Selina Brüderl und Miriam Jung aus der 9d routiniert durchs Programm führten, wurde in alle Klassenzimmer live übertragen. So konnten trotz der Abstandsregeln alle Schüler daran teilnehmen und sich mit über den neuen Titel freuen.

Weitere Auszeichnung für die Realschule

Ministerialbeauftragter Wilhelm Kürzeder kam nicht nur zur Titelverleihung nach Traunreut, er hatte auch eine Überraschung dabei. Im Namen des Kultusministeriums zeichnete er die Walter-Mohr-Realschule aus, die als einzige Realschule in Oberbayern Ost am Bundeswettbewerb »Jugend forscht« teilnahm und mit dem Projekt »Vulkane – wie kann man Dörfer schützen?« den dritten Preis bekam. Der gelungene wissenschaftliche Denkanstoß wird mit einer Urkunde und einem Preisgeld von 500 Euro besonders gewürdigt. mix


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