Traunreut
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Foto: Rasch

Quartiersmanagement in Traunreut – Hauptausschuss gab grundsätzlich »grünes Licht«

Traunreut – Einige Gemeinden im Landkreis Traunstein leben es seit einigen Jahren vor: Jetzt möchte auch die Stadt Traunreut auf diesen Zug aufspringen und ein sogenanntes Quartiersmanagement einrichten. Dahinter steht ein gefördertes Projekt mit dem Ziel, älteren Mitbürgern zu ermöglichen, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu leben. Der Hauptausschuss erteilte in seiner jüngsten Sitzung dem Antrag von Seniorenreferentin Angelika Zunhammer (CSU) schon mal grundsätzlich »grünes Licht«.


Es wurde einstimmig beschlossen, mit der Koordinierungsstelle »Wohnen im Alter« eine Bedarfsanalyse gemäß den Richtlinien des Quartiersmanagements »Selbstbestimmtes Leben im Alter SeLa« durchzuführen. Die Ergebnisse der Bedarfsanalyse sollen dann dem Stadtrat zur weiteren Beratung vorgelegt werden.

Nicht nur die Seniorenbeauftragte der Stadt Traunreut, auch der Seniorenbeirat würden das Projekt unterstützen, erklärte Zunhammer. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels sei es wichtig, auch vor Ort vorzubeugen. »Die Bevölkerung wird immer älter«, sagte Zunhammer. Zunächst liege es aber an der Bedarfsanalyse, die Aufschluss darüber geben soll, ob ein sogenannter »Kümmerer vor Ort« überhaupt notwendig sei.

Ein Quartierskonzept verfolgt das Ziel, eine Gemeinde oder Stadt so zu gestalten, dass auch ältere Bürger – in Traunreut leben über 5000 Menschen, die über 65 Jahre alt sind – in ihrem vertrauten Wohnumfeld bleiben können. Unter Quartier werden die wohnliche Situation sowie das räumliche und soziale Umfeld verstanden, heißt es in der Projektbeschreibung. Die älteren Menschen sollen ihr tägliches Leben selbst gestalten, sich selbst versorgen und soziale Kontakte knüpfen können.

Das Quartiersmanagement soll dabei aktive Unterstützung leisten. Ein »Kümmerer« sucht den direkten Draht zu den älteren Menschen, die auch zu Themen, die ihre Lebenswelt betreffen, beraten und unterstützt werden sollen. Insbesondere zu Themen, wie barrierefreies Wohnen, die Formulierung von Anträgen und das Ausfüllen von Antragsformularen, sollen Hilfestellungen gegeben werden. Darüber hinaus wird auch die Gründung von Helferkreisen, Angehörigen-Gruppen oder Organisationen von Treffen von Senioren unterstützt. Ziel sollte auch sein, die unterschiedlichen Ortsteile der Stadt Traunreut miteinander zu verknüpfen und damit ein Netzwerk aufzubauen sowie Kontakte zu Hilfsorganisationen verschiedenster Art zu vermitteln.

Sollte sich der Stadtrat nach der Feststellung eines Bedarfs durch die Bedarfsanalyse dazu entscheiden, einen »Kümmerer vor Ort« beauftragen zu wollen, gäbe es für vier Jahre eine staatliche Anschub-Finanzierung von maximal 80 000 Euro. Sollte sich das Projekt bewähren, müsste dann die Stadt den »Kümmerer« eine oder mehrere Personen aus dem Sozial- oder Pflegebereich in Ganztags- oder Teilzeit, nach vier Jahren weiterbeschäftigen.

Christiane Hunklinger, Beauftragte für Senioren und Menschen mit Behinderung der Stadt Traunreut, begrüßte den Antrag von Zunhammer. Der demographische Wandel erfordere ein Umdenken auf kommunaler Ebene, erklärte sie. Im Hinblick auf die stetig wachsende Zahl an älteren Mitbürgern müssten sich die Kommunen ändern, um einen Pflegenotstand, einer zunehmenden Vereinsamung, Altersarmut oder einer immer anonymer werdenden Stadt entgegen zu wirken, sagte Hunklinger. Insofern wäre ein Quartiersmanager der richtige Ansatz, um das Leben für ältere Menschen in Traunreut besser zu gestalten. Die Kosten für eine Bedarfsanalyse in Zusammenarbeit mit der Koordinierungsstelle »Wohnen im Alter« seien überschaubar. Es müssten lediglich die Fahrtkosten für die Mitarbeiter der Stelle getragen werden. »Die Bedarfsanalyse ist auf jeden Fall sinnvoll. Selbst wenn sich herausstellen sollte, dass die Stadt Traunreut so gut aufgestellt ist, dass sie keinen Quartiersmanager braucht, können hieraus vielleicht kleinere Projekte gestartet werden. Wir werden alle nicht jünger.«

ga

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