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Nora Wunderlich und Tobias Schrödel in der Literatur-woche zum Thema »So tickt das Netz«. (Foto: Mix)

Psychologin Nora Wunderlich und Tobias Schrödel informierten über Gefahren im Netz

Traunreut – Im Rahmen der Steiner Literatur- und Medienwoche besuchten Tobias Schrödel und Nora Wunderlich die Schule Schloss Stein. Sie zeigten den Schülern der achten bis elften Klassen auf, welche Gefahren im Internet lauern und wie man sich schützen kann.


Jeder benutzt es – täglich, stundenlang: das Internet. Dass dabei auch Gefahren drohen, weiß man eigentlich. Und trotzdem geht es nicht mehr ohne. Wie man sich möglichst gut schützen kann, erläuterten der Techniker und Informatiker Tobias Schrödel und die Psychologin Nina Wunderlich. Die beiden haben gemeinsam mit dem Rechtsanwalt Christian Solmecke ein Buch geschrieben – der Titel: »WTF?! So tickt das Netz«.

Wunderlich zeigte mit Beispielen, dass der ständige Gebrauch von sozialen Netzwerken eine psychische Störung hervorrufen könne. In den Netzwerken spielten das Selbst-, das Ideal- und das Fremdbild eines Nutzers eine große Rolle. »Jeder hat ein Idealbild im Kopf und wenn er dem nicht entspricht, fühlt er sich nicht gut«, so die Psychologin. Ebenso sei es mit dem Fremdbild. Wenn jemand Negatives über einen postet, ziehe einen das runter. Deshalb sei es umso wichtiger, sich nicht abhängig zu machen von den sozialen Netzwerken und den Meinungen, die darin geäußert werden. Als Alternative nannte sie »enge Freundschaften« mit Menschen, »die einen auch durch schlechte Tage begleiten«.

Cybermobbing ist sehr verbreitet. In einem kleinen Rollenspiel merkten die Schüler selber, wie einfach es ist, in der Gruppe undanonym über jemanden herzuziehen und Hasskommentare abzugeben. Wunderlich appellierte an die Zuhörer, sich als Betroffener oder Betroffene unbedingt Hilfe zu holen, ob bei Freunden, Eltern, Lehrern, einem Hilfetelefon oder unter »krisenchat.de«. Außerdem solle man nur auf tatsächliche Argumente reagieren. »Für dumme Kommentare gibt es kein Gegenargument. Die ignoriert man am besten.« Niemand sei als Opfer geboren worden, erklärte die Psychologin, jeder könne aber dazu werden.

Technische Aspekte der Sicherheit erläuterte Tobias Schrödel ausführlich und beantwortete auch zahlreiche Fragen der Schüler. Vor allem ging er auf Passwörter ein. Für Betrüger sei es leicht, Passwörter zu bekommen, mit denen sie dann beispielsweise kostenlos und auf Rechnung anderer im Internet einkaufen. Passwörter sollten zur Sicherheit immer lang sein und mindestens zehn Zeichen umfassen. Sie sollten Sonderzeichen, Ziffern, Groß- und Kleinschreibung enthalten. Und niemals solle man das gleiche Passwort bei verschiedenen Anbietern nutzen.

Schrödel führte auch vor, wie man anhand von Bildern, die auf sozialen Netzwerken gepostet werden, jede Menge Informationen über die jeweilige Person dahinter herausfinden kann. Adresse, Name, Beruf, eventuelle Vorlieben seien mit etwas Detektivarbeit zu entdecken. Die Informationen über die Nutzer würden dann beispielsweise an Handelsketten verkauft, die einen daraufhin ganz gezielt mit Werbung überhäufen.

»Die sozialen Netzwerke machen Geld mit euch, ihr seid deren Ware«, argumentierte er. Allein, wenn man bestimmte Lieder auf Spotify anhört, könnten Interessenten daraus ablesen, in welcher Stimmung man ist und für welche Werbung man gerade in dem Moment empfänglich ist. Auf die Frage eines Schülers, was da-ran so schlimm sei, meinte Schrödel: »Ihr arbeitet quasi für andere, bekommt aber kein Geld dafür.« Mit der Zustimmung zu den Geschäftsbedingungen der sozialen Netzwerke trete jeder Nutzer die Rechte an all seinen Daten ab. Deshalb solle man vorsichtig sein und nicht alles ins Netz stellen. »Ich kann über eure Instagram-Einträge viel über euch erfahren, wahrscheinlich mehr, als eure Eltern über euch wissen.«

mix

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