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Die Errichtung einer sogenannten Kulturpassage, die eine Verbindung für Fußgänger zwischen der Kant- und Munastraße schaffen soll, soll im Rahmen des Ausbaus der Kantstraße (Foto) umgesetzt und mit Mitteln des Förderprogramms »REACT-EU« finanziert werden. (Foto: Rasch)

Projekte für Förderprogramm »REACT-EU« vorgestellt

Traunreut – Das Wohnbaugebiet Stocket, der Bau des Munaparks und der Ausbau der Kantstraße in Traunreut sind nur einige Großprojekte, die auf der Agenda stehen. Da ist es naheliegend, dass die Stadt auch die Chance ergreift, sich mit mehreren Projekten beim Förderprogramm »REACT-EU« beteiligt. Drei Teilprojekte wurden nun im Rahmen einer Hauptausschusssitzung vorgestellt.


Ein Teilprojekt ist die sogenannte Kulturpasssage, die eine Verbindung für Fußgänger zwischen Kant- und Munastraße schaffen soll. Bereits im Juli letzten Jahres stimmte der Stadtrat mehrheitlich für diesen Durchgang. Ziel ist es, Kulturschaffenden der Stadt einen Platz zu bieten, der als Werbeträger fungiert. Links und rechts des Weges können so zum Beispiel verschiedene Programme in den Schaukästen präsentiert werden.

Wie Bürgermeister Hans-Peter Dangschat erklärte, erhalte dieses Projekt einen Fördersatz von 90 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten. Laut ersten Schätzungen würden sich die Kosten auf 196.710 Euro brutto, davon 141.000 Euro als zuwendungsfähig anerkannt, belaufen.

Das nächste Teilprojekt, eine Online-Plattform, sei laut Dangschat »etwas komplizierter«. Innerhalb der Plattform sollen Bereiche wie Handel, Gastronomie, Dienstleistungen, Tourismus, Kultur und Wohnen miteinander verknüpft werden. So entsteht ein Gesamtbild der Innenstadt, das sämtliche Bereiche umfasst. Ziel sei es, so Stadtmanager Christian Ehinger, die Aktivitäten rund um die Innenstadt sichtbar zu machen und die Akteure untereinander stärker zu vernetzen.

Um den Interessensgruppen einen Mehrwert zu schaffen, sind zwei Strategien vorgesehen: Zum einen soll ein Stadtgutschein Traunreut eingeführt werden, der auf der Plattform integriert werden soll. Sowohl die Ausgabestellen, in denen die Gutscheine erworben werden können, als auch die Bereiche, in denen diese dann akzeptiert werden, sollen auf der Plattform sichtbar sein.

Zudem wird ein sogenanntes Arbeitgeber-Modell integriert. Das heißt: die lokalen Gutscheine können von Arbeitgebern in einer Höhe bis zu 50 Euro pro Monat als Lohnbestandteil ausgehändigt werden – steuer- und abgabefrei. Hier besteht eine Fördersumme von 97.500 Euro.

Der letzte Projektteil zielt auf den Ausbau eines Leerstandskatasters ab, um die Belebung der Innenstadt zu fördern. Innerhalb eines 3D-Modells der Stadt Traunreut sollen die leerstehenden Immobilien erfasst und sichtbar gemacht werden. Allerdings sollen diese nicht nur einsehbar sein, sondern auch verschiedene Daten zu den jeweiligen Objekten dargestellt werden. Diese umfassen die wirtschaftlichen Daten der Immobilie, aber auch Fotos und mögliche Potenziale in der Umgebung. Unter anderem die Verkaufsflächengröße, bauliche Eigenschaften und die weiteren attraktiven Bereiche der Umgebung sind für Interessenten leicht überschaubar. Dieses Teilprojekt wird mit 127.500 Euro gefördert.

Zu den eingereichten Projekten gab es seitens der Ausschussmitglieder noch einige Fragen, insbesondere wegen des Leerstandskatasters. Dritter Bürgermeister Johannes Danner (Bürgerliste) wollte wissen, wie das Leerstandskataster in Zukunft gepflegt werde. Schließlich sei es notwendig, dieses auf dem aktuellen Stand zu halten, was allerdings auch Kosten mit sich bringe. Laut Bürgermeister Hans-Peter Dangschat sei dies abhängig vom Erfolg des Projekts: »Es gibt zwei mögliche Varianten. Entweder läuft das Projekt erfolgreich, dann wird sich die Stadt auch um die Weiterführung kümmern. Sollte der andere Fall eintreten, bleiben die Daten trotzdem erhalten.« Diese könnten dann anderweitig genutzt oder für den Zensus des Landkreises Traunstein verwendet werden, der unter anderem auch die Leerstände erfasst.

Hinsichtlich des Datenschutzes wollte Christian Stoib (SPD) wissen, was wäre, wenn ein Eigentümer nicht wolle, dass Informationen zu einer leerstehenden Immobilie öffentlich einsehbar seien. Stadtmanager Christian Ehinger erklärte, dass im Vorfeld das Einverständnis der Eigentümer eingeholt werden müsse und keiner gezwungen werden könne. Zwecks der Darstellung dieser Gebäude – sollte keine Einwilligung vorliegen – könne eine Visualisierung des Gebäudes im 3D-Modell nicht umgangen werden. Dangschat: »Das ist ähnlich wie bei Google-Earth, allerdings könnten die Fassaden dann in der Ansicht unkenntlich gemacht werden.« Er gehe aber davon aus, dass es seitens der Eigentümer eine breite Zustimmung für das Leerstandskataster geben werde.

Matthias Bauregger (Freie Wähler) wollte wissen, wie die jeweiligen Daten im Vorfeld erfasst werden. Dazu erklärte Ehinger: »Die Eigentümer erhalten einen Zugangscode, über den dann ein Formular ausgefüllt werden soll, in dem alle notwendigen Daten erfasst werden.« Dies brauche natürlich einiges an Vorlauf, daher konzentriere sich das Projekt auch vorerst auf den Innenstadtbereich, sei aber ausbaufähig. Außerdem erkundigte sich Bauregger hinsichtlich der Traunreuter Gutscheine, wie dies mit der Verwaltung und Abrechnung laufe. »Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Es gibt viele Städte, die ein solches Gutscheinsystem besitzen. Dabei ist ganz klar, dass nur derjenige abrechnen darf, der auch Teil des Systems ist«, so Ehinger.

Auch Bürgermeister Dangschat war zuversichtlich, dass die Gutscheine gut angenommen werden, da sich bereits in der Vergangenheit gezeigt habe, dass eine große Nachfrage, auch seitens der Unternehmen, bestehe. »Ich bin nicht der größte Fan dieser Gutscheine, aber fast alle Städte gehen mittlerweile diesen Weg.«

Stephan Mirbeth fiel der relativ kurz gehaltene Förderzeitraum bis zum 30. Juni 2023 auf: »Müssen diese Projekte bis dahin komplett fertiggestellt sein«, wollte er wissen. Laut Rathauschef müssten zumindest die Grundlagen bis dahin fertiggestellt sein, also »beispielsweise die Verträge. Ich denke allerdings, dass wir in diesem Zeitraum das meiste schaffen werden.«

Der Hauptausschuss fasste den Beschlussvorschlag einstimmig, die Umsetzung der Projekte zu billigen und zu unterstützen sowie Eigenmittel der Stadt in Höhe von 36.600 Euro und die Vorfinanzierung der Fördermittel in Höhe von 329.400 Euro aufzuwenden. Nun muss der Stadtrat in seiner Sitzung am heutigen Donnerstag um 16 Uhr im k1 über diese Empfehlungen abstimmen.

ga

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