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Orthodoxe feiern Ostern erst diesen Sonntag – Arbeiten in Kirche schreiten voran

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An der Altarfront der rumänisch-orthodoxen Holzkirche wurden in den vergangenen Monaten neue Gemälde angebracht. (Foto: P. Mix)

Traunreut – Die rumänisch-orthodoxe Kirche wird nach und nach ausgestaltet und immer mehr zu einem ganz besonderen Schmuckstück. In den vergangenen zwei Monaten hat Marian Nan, Kirchenmaler aus Calarasi in Rumänien, über dem Altarraum weitere Gemälde angebracht. Rechtzeitig zum orthodoxen Osterfest an diesem Wochenende ist dieser Bereich nun auch fertig.


Der Kirchenmaler hat im vergangenen Jahr an beiden Längsseiten des Kirchenschiffes die Ikonen mit den Bildern von Heiligen geschaffen. Nun erstellte er ein sehr ausdrucksstarkes Gemälde mit kräftigen Farben an der Altarseite, das die in der rumänisch-orthodoxen Kirche ebenfalls sehr verehrte Muttergottes und ihren Sohn Jesus Christus zeigt. Drumherum sind die zwölf Apostel angebracht. Allerdings fehlt Judas, der in der orthodoxen Kirche nicht dargestellt wird. An seiner Stelle ist Paulus mit dabei.

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Unterhalb des Bildes der Muttergottes ist ein Band mit bayerisch weiß-blauem Rautenmuster zu sehen und dem Liedtext: »Segne du Maria, segne mich dein Kind, dass ich hier den Frieden, dort den Himmel find.« Für Pfarrer Constantin Bartok ist dies ein Zeichen der Verbundenheit der rumänisch-orthodoxen Gemeinde mit ihrer neuen Heimat Bayern.

Daneben wird die Verkündigungsszene dargestellt: links ist der Engel zu sehen, rechts Maria, die seine Botschaft anhört. An den Seitenwänden der Kirche, oberhalb der Ikonen, sollen im kommenden Jahr noch Bilder von den Taten und Wundern Jesu aufgemalt werden.

Das Gemälde über dem Altar ist rechtzeitig zum orthodoxen Osterfest fertig geworden – nach dem julianischen Kalender, weshalb es nicht der gleiche Termin wie bei den Christen sein muss. In diesem Jahr feiern sie Ostern eine Woche später, im nächsten Jahr fällt es auf das gleiche Wochenende.

»Wir Orthodoxe feiern Ostern noch besser als Weihnachten«, erzählt Pfarrer Bartok, »denn Ostern ist die wahre Freude. Ohne den Tod gäbe es schließlich keine Auferstehung.« Als in Bayern Ostern gefeiert wurde, war für die Orthodoxen Palmsonntag und sie machten eine Prozession mit Palmzweigen um die Kirche. Traditionell gibt es bei ihnen an diesem Tag Fisch zu essen.

Gefeiert werden diese Woche in der rumänisch-orthodoxen Kirche die gleichen besonderen Tage von Gründonnerstag an. Dazu gibt es ganz spezielle Liturgien für die einzelnen Gottesdienste. In der Nacht von Samstag auf Sonntag um 24 Uhr wird die Auferstehung gefeiert und auch an den folgenden Tagen begrüßen die Orthodoxen einander mit »Histos a inviat« – »Christus ist auferstanden«. Bei der Auferstehungsfeier gehen alle Gläubigen zunächst dreimal um die Kirche. Der Pfarrer schlägt dann mit einem Holzbrett an die Kirchentür und bittet um Einlass.

Bis zum Osterfest wird sechs Wochen lang streng gefastet, die Gläubigen sollen in der Zeit nur ganz einfache Speisen zu sich nehmen, kein Fleisch essen und nichts Süßes. Am Ostersonntag gibt es dafür dann das große Festessen in allen Familien, wo nur die besten Sachen auf den Tisch kommen. Wie in der katholischen Kirche ist es auch üblich, Brot, Wein und Eier zur Speisenweihe in die Kirche mitzubringen.

Die Osterkerze, die bis zur Auferstehungsfeier genutzt wurde, erhält danach eine Familie aus der Gemeinde, die das ganze Jahr über regelmäßig mit den Kindern an den Gottesdiensten teilgenommen hat. Für Pfarrer Bartok ist es jedes Jahr eine schwierige Entscheidung, wem er die Kerze geben soll, da er rund 90 junge Familien in der Kirchengemeinde hat.

Die rumänisch-orthodoxe Holzkirche in Traunreut ist seit letztem Jahr, als sie feierlich geweiht wurde, zu einem richtigen Magneten geworden. Immer wieder kommen Besucher, die sie sich anschauen wollen und ihrer Begeisterung Ausdruck verleihen. Jeweils einmal im Monat halten auch Gläubige aus Griechenland, Serbien und der Ukraine in dieser Kirche einen Gottesdienst mit Pfarrern, die dazu eigens aus München anreisen.

»Diese Kirche ist eine Ehre für uns und für die Stadt Traunreut«, sagt Pfarrer Bartok, der sich und seine Gemeinde in der Stadt gut integriert sieht. »Wir gehen auch jedes Jahr in unserer Tracht bei der Fronleichnamsprozession der Katholiken mit als Zeichen unserer Verbundenheit«, berichtet er stolz. mix