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Nichts aus dem Spielzeugladen, aber viel Natur

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Viele kleine und große »Waldkäfer« waren zur Einweihung des neuen Waldkindergartens Traunreut gekommen. Die Zeremonie spielte sich um ein offenes Feuer ab, über dem ein Kessel mit Gulasch vor sich hin köchelte. (Foto: Rasch)

Traunreut – Es gibt nichts aus dem Spielzeugladen, aber viel Natur: Dass Stöckchen, Steine, Blätter oder Zapfen auch sehr reizvoll sein können, dürfen die Kinder des neuen Waldkindergartens Traunreut erfahren. Seit September können die neuen Waldbewohner den Wald und seine Tier- und Pflanzenwelt erkunden. Denn »nirgendwo gibt es mehr Abenteuer als im Wald«, sagte die Geschäftsführerin des Vereins Integrative Sozialpädagogische Gruppenarbeit (ISG), Cornelia Streitwieser, bei der Einweihung der Kindertagesstätte.


Abseits der Straße nahe der Traunreuter Schrebergärten weisen ein Schild und ein Briefkasten auf die Adresse der »Waldkäfer« hin. Rund 100 Meter weiter erblickt man in einer Waldlichtung einen blauen Bauwagen, der Mittelpunkt des Waldkindergartens ist. Drumherum Bäume, Wiesen, Natur. Kein Autolärm stört. Aktuell besuchen sieben Kinder den Waldkindergarten, bislang ein Novum in der größten Stadt des Landkreises Traunstein.

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Als gemeinnütziger Verein und freier Träger der Jugendhilfe hat es die ISG geschafft, die herkömmlichen Kindertagesstätten um einen Naturkindergarten zu ergänzen. Erste Gespräche mit der Stadt liegen knapp ein Jahr zurück. Damals war als Standort eine Waldlichtung hinter dem Seniorenheim an der Hoferstraße vorgesehen. Da war allerdings die Zufahrt unzureichend. Ein Grundstücks- besitzer aus Pierling stellte dem Trägerverein schließlich ein Grundstück in der Nähe der Schrebergärten unentgeltlich zur Verfügung.

Dort hat sich seit dem Sommer einiges getan: Nicht nur der Bauwagen hat einen letzten Schliff bekommen, auch das Drumherum. Mit Ausnahme von ein paar Eimern und Schaufeln gibt es keine Spielgeräte oder Spielsachen, die man im Laden kaufen kann. Vielmehr sollen Naturmaterialien als Spielsachen die Fantasie und die Kreativität der Kinder fördern.

Wie in den Regelkindergärten, werden auch alle Bildungs- und Erziehungsziele nach dem Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan erreicht. In der Regel halten sich die Kinder um den Bauwagen auf. In kleinen Gruppen erkunden sie mit dem Personal auch den Wald und die Umgebung. Die Kinder bewegen sich immer an der frischen Luft. Deshalb ist auch die richtige Kleidung wichtig, sodass sie im Winter nicht frieren und im Sommer keinen Sonnenbrand bekommen. Nur bei sehr schlechtem Wetter bietet ein spartanisch eingerichteter Bauwagen Unterschlupf. Sollte etwa durch Sturm Gefahr drohen, hat sich die Feuerwehr Pierling bereit erklärt, kurzfristig ihr Vereinsheim zur Verfügung zu stellen. Des Weiteren kann im Notfall in die Räume der ISG am Sankt-Georgs-Platz in Traunreut ausgewichen werden.

Die Einweihung spielte sich ums Lagerfeuer ab, über dem ein Kessel mit Gulasch hing. Für den besonderen Tag gabs auch eine Torte mit Wunderkerzen darauf, die zwischen gemeinsam gesungenen Liedern entzündet wurden.

In ihrer Rede überschlug sich Streitwieser mit Lob, besonders für Bürgermeister Klaus Ritter und die Stadträte, die dem Projekt stets positiv gegenübergestanden hätten. Lobend erwähnte sie auch das unkomplizierte Nachbarschaftsverhältnis mit den Besitzern der Schrebergärten und die Unterstützung durch Waldbauern und Jäger.

Bürgermeister Ritter lobte den unermüdlichen Einsatz der ISG-Geschäftsführerin. »Ich bewundere den Mut und den Unternehmergeist von Cornelia Streitwieser«, sagte er. Er überreichte Streitwieser als Starthilfe 300 Euro. Als Vertreterin der Eltern erklärte Eva Gallinger, dass sie anfangs durchaus Bedenken gehabt habe, die sich aber schnell gelegt hätten. »Mittlerweile bin ich voll überzeugt. Die Kinder erleben jeden Tag neue Aktivitäten«, schwärmte die »Waldmama« auch gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt. Ihre Tochter Annelie (knapp drei Jahre) komme »total gerne« her.

Damit auch der liebe Gott seine schützende Hand über die neuen Waldbewohner legt, spendete Pastoralreferentin Melanie Lüking bei der Weihe den Segen. ga