Bildtext einblenden
Geht nicht, gibt’s nicht: Den Weg ins Kino geschafft hat »die Kuh« mit Herz und Verstand. (Foto: Benekam)

Mit »Odl de Cologne« fürs »kuhle« Abenteuer gewappnet

Traunreut – »Hochverehrtes Publikum, die heutige Vorstellung muss leider abgesagt werden! Alle krank. Oder so«, erklärt der Intendant auf der großen k1-Bühne. Kennt man ja. »Jetzt, wo i scho ois putzt hob!«, nölt die Putzfrau in ihrer geblümten Kittelschürze und schwingt aufmüpfig ihren Staubwedel im Rampenlicht. Kann ja gar nicht sein – wissen es die Kinder im Traunreuter k1 besser beim Sternschnuppen-Kinder-Mu(h)sical »Die Kuh, die wollt ins Kino gehn«. 


Schließlich, so steht es im Programm geschrieben, dreht sich das »kuhle Kinder-Mu(h)sical« um Mut und Glück haben. Mut und Glück hat dieser Tage allein schon der, der es in eine Vorstellung reingeschafft hat. Hat das Kino, das die Kuh anvisiert, überhaupt geöffnet? Und wenn ja, kommt Kuh da eh nur geboostert rein, geht es einem durch den Kopf. Andere Zeiten, anderes Krisenmanagement. Bei dem letzten k1-Gastspiel (2018) des Ensembles um Margit Sarholz und Werner Meier galten definitiv andere Regeln. »Ja, da muass ma sich hoit wos eifoin lassen!«, mahnt die resolute Bühnenreinigungs-Dame und rappt sich den Verdruss vom Leib. Und genau damit trifft sie ins Schwarze, denn auf der Bühne regt sich eh schon was: Da sitzen »echte« Musiker – die Sternschnuppe Combo, nämlich – an ihren »echten« Instrumenten und auch das vielversprechende Bühnenbild lockt sechs spielwillige Künstler, die mehr als bereit sind, sich für ihr junges Publikum was einfallen zu lassen. Umbesetzt war schnell: Die Souffleuse besprühte sich mit »Odl de Cologne«, übernahm die »kuhle« Hauptrolle (»den Text kenn i eh scho«), der Intendant wurde zum Bauer, griff zur Mistgabel, die er zur Klampfe umfunktionierte und auch die restlichen vakanten Rollen wurden flugs besetzt: Ja, da muss man sich halt was einfallen lassen, so die Devise – den witzig-spritzigen Rap-Text hatten die Kinder genauso schnell verstoffwechselt, wie die Botschaft, die dahintersteht.

Hoch lebe das Theater und seine unerschöpflichen Möglichkeiten. Und die angeblich dumme Kuh wies den Kindern den (genau richtigen) Weg: Geht nicht, gibt’s nicht. Wäre doch gemuht. Zugegeben, das neugierige Huftier hatte auf seinem Weg zum Lichtspieltempel in der Stadt so einige Unterstützer. Eine wilde Rollerfahrt mit der hilfsbereiten Tretrollerfahrerin Rosa und eine aufregende Trambahnfahrt durch die Stadt führten die vierbeinige Wiederkäuerin schließlich ans Ziel ihrer Träume: Am Kino-Eingang entfuhr ihr »Jo mei! Is die Schlang lang« und als es am Schalter »Ausverkauft« hieß, war das (erwachsene) Publikum fast erleichtert, dass es nicht der fehlende Impfausweis war, der dem Milchtier den Zutritt unmöglich machte. Doch wenn es das junge k1-Publikum schon ins Theater geschafft hat, dann wär’s doch gemuht, wenn’s da nicht auch die Kuh am Happy End ins Kino g‘schafft hätt‘. Und so war es dann auch: Riesenapplaus für die guten Ideen, das Durchhaltevermögen, die überbordende Spielfreude, die wirklich gute Live-Mu(h)sik und den Wortwitz der famosen Lied- und Sprechtexte.

Kirsten Benekam

Mehr aus Traunreut