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Claudia und Hans Kneffel haben die gleichnamige Bäckerei geführt. Ende des Monats schließt die Traditionsbäckerei und Konditorei für immer. (Foto: Rasch)

Letzte produzierende Bäckerei in Traunreut macht zu

Traunreut – Mit der Bäckerei und Konditorei Kneffel schließt Ende des Monats eine Traditionsbäckerei in Matzing. In der letzten noch produzierenden Bäckerei, die es im Traunreuter Stadtgebiet überhaupt noch gibt, ist am 31. August der Ofen für immer aus. 1955 haben Agnes und Paul Kneffel die seit 1912 bestehende Bäckerei an der Ecke Bahnhofstraße/B 304 von der Familie Babette und Josef Heindl gepachtet und zehn Jahre später erworben. Sohn Hans hat sie dann vor rund 40 Jahren übernommen und sie mit seiner Frau Claudia bis heute geführt.


Dass die Bäckerei mit einer Filiale in Traunwalchen für immer ihre Pforten schließt, führt Kneffel auf den Personalmangel zurück. Er habe sich lange dagegen gewehrt, aber nachdem kein neues Personal und kein Nachfolger in Sicht gewesen sei, habe er die Reißleine ziehen müssen, sagte er dem Traunsteiner Tagblatt.

»Ich hätte schon einen Nachfolger gehabt, doch dieser musste dann krankheitsbedingt absagen«, bedauert der 64-jährige Bäckermeister. Zudem hätten zwei Gesellen gekündigt. Alle Bemühungen nach neuem Personal seien jedoch fehlgeschlagen. Erfreulich sei, dass alle Mitarbeiter wieder einen Job gefunden hätten: Alle 12 Angestellten konnten untergebracht werden. Hans Kneffel ist mit Leib und Seele Bäcker und würde mit genug Personal auch noch ein paar Jahre dranhängen: »Ich hab' meinen Beruf gerne ausgeübt. Du formst Teig mit den Händen und hast Freude, wenn es was geworden ist. Echte Handarbeit eben, bei der man alle Schritte bis zum fertigen Produkt miterlebt und auch seine Phantasie spielen lassen kann.« Doch damit ist für ihn jetzt Schluss. Er hat seine Entscheidung getroffen, wenngleich ihm die nicht leicht gefallen sei, wie er betont.

Ab September heißt es für die Bäckersleute erst einmal durchatmen und ausschlafen, was in den letzten 40 Jahren nicht möglich war. Denn spätestens um 6.30 Uhr musste die frische Ware verkaufsbereit sein.

Nach der Arbeit in der Backstube war Hans Kneffel bis vor drei Jahren auch noch mit dem Auto unterwegs, um die umliegenden Dörfer und Weiler mit frischem Brot und Backwaren zu versorgen. »Das 'Hausieren' habe ich noch von meinem Vater übernommen. Ich war jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag ab 8.30 Uhr unterwegs, und wenn mal was ausgegangen ist, hat es meine Frau Claudia nachgeliefert. Ich habe jeden Bauern gekannt, und die Leute haben mir sogar ihre Hausschlüssel anvertraut.«

Hans Kneffel ist in der elterlichen Bäckerei aufgewachsen und kann sich noch gut an die Anfänge erinnern: »Der erste gemauerte Backofen wurde mit Kohle und Holz beheizt. Den Ruß auszuräumen, das waren unsere Jobs als Kinder. Für den zweiten Backofen, der schon fortschrittlich mit Öl beheizt wurde, musste das Haus umgebaut werden. Der Ofen war bis 2001 in Betrieb.«

Hans Kneffel, seines Zeichens auch Traunreuter Stadtrat, musste schon früh Verantwortung für den Betrieb übernehmen. Nachdem sein Vater schwer erkrankt war, war er mit 24 Jahren für den Betrieb zuständig. Seine Mutter Agnes hat ihn nach dem Tod seines Vaters 1990 bis ins hohe Alter unterstützt. Als gelernte Bankkauffrau hatte Agnes Kneffel akribisch Buch geführt. Die handschriftlichen Kassenbücher hat sie bis zu ihrem Tod vor vier Jahren gehütet. Vor 70 Jahren kosteten eine Breze und eine Semmel je sechs Pfennige.

1965 kaufte das Ehepaar Kneffel nicht nur die Bäckerei mit Wohnhaus in Matzing, sondern auch das sogenannte Zugs-Zuhaus in Traunwalchen, in dem sich eine Filiale der Bäckerei befand. In den 1970er Jahren zog die Filiale dann in das ehemalige Postgebäude an der Raiffeisenstraße.

In den kommenden zwei Wochen wird Hans Kneffel, der sich als Geschäftsmann auch den Vereinen gegenüber stets großzügig gezeigt hat, seinen Backofen ein letztes Mal anschüren, bevor die Bäckerei dann nach fast 70 Jahren der Vergangenheit angehört.

So nahm in diesen Tagen auch Konrad Parzinger von der Bäko-Organisation Bad Reichenhall zum letzten Mal die Bestellungen entgegen. Dass nach dem 31. August nur noch die Erinnerung an den Namen der Bäckerei und Konditorei Kneffel bleibt, bezeichnete er als sehr schade: »Es ist um jeden Betrieb, der wegen Personalmangels oder weil er keinen Nachfolger hat, schließen muss, sehr, sehr schade.«

ga

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