Lehrer und Rektor Dieter Flessa geht in den Ruhestand

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Dieter Flessa räumt nächste Woche seinen Schreibtisch in der Mittelschule und verabschiedet sich in den wohlverdienten Ruhestand. (Foto: P. Mix)

Traunreut – Noch hat Dieter Flessa gar keine Zeit, an seinen bevorstehenden Ruhestand zu denken. Auf dem Schreibtisch des Rektors der Werner-von-Siemens-Mittelschule stapelt sich die Arbeit. Da die Abschlussprüfungen der neunten und zehnten Klassen coronabedingt nach hinten verschoben und noch diese Woche letzte mündliche abgehalten wurden, hat er alle Hände voll zu tun mit Zeugnissen und anderen Arbeiten, die am Ende eines Schuljahrs anfallen.


»Ich bin noch gar nicht im Abschiedsmodus. Momentan fühlt es sich noch an, als ob ich nächste Woche wie jedes Jahr in die Ferien starte«, sagt der Schulleiter. Wenn dann aber im September seine Kollegen und die Schüler wieder im Unterricht sind, wird er seinen Urlaub mit der Familie in Kroatien genießen. Spätestens dann, glaubt er, kann er realisieren, dass nun wirklich Schluss ist. Der Abschied vom Berufsleben wurde ihm insofern ein wenig erleichtert, da die letzten eineinhalb Jahre »die schwierigsten in meiner ganzen Laufbahn« waren. Drei Ordner voll mit Corona-Bestimmungen haben sich angesammelt, alle zwei Wochen seien neue Anordnungen gekommen und oft habe er erst am Freitag erfahren, ob und wie ab Montag die Schule besucht werden kann – und dann musste alles auf die Schnelle noch organisiert werden.

Nach dem Studium in München und einer Anstellung in Erding kam Dieter Flessa, aufgewachsen in Oberfranken, 1988 nach Traunreut. Als Hauptschullehrer hatte er die Klassen sieben bis neun und führte sie zum Quali. In diesen drei Jahren sei oft eine enge Bindung entstanden und manche hätten in ihm sogar eine Vaterfigur gesehen. Als Rektor war er dann nicht mehr ganz so nah dran. 2001 wurde Flessa neben dem damaligen Rektor Bernhard Kesy Konrektor und seit 2005 leitet er die Schule. In dieser Zeit wurde aus der Hauptschule eine Mittelschule. »Der Begriff allein ändert nichts«, erklärt Dieter Flessa. Aber er kann aus seiner langen Erfahrung sagen, dass schulisch doch viel erreicht wurde und das früher schlechte Image der Hauptschule schon verbessert werden konnte. Das liege vor allem an der Vielschichtigkeit heute, da die Mittelschule neben dem Quali nach der neunten Klasse auch den M-Zug mit Abschluss Mittlerer Reife anbietet und die Praxis-Klasse für Schüler, deren Fähigkeiten weniger in den schulischen Fächern, als in der praktischen Tätigkeit liegen.

Außerdem gibt es die Ganztagsklassen. Als besonders wichtig bezeichnet der Schulleiter außerdem die Berufsvorbereitende Arbeit an seiner Schule, die von der Stadt Traunreut finanziell unterstützt wird. Flessa: »Unser Ziel ist, dass jeder und jede einen Ausbildungsberuf oder zumindest eine Perspektive finden soll.« Seit Jahren gebe es auch so gut wie gar keine Abschlussschüler, die nicht wissen, wie es weitergeht.

Dieter Flessa ist bekannt als Lehrer und Rektor mit einer strengen Hand und konsequenter Linie. »Ich habe schon als junger Lehrer gelernt, dass man erst Disziplin schaffen muss, dann kann man unterrichten.« Schüler brauchten eine klare Linie, die sie sicherlich auch mal übertreten. Letztendlich sei aber wichtig, dass sie wieder auf den Weg gebracht werden. Dass seine Art ankommt, sieht Dieter Flessa, wenn er ehemalige Schüler trifft. Viele, die er vor über 30 Jahren unterrichtet hat, sieht er jetzt wieder als Eltern seiner aktuellen Schüler. Und nicht selten heißt es dann, »weißt du noch damals?« Ihn freuen auch Aussagen von Abschlussschülern, die ihm gegenüber zugeben: »Ihr Unterricht war streng. Aber wir haben dafür auch sehr viel gelernt.«

Als großen Gewinn betrachtet der scheidende Rektor den Zugewinn an Raum, als der Leiter der Grundschule Süd, Arno Rausch, vor einigen Jahren beschloss, mit seiner ganzen Schule nach St. Georgen umzuziehen. Dadurch wurden die Räumlichkeiten gleich neben der Mittelschule frei und sie wurden auch dringend benötigt, da im eigenen Gebäude zu der Zeit großer Platzmangel herrschte und schon seit längerem nach einer geeigneten Lösung gesucht wurde. »Heute sind hier und drüben alle Zimmer belegt.« Die Erweiterung machte es auch möglich, einen vierten Computerraum zu schaffen. Da ab dem nächsten Schuljahr alle Klassen von fünf bis neun IT-Unterricht verpflichtend haben, war dies nötig. Generell sei die Schule sehr gut ausgestattet und auch bei der Digitalisierung auf einem guten Weg, betont Flessa. Er ist froh, dass er dafür bei den zuständigen Stellen in der Stadtverwaltung immer wieder Unterstützung fand. So konnte er auch in den letzten 15 Jahren alle Klassenzimmer nach und nach neu bestuhlen und mit Einzeltischen ausstatten lassen. Gerade diese und auch die Vielzahl der Räume sind jetzt in der Pandemie sehr wertvoll.

Im Laufe seiner Jahre an der Schule stellte Dieter Flessa fest, dass die Vielfältigkeit der Schüler immer mehr zugenommen hat. Heute haben 60 Prozent von ihnen Migrationshintergrund. Diese Vielfalt, die in der Stadt Traunreut schon immer üblich ist, habe nie größere Probleme verursacht. »Die Kinder haben die wenigsten Probleme damit«, weiß Flessa, sie verstünden sich bestens un-tereinander. Wenn es Ärger gebe, dann eher mit den Leuten von außerhalb, die meinen hetzen zu müssen.

Für die Zukunft wünscht Dieter Flessa »seiner« Werner-von-Siemens-Mittelschule vor allem, dass es wieder normal wird mit Präsenzunterricht ab September. »Der ist zehnmal besser als jeder noch so gute Distanzunterricht. Darum sollten wir das langfristig unbedingt wieder hinbekommen.«

mix


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