Kein Homeoffice in der Firma Heidenhain

Bildtext einblenden
Diskussionen laufen in der Firma Heidenhain: Die Geschäftsführung hat noch keinen einzigen der 4000 Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. (Foto: Pültz)

Traunreut – Die Firma Heidenhain hat noch keinen einzigen ihrer 4000 Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Der Kurs, den die Chefetage anschlägt, sorgt im Unternehmen nach Informationen des Traunsteiner Tagblatts für Diskussionen. Viele Mitarbeiter wollen offensichtlich ins Homeoffice gehen, dürfen aber nicht. Einige von ihnen haben sich in der Redaktion gemeldet – sie wollen unerkannt bleiben – und kritisierten, dass »die Gesundheit der Mitarbeiter aufs Spiel gesetzt wird«. Anna Enzinger, die kaufmännische Geschäftsführerin, hat auf Anfrage mitgeteilt, dass Heidenhain den Gesundheitsschutz seit Ausbruch der Pandemie »konsequent verfolgt«. Die ergriffenen Maßnahmen seien wirksam.


»Die Firma Heidenhain in Traunreut weigert sich trotz der neuen Regelungen zum Homeoffice, dieses zu ermöglichen«, so ein Mitarbeiter, der sich meldete. »Mit fadenscheinigen Argumenten wird die Gesundheit der Mitarbeiter aufs Spiel gesetzt. Jedem ist klar, dass Geheimhaltung und IT-Sicherheit kein Grund sein kann, Homeoffice zu verweigern, schließlich hat jede Firma schützenswerte Betriebsgeheimnisse.«

»Bislang gibt's nur Ausreden seitens der Firma«, meint ein anderer Mitarbeiter. So verweise man insbesondere auf die Gefahr von möglichen Hacker-Angriffen und auf den dann drohenden Verlust von Firmenwissen, Technologien und Patenten. »Als Mitarbeiter – und da bin ich nicht der einzige – finde ich dieses Verhalten mittlerweile absolut unverantwortlich.« Und weiter: »Meine Arbeit könnte ich zu 100 Prozent @home abwickeln. Laut unserer EDV wäre Homeoffice durchaus machbar, aber vermutlich gibt's ein dickes Veto eines Alt-Geschäftsführers.« Die Thematik hänge im Unternehmen ziemlich hoch und gehe hinauf bis zum Aufsichtsrat. »Unliebsame Mitarbeiter werden eingeschüchtert oder abgefunden.«

Anna Enzinger, die kaufmännische Geschäftsführerin von Heidenhain, sagt, dass Homeoffice in der Firma grundsätzlich nur sehr begrenzt möglich sei. Denn Heidenhain sei ein produzierendes Unternehmen. Die Mehrheit der Belegschaft sei in der Fertigung und in fertigungsnahen Bereichen beschäftigt – und damit in Teilen des Betriebes, die das Arbeiten zuhause nicht zulassen. Außerdem wolle sich die Firma nicht der Gefahr aussetzen, Know-how zu verlieren. Heidenhain setze auf Entwicklung, auf Innovation und damit auf technologische Alleinstellung auf dem Markt.

»2011 waren wir einem Angriff von Hackern ausgesetzt«, berichtete Enzinger. »Sie sind erfolgreich eingedrungen und haben den operativen Betrieb erheblich eingeschränkt.« Um sich zu schützen, habe die Firma dann eine »Infrastruktur geschaffen, die nicht von außen angegriffen und daher auch nur begrenzt von außen genutzt werden kann«.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie habe Heidenhain den »Gesundheitsschutz konsequent verfolgt«. Das Unternehmen achte auf Hygiene, auf Abstand und vieles andere mehr. Die Maßnahmen, die die Firma ergriffen hat, sind laut der Geschäftsführerin wirksam. Ihren Angaben zufolge werden Infektionsketten, wenn sie denn auftreten sollten, sofort beendet. Von den 4000 Mitarbeitern an den beiden Standorten von Heidenhain im Gebiet der Stadt Traunreut ist keiner im Homeoffice. »Der weit überwiegende Teil der Mitarbeiter ist zufrieden«, sagt die Geschäftsführerin. »Wir machen niemandem etwas vor. Jeder kennt die Bedingungen, die hier vorherrschen.«

Das Homeoffice sei lediglich ein Baustein von mehreren, um die Kontakte in Corona-Zeiten zu verringern. Auch Abstandhalten sei angesagt – was die Firma Heidenhain auch praktiziere. »Homeoffice steht kurzfristig nicht zur Verfügung«, sagt Enzinger. »Die Datensicherheit spricht momentan noch dagegen.« Mittel- bis langfristig sei das Arbeiten zuhause aber schon ein Thema. So überlege man in der Chefetage, für bestimmte Tätigkeiten bis Ende des Jahres Homeoffice zu ermöglichen. Nach Angaben der Geschäftsführerin ist daran gedacht, dass nur ein »sehr geringer Teil« der Beschäftigten auch von zu Hause aus arbeitet.

Enzinger sieht es, wie sie betont, »sehr kritisch, Mitarbeiter dauerhaft ins Homeoffice zu schicken«. Die Firma setze sich zum Ziel, dass ihre Mitarbeiter die »Heidenhain-DNA bekommen«. Und Homeoffice sei aufgrund des mangelnden persönlichen Kontakts alles andere als förderlich, dieses Ziel zu erreichen.

Diskussionen über eine Verpflichtung der Unternehmen, Homeoffice einführen zu müssen, sind für die Geschäftsführerin nur »schwer zu akzeptieren«. Die unternehmerische Freiheit dürfe nicht per Verordnung eingeschränkt werden.


Mehr aus Traunreut