Jugendkapelle war Vorreiter der Stadtkapelle

Bildtext einblenden
Als Vorläufer der Stadtkapelle Traunreut gab es schon in den 1950er Jahren eine Jugendblaskapelle. (Foto: Stadtarchiv)

Traunreut – Die Stadtkapelle Traunreut kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Offiziell gegründet wurde sie 1963. Schon davor gab es aber als Vorreiter eine Jugendkapelle: Auf Wunsch von Dipl.-Ing. Walter Mohr, Direktor des Siemens-Schluckert-Kleinbauwerks in Traunreut, wurde vor 70 Jahren – im Oktober 1951 – eine Lehrlingskapelle gegründet.


Bei einem ihrer Auftritte meinte der Trompeter Alfred Ernst Ahne, es wäre doch schön, wenn es in Traunreut eine Musikkapelle gäbe. Sein Lehrlingskollege Hans Mühlberger stellte den Kontakt zu Oberlehrer Siegfried Knirsch her. Dieser hatte zuvor bereits in Reit im Winkl eine Jugendkapelle aufgebaut und lebte seit kurzem in Traunreut, wo er an der Volksschule tätig war. Oberlehrer Knirsch erklärte sich sofort bereit, in Traunreut eine Jugendkapelle zu gründen. Nach einigen Vorbereitungen fanden im Spätsommer 1952 die ersten Proben statt, anfangs im Wohnzimmer der Familie Knirsch, später in seinem Klassenzimmer. »Vati« Knirsch, wie er allgemein genannt wurde, brachte jedem einzelnen das Spiel auf dem betreffenden Instrument bei, egal ob Trompete, Posaune, Tuba, Klarinette. Dafür nahm er grundsätzlich kein Entgelt. Die ersten Instrumente bekamen die jungen Musiker dank einer Spende von der Gemeinde Traunreut. Einige wenige hatten bereits ein eigenes Instrument. Durch Werbung von Lehrer Knirsch in der Schule und hauptsächlich in seiner Klasse kamen dann ständig neue Musiker hinzu.

Als traditionelle Veranstaltung wurde bald das Weihnachtsblasen etabliert. Noch heute spielt die Stadtkapelle immer am Heiligen Abend an mehreren Plätzen im Stadtgebiet Weihnachtslieder zur Einstimmung auf das Fest und nimmt dabei auch jedes Jahr vor allem die jungen Musiker mit. Die Jugendblaskapelle bereicherte schon früher festliche Anlässe in der Gemeinde und in der Kirche wie Fronleichnamsprozessionen, Maibaumaufstellen, Tag der Heimat und andere, so wie heute die Stadtkapelle auch.

Schon bald absolvierte die Jugendkapelle auch Auftritte über die Gemeindegrenzen hinaus und bei der Auswahl geeigneter Literatur war Knirsch seiner Zeit weit voraus. So spielte die Kapelle beim Wertungsspiel 1954 in Freilassing die beiden Choräle »Die güldene Sonne« und »Der Mond ist aufgegangen«, was die Jury mit Prof. Reindl aus Salzburg sehr beeindruckte und mit 95 von 100 möglichen Punkten belohnte. Der Bayerische Rundfunk produziere eine Sendung über »Alte Weihnachtsbräuche in der neuen Heimat« unter anderem mit der Jugendkapelle aus Traunreut und sudetendeutschen Bläser-Weisen. Um das Erscheinungsbild der Kapelle zu verbessern, erhielten die Musiker bald einheitliche Stoffbundhosen. Der erste Auftritt mit den neuen Bundhosen war das Bezirksmusikfest und die Teilnahme am Wertungsspiel am 5. August 1955 in Ruhpolding.

Eine Jugendblaskapelle war für damalige Zeiten eine Seltenheit. Ein ehemaliges Pulverhaus an der Schubertstraße wurde von der Gemeinde zur Verfügung gestellt und schon bald fanden dort die wöchentlichen Proben statt.

Lehrer Knirsch wurde im September 1956 an die Realschule Schongau versetzt und musste Traunreut verlassen. Er hatte ein unglaubliches Talent, die Menschen für die Musik zu begeistern, einen genialen Weitblick und war dadurch mit seinen Ideen und seiner Einstellung der Zeit derart voraus, dass nur sehr wenig Leute ihn wirklich verstanden haben. Er verstarb im Alter von 64 Jahren viel zu früh. Alfred E. Ahne übernahm nach ihm 1957 die Leitung der Jugendkapelle. Er sollte später auch viele Jahre die Stadtkapelle als Kapellmeister anführen. Zahlreiche erfolgreiche Auftritte fanden unter dem neuen Leiter Ahne statt. Beim Bezirksmusikfest am 14. Juli 1957 in Inzell erzielte die Kapelle beim Wertungsspiel mit dem »Feierlichen Bläserspiel«, einem Originalwerk für Blasmusik von Dr. Herrmann Regner, einen schönen Erfolg.

Den vier Arbeitskollegen Willi Forbrige, Max König, Max Moherndl und Toni Fehberger war es dann zu verdanken, dass der Wunsch zur Gründung einer Stadtkapelle vorangetrieben wurde. Die Fürsprache beim damaligen Bürgermeister Franz Haberlander war erfolgreich und die vier wurden in ihrem Vorhaben finanziell und mit Personal unterstützt. Die Gründungsversammlung fand im Frühjahr 1963 im Hotel Post statt. Von nun an gab es die Stadtkapelle Traunreut e.V. 1. Vorstand war damals Bruno Steiner, 2. Vorstand Max Moherndl, 1. Kapellmeister Willi Forbrige und 2. Kapellmeister Max König. Auf Wunsch von Bürgermeister Franz Haberlander wurde somit die Jugendkapelle zur Stadtkapelle Traunreut.

mix


Mehr aus Traunreut