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Inzwischen mehr als 50 Infizierte in Asylunterkünften im Landkreis

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Traunreut: Inzwischen mehr als 50 Infizierte in Asylunterkünften im Landkreis | Trostberg
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Zur Amtshilfe waren etwa 40 Beamte der Polizei aus den umliegenden Dienststellen sowie der Bereitschaftspolizei in Traunreut im Einsatz. (Foto: FDL/BeMi)

Traunreut – Das Coronavirus hat keinen Halt vor den Flüchtlingsunterkünften in der Region gemacht. Inzwischen wurden über 50 Bewohner der Asylbewerberheime in Traunreut und Trostberg positiv getestet. Das teilt das Landratsamt Traunstein auf Anfrage unserer Zeitung mit.


Der erste Fall in Traunreut war am Karfreitag bekannt geworden (zum Bericht vom 10. April). Die betroffenen Flüchtlinge und ihre Angehörigen wurden umgehend in andere Unterkünfte verlegt, für alle anderen Bewohner der Unterkunft eine zweiwöchige Quarantäne angeordnet. Vergangene Woche und zuletzt am Montag mussten dann weitere Bewohner die Unterkunft in Traunreut verlassen, weil sie ebenfalls positiv auf Covid-19 getestet wurden.

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»Im Landkreis Traunstein sind derzeit rund 660 Personen in sechs staatlichen Gemeinschaftsunterkünften untergebracht, davon rund 190 in Traunreut und rund 80 in Trostberg. In den von der Regierung von Oberbayern betriebenen Unterkünften sind derzeit nur die beiden Gemeinschaftsunterkünfte in Traunstein und Trostberg betroffen«, sagt Verena Gros, Pressesprecherin der Regierung von Oberbayern auf Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts.

In Traunreut wurden bislang 18 Bewohner positiv auf Covid-19 getestet, in Trostberg sind es inzwischen sogar 35, wie das Landratsamt auf unsere Anfrage am Mittwoch bestätigte. Auch alle anderen Bewohner wurden zwischenzeitlich getestet.

35 Bewohner aus Trostberger Unterkunft verlegt:

Caterer übernimmt Versorgung

»Alle positiv getesteten Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft Traunreut wurden in andere leerstehende Unterkünfte – größtenteils innerhalb des Landkreises – verlegt, die derzeit ausschließlich als Quarantäneunterkünfte genutzt werden.« Die Bewohner seien dort für die häusliche Quarantäne geschützt untergebracht und werden auch medizinisch betreut.

»Die Versorgung der von den Quarantäneanordnungen betroffenen Bewohnern wird durch ein von der Regierung von Oberbayern organisiertes Catering sichergestellt.« Damit sie sich an die Quarantäne-Anordnungen halten, wurde ein Sicherheitsdienst engagiert.

Fotos vom Einsatz am Montag in Traunreut:

Wie Gros weiter sagt, hat die Regierung von Oberbayern sofort nach Bekanntwerden der positiven Testergebnisse gemeinsam mit dem Gesundheitsamt nach Möglichkeiten für eine Abverlegung gesucht. »Da sich eine solche Option am Wochenende nicht ergab, wurden die positiv getesteten Bewohnerinnen und Bewohnern in der Unterkunft vorübergehend isoliert.« Am Montag wurden sie dann in andere Unterkünfte verlegt. Für Aufsehen sorgte dabei die große Polizeipräsenz. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd waren etwa 40 Beamte zur »Amtshilfe« im Einsatz.

Wie Pressesprecherin Verena Gros weiter erklärt, setzen das Gesundheitsamt und die Regierung von Oberbayern alles daran, um die Bewohner über die aktuelle Situation aufzuklären und das nötige Verständnis für die getroffenen Maßnahmen aufzubauen. So wurden sie unter anderem schon über die einzuhaltenden Abstands- und Hygienevorschriften aufgeklärt. »Es stehen ausreichend Seife und Desinfektionsmittel zur Verfügung.«

Und weiter sagt Gros: »Die Regierung von Oberbayern ist sich der schwierigen Situation bewusst, in der sich die betroffenen Bewohner befinden. Sie trägt der besonderen Lebenssituation der Bewohner, wo immer es geht, Rechnung und unterstützt sie bestmöglich.«

»Art der Unterbringung muss überdacht werden«

Kritik kommt von der Grünen-Landtagsabgeordneten Gisela Sengl: »Gemeinschaftsunterkünfte, in denen vielen Menschen nur eine Küche und Gemeinschaftsbäder zur Verfügung stehen, sind per se Virenbeschleuniger. Diese Krise zeigt, dass die Art der Unterbringung von Geflüchteten dringend überdacht werden muss. Ich fordere deshalb die Regierung von Oberbayern auf, hier endlich aktiv zu werden.« Insbesondere die hygienischen Bedingungen in den Unterkünften müssten dringend überarbeitet werden.

Erster Einsatz am 10. April in Traunreuter Asylunterkunft:

jal


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