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Django Asül durfte einen Abend lang an seinem »Sehnsuchtsort« Traunreut verbringen. (Foto: Marietta Heel)

Infotainment ohne moralischen Zeigefinger – Der Kabarettist Django Asül mit offenem Visier im Traunreuter k1

Traunreut – Wir haben es zwar schon immer geahnt, aber nun wissen wir es aus erster Hand: Traunreut ist nicht nur eine Reise wert, sondern für Niederbayern wie Django Asül sogar ein Sehnsuchtsort. So wie Kitzbühel für viele Traunreuter, wie er meinte. Besonders hob der Kabarettist dabei die herrliche, historisch gewachsene Altstadt hervor und die lange, wechselvolle Geschichte Traunreuts, die bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts zurückreichen würde.


Nach so viel Lob für seine Gastgeber kam der 1972 in Deggendorf geborene Kabarettist mit türkischen Wurzeln dann auf Hans zu sprechen, seinen Stammtischbruder und persönlichen Referenten daheim in Hengersberg. Der habe ihn nämlich schon vor Jahren aufgefordert, endlich ein neues Programm zu schreiben, weil die Realität schon längst nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun habe. Also hat der Django sich umgesehen, ohne Scheuklappen bzw. mit offenem Visier (so auch der Titel des Programms), und dabei festgestellt, dass tatsächlich vieles nicht mehr zusammenpasst.

Etwa im Rentensystem, das dafür sorge, dass Besserverdienende gleich doppelt davon profitieren würden, weil mit der Höhe der Rente auch die Lebenserwartung steige. Oder auf dem Wohnungsmarkt, wo die falschen Leute in den richtigen Wohnungen sitzen würden. Weswegen er auch als ehrenamtlicher Immobilienmakler unterwegs sei und für mehr Wohngemeinschaften plädiere. Denn ein 20-jähriger und ein 80-jähriger würden hervorragende Synergien im Haushalt ergeben. Der eine könnte die Getränkekisten schleppen, während ihm der andere erklärt, was früher alles besser war.

Aufgefallen sei ihm auch die Tendenz, dass heute jeder etwas Besonderes sein möchte, dieser Drang zur Individualisierung und Selbstoptimierung. Zugegeben, er habe leicht reden, aber bei ihm sei es nie Absicht gewesen. Etwa im Gegensatz zu einem Start-up-Unternehmer, »der eine Idee hat, aber kein Geld. Denn wenn er Geld hätte, hätte er nicht die Idee«.

Weil man viele Defekte der Gegenwart aber nur mit einem Blick in die Vergangenheit erklären kann, kam der Kabarettist nach dem derzeitigen Preis für die griechische Staatsbürgerschaft (250 000 Euro) auch auf die wechselvolle Geschichte Maltas zu sprechen, diesem »optimalen EU-Land, in dem man genau wissen sollte, wann schau ich hin und wann nicht«.

Nicht die besten Aussichten also für Solidarität, Toleranz und Nachhaltigkeit, die Django Asül immer wieder anmahnte, verknüpft mit Kalauern wie »Die Berliner haben den einzigen CO2-freien Flughafen der Welt« oder Erinnerungen an Filme wie »Für eine Handvoll Dollar« mit seinem Idol Clint Eastwood.

Und wer zuletzt noch wissen möchte, wie man seinen Urlaub auch verbringen kann: Wenn seine Nachbarn verreist sind, schleicht sich der Kabarettist gerne in deren Häuser und macht es sich dort bequem, nachdem er den Inhalt der Nachtkästchen inspiziert hat.

Kurzum, bestes Infotainment, präsentiert von einem Meister seines Fachs. Sein Freund Hans, sollte es ihn wirklich geben, könnte jedenfalls hochzufrieden sein.

Wolfgang Schweiger

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