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Flüchtling Qais Yaqubi ist bestens integriert – Bei der BSH in Traunreut Anstellung gefunden

»Ich will Deutschland zeigen, dass ich was kann«

Qais Yaqubi stammt aus Kabul in Afghanistan und lebt seit einem Jahr in der Asylbewerberunterkunft in Brünning. Seit Anfang September hat er einen Arbeitsplatz bei BSH in Traunreut. In seiner Freizeit engagiert sich der junge Mann ehrenamtlich beim THW und im Verein »Unlimited Partnership«. Er betont: »Ich will Deutschland zeigen, dass ich was kann. So viel Hilfe bekomme ich hier, da möchte ich auch was zurückgeben.«

Qais Yaqubi fühlt sich an seinem neuen Arbeitsplatz bei BSH sehr wohl. (Foto: BSH Traunreut)

Anfang 2015 machte sich Qais Yaqubi auf den Weg, seine Flucht dauerte dann insgesamt fünf Monate. Aus seiner Heimat fliehen musste er aufgrund eines Falls von Blutrache. Sein Cousin wurde aus diesem Grund bereits getötet und auch sein Leben war bedroht, die Familie war in großer Sorge. Über den Iran, die Türkei, Griechenland, Mazedonien und Serbien machte er sich zu Fuß, mit dem Bus oder dem Boot auf den Weg nach Deutschland.

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Der 20-Jährige lenkte das Boot über das Mittelmeer

Bei der Überfahrt auf dem Mittelmeer von Izmir nach Samos lenkte der 20-Jährige selber das neun Meter lange Boot, auf dem 73 Personen zusammengepfercht waren. Dadurch erhielt Qais einen Rabatt auf den Fahrpreis. Im August 2015 kam er in Deutschland an, seit September wohnt er in Brünning. Noch ist er dort in der Flüchtlingsunterkunft, sucht aber ein eigenes Appartement oder eine kleine Wohnung im Raum Traunreut.

Dass Qais die Arbeit bei BSH bekam, ist nicht zuletzt seinem großen Lerneifer und Engagement zu verdanken. Er hat in Afghanistan keine Schule besucht, brachte sich einige Sprachen, darunter Englisch, und das Schreiben selber bei. Nach sechs Monaten im »IdA Bayern Turbo Programm«, einem Berufsförderprogramm für Asylbewerber mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit, und mehreren Praktika in Betrieben in der Region, war er so fit, dass er bei BSH die Stelle als Monteur bekam. Damit hat sich ein erster Traum des jungen Mannes erfüllt. »Bei BSH kann man Zukunft bauen. Das ist eine in der ganzen Welt bekannte Firma und ich will zum Erfolg des Unternehmens beitragen«, freut sich Qais Yaqubi. Ihm gefällt die Arbeit im Team, er lernt viel von den Kollegen, sieht in dem Job eine große Chance für seine Zukunft und ist der Meinung, dass auch die Firma von einem Mitarbeiter aus einem anderen Kulturkreis profitieren kann.

BSH-Personalleiter Otto Rockel meint dazu: »Unser Ziel ist es, als Unternehmen insbesondere im lokalen Umfeld unseres Standortes in Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden und Hilfsorganisationen gezielt sinnvoll Hilfe zu leisten. Hierbei prüfen wir auch, wie am Beispiel von Qais Yaqubi, wie wir Flüchtlinge bei uns im Unternehmen beschäftigen können. Integration ist für uns dabei eine Selbstverständlichkeit. Unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Alter, Behinderung, sexueller Orientierung und Religion kann sich jeder bei uns im Unternehmen bewerben, der Motivation, Fachkenntnisse, Grundkenntnisse der deutschen Sprache und Akzeptanz für unsere Kultur des Miteinanders mitbringt.«

Neben der Arbeit engagiert sich Qais Yaqubi, dessen Verfahren zur Anerkennung noch läuft, ehrenamtlich. Als vergangenes Jahr Franz Kern vom Verein »Unlimited Partnership« in der Flüchtlingsunterkunft in Brünning nach Helfern für den Weihnachtsmarkt zugunsten armer Menschen in Uganda und Sierra Leone suchte, erklärte sich Qais sofort bereit, mitzuhelfen: »Wenn mich ein deutscher Mann bittet, dann helfe ich ihm natürlich.«

Seit Januar ist er auch eifriges Mitglied beim THW-Ortsverband Traunreut. Seine Motivation dafür macht er deutlich: »Ich will neue Freunde finden, neue Fähigkeiten erlernen, bei Einsätzen mitmachen.« Für Wolfgang Marold, Ortsbeauftragter des THW, ist es wichtig, dass die Flüchtlinge vernünftig beschäftigt werden: »Wir wollen unseren Beitrag zur Integration leisten.« Dafür, dass die Asylbewerber ehrenamtliches Engagement normalerweise überhaupt nicht kennen, habe sich Qais überraschend schnell und mit großem Einsatz in die Gruppe eingefügt.

»Wer Ärger macht, soll abgeschoben werden«

Qais ist überhaupt sehr hilfsbereit, fungiert auch immer wieder als Übersetzer für seine Landsleute. Er ist unglaublich dankbar, in Deutschland sein zu dürfen und hier so viel Hilfe zu bekommen. Da möchte er auch etwas zurückgeben. »Hier fühl' ich mich zum ersten Mal nach langer Zeit wieder sicher«, erklärt er. Über Asylbewerber, die diese Dankbarkeit nicht zeigen und Probleme machen, hat der Afghane eine ganz klare Meinung: »Wer Ärger macht, soll abgeschoben werden. Er schadet sonst nur denen, die ihre Chance hier nutzen wollen.« mix