Geothermie-Projekt in Nußdorf: Traunreuter Stadtrat hat weiterhin Bedenken

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Foto: Richard Bartz/Wikipedia

Traunreut – Der Traunreuter Stadtrat hat im Zuge des geplanten Geothermie-Projekts in der Gemeinde Nußdorf schon mehrfach Bedenken geäußert, dass durch die auf städtischem Grund geplanten Bohrungen eine potenzielle Gefährdung der Trinkwasserversorgung ausgehen könnte.


Neben einem Bohrplatz an der nördlichen Gemeindegrenze von Nußdorf zwischen Litzlwalchen und Matzing, wo später auch das Kraftwerk errichtet werden soll, sollen aufgrund der thermischen Eigenschaften weitere Bohrungen in Walchenberg niedergebracht werden. Die Stadt Traunreut stuft jedoch den Standort als äußerst kritisch ein, weil dort in unmittelbarer Nähe die beiden Wasserschutzgebiete der Traunwalchner Brunnen und des Brunnens Niedling verlaufen.

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Deshalb sollte das Projekt mit aller Macht verhindert werden, forderte Paul Obermeier (FW) in der jüngsten Stadtratssitzung. »Wir haben nur Nachteile und müssen mit massiven Eingriffen in die Natur rechnen«, so Obermeier.

Martin Czepan (Grüne) forderte eine umfassende Stellungnahme durch die Landkreisbehörde und der Ingenieurgesellschaft: »Damit wir konkret wissen, was Sache ist, sollten die Beteiligten dem Stadtrat Rede und Antwort stehen«, so Czepan. Der Diskussion ging ein Antrag der CSU-Fraktion voraus, die einen umfangreichen Fragenkatalog zum Thema Geothermie eingereicht hatte und von den Stadtwerken dazu Antworten forderte.

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In dem Weiler Walchenberg sollen im Zuge des geplanten Geothermie-Projekts in Litzlwalchen weitere Bohrungen niedergebracht werden. (Foto: Rasch)

Welche Firma im Falle einer erfolgreichen Bohrung ein Geothemie-Kraftwerk errichten werde, darüber konnten die Stadtwerke keine Auskunft erteilen. Es wurde lediglich informiert, dass die Firma Petra Energy GmbH das Genehmigungsverfahren für den unterirdischen Bereich eingeleitet habe. An den beiden Bohrplätzen seien jeweils zwei Bohrungen geplant. Der westliche Bohrplatz soll an der Gemeindegrenze von Nußdorf und Matzing liegen. Später sollen dort auch eine Heizzentrale sowie ein Kraftwerk errichtet werden.

Die Ingenieurgesellschaft erwarte nach dem derzeitigen Stand einen Flächenbedarf in der Größe eines zweieinhalbfachen Fußballfeldes. Vom östlich gelegenen Bohrplatz in Walchenberg aus soll das geförderte Tiefenwasser wieder nach unten gepumpt werden. Hier sei der Flächenbedarf geringer. Nach Abschluss der Bohrungen werde hier ein Pumphaus in der Größe eines Containers errichtet.

Weiter hieß es, dass die beiden Bohrplätze mit einer Thermalwasserleitung verbunden werden sollen. Diese Leitung soll südlich des Traunreuter Trinkwasserschutzgebietes, das zwischen den zwei Bohrplätzen liege, verlegt werden. Aus heutiger Sicht werde die Leitung die Bahntrasse, die Bundesstraße 304 und die Traun queren. Diese Leitung sei noch in Planung und die Lage damit noch unbekannt. Ebenso noch unbekannt sei die Lage der Stromleitung, die von Litzl-walchen zum Umspannwerk Traunreut führen soll.

Zu den Auswirkungen auf das Wasserschutzgebiet und das Grundwasser teilten die Stadtwerke mit, grundsätzlich bestehe die Gefahr, dass durch Tiefenbohrungen der Grundwasserkörper durchlässig werde und die Grundwasserschichten verunreinigt beziehungsweise nicht mehr nutzbar seien. Das wäre für die Trinkwasserversorgung in Traunreut äußerst problematisch, zumal die Stadtwerke 85 Prozent des Trinkwassers aus den Brunnen in Traunwalchen und Niedling beziehen und nicht über ein sogenanntes zweites Standbein verfügten. Die Kapazitäten der Brunnen in Hörpolding und Nunhausen und möglicher Noteinspeisungen benachbarter Trinkwasserversorger seien nicht ausreichend, warnen die Stadtwerke.

Die Bohrungen des geplanten Geothermie-Projekts lägen jedoch nicht im Trinkwasserschutzgebiet. Nach Aussagen von Experten bestünden bei ordnungsgemäßer Durchführung und unter Beachtung der technischen Vorgaben keine Gefahren für die Trinkwasserversorgung. Angeblich seien selbst Bohrungen direkt in Wasserschutzgebieten möglich. Eine finale Bewertung durch das Wasserwirtschaftsamt Traunstein stehe jedoch noch aus.

Weiter weisen die Stadtwerke darauf hin, dass durch den Bau der Verbindungsleitung und den Baustellenverkehr während der Bauphase zum Beispiel durch auslaufende Öle Beeinträchtigungen und Gefährdungen entstehen könnten. Deshalb habe man bereits im Vorfeld darauf gedrängt, dass die Baustellen in Walchenberg nicht durch Traunwalchen angefahren werden dürfen, da die Straße entlang des Wasserschutzgebietes führe.

Im Zusammenhang mit der Nutzung der Abwärme hatte das Ingenieurbüro bereits im letzten Jahr bei den Stadtwerken angefragt, ob das Fernwärmenetz in Traunreut für eine Abnahme der Wärme zur Verfügung stehen würde. Dies sei von den Traunreuter Stadtwerken verneint worden.

Bei der Frage, ob die Möglichkeit bestehe, von den Betreibern eine Garantie für eine Nichtgefährdung der Umwelt und insbesondere der Wasserversorgung zu verlangen, verwiesen die Stadtwerke auf ein Schreiben des Landratsamts. Darin heißt es, dass das Bergamt Südbayern unter fachlicher Einbindung des Wasserwirtschaftsamts prüfe, ob die Förderung von Tiefenwasser mit Belangen der Wasserwirtschaft vereinbar sei.

Eine Zuständigkeit des Landratsamts sei nur soweit gegeben, als dieses die Baugenehmigung für die oberirdischen Bauteile des Kraftwerks zu erteilen haben werde. Für die Frage der baurechtlichen Privilegierung sei dabei jedoch die bergrechtliche Entscheidung des Bergamts Südbayern vorgreiflich, die auch die wasserwirtschaftlichen Belange behandle. Weiter heißt es in dem Schreiben des Landratsamts, dass eine Forderung nach Sicherheiten, wie zum Beispiel Bürgschaften, für eine Nichtgefährdung der Umwelt im Genehmigungsverfahren nicht erhoben werden könne.

Auf die Frage, ob es richtig sei, dass der Bau des geplanten Geothermie-Kraftwerks bei Bedenken der Stadträte nicht verhindert werden könne, hieß es seitens des Landratsamts, die Erteilung des gemeindlichen Einvernehmens durch die Stadt Traunreut sei grundsätzlich eine sogenannte gebundene Entscheidung. Werde das Einvernehmen zu Unrecht verweigert, müsse es durch die Genehmigungsbehörde ersetzt werden. ga


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