»Geliehene Enkel«: Oma-Opa-Agentur blüht nach Corona-Lockdown wieder auf

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Das Ehepaar Slezina hat mit den drei Buben jede Menge Spaß.»Es ist für uns eine große Bereicherung und hält uns fit«, sagt Manuela Slezina begeistert.

Traunreut – Die Oma-Opa-Agentur konnte unter Coronabedingungen nur mit Einschränkungen aktiv sein, neue Kontakte waren schwer herzustellen. »Jetzt endlich können wir uns auch alle mal wieder treffen«, freut sich die Leiterin Lydia Hogger und betont: »Die Omas und Opas sind noch da.«


13 Frauen und Männer stehen aktuell zur Verfügung, um Kinder zu unterstützen, wie es Großeltern nun mal tun. Nicht alle sind schon Familien zugewiesen, es gibt noch freie Kapazitäten. In den letzten Monaten war die Arbeit der Agentur stark eingeschränkt. Vor allem im ersten Lockdown hieß es ja, Kinder und Großeltern sollten möglichst keinen Kontakt haben. Die Familien und Senioren, die schon davor zusammengefunden hatten, regelten alle für sich ganz individuell den Umgang, ob und wann sie sich treffen wollten und konnten.

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Jetzt endlich war aber auch mal wieder eine große Runde möglich. Denn der Austausch sei enorm wichtig und: »Wir sind so eine tolle Gruppe und hatten einfach auch Sehnsucht nach Begegnungen«, wie Lydia Hogger erklärt.

Trotz der Einschränkungen konnten aber auch 2020 neue Kontakte geknüpft werden. Manuela Slezina aus Engelsberg wandte sich an die Traunreuter und bot ihre Dienste an. Die 63-Jährige hatte schon früher in der Zeitung von der Agentur gelesen und sich vorgenommen, später mitzumachen, wenn sie nicht mehr arbeiten geht. Sie und ihr Mann Eduard haben selber noch keine Enkel und sagen: »Wer weiß, wann es soweit ist.« Aber jetzt seien sie noch fit und möchten mit Kindern etwas unternehmen.

Zunächst wollte ja nur Manuela Slezina mitmachen. Als sie dann aber einer Familie mit drei Buben vermittelt wurde, nahm sie ihren Mann als Unterstützung mit hinzu, damit die Kinder auch eine männliche Bezugsperson haben. »Wir beide sind total begeistert von der Aufgabe«, betont sie.

Die zwei-, drei- und achtjährigen Buben warteten schon jede Woche sehnsüchtig auf sie und fragten dann als erstes voller Neugier: »Was machen wir heute?« Dem Ehepaar ist es wichtig, mit ihnen viel draußen zu sein. Sie gehen auf den Spielplatz, in den Wald, wo man aus Naturmaterialien etwas bauen kann, waren im Winter gemeinsam Schlitten fahren und sind im Sommer beim Baden. Eines der Kinder hat mit ihrer Hilfe Radfahren gelernt. »Es ist für uns eine große Bereicherung und hält uns fit«, sagt sie begeistert.

Schon seit vier Jahren ist Uschi Weitz aus St. Georgen dabei, betreut seitdem einen jetzt sechsjährigen Buben und seit letztem Frühjahr zusätzlich seinen kleinen Bruder. Auch sie ist mit den Kindern viel draußen, »bei jedem Wetter«.

Die Hilfe von Uschi Weitz und ihrem Mann Hans geht dabei über die reine Kinderbetreuung hinaus. Sie helfen der alleinerziehenden Mutter in vielen Dingen, beispielsweise beim Umzug oder wenn sie moralische Unterstützung braucht. Das Paar hat auch in der Coronazeit die Kinder betreut, weil sie der Mutter helfen und sie in dieser schwierigen Zeit nicht allein lassen wollten. Gerade dann sei es wichtig gewesen, Eltern zu entlasten. Für Uschi Weitz war das gar keine Frage, sie nimmt sich auch immer viel Zeit für die Kleinen: »Wenn ich den Buben vom Kindergarten abhole und mit ihm nach Hause gehe, kann es schon mal sein, dass wir sehr lange brauchen, weil es so viele interessante Dinge am Weg zu entdecken gibt. Aber ich hab ja Zeit.«

Alle Omas und Opas fanden eigene Wege, wie sie mit der Situation unter Corona umgingen. »Es war manchmal Mut nötig, man musste Verantwortung übernehmen und überlegen, welche Wege zu gehen sind«, betont Lydia Hogger. In der ganzen Zeit der Pandemie gab es dann auch keinen einzigen Quarantänefall in der Gruppe. Die Aussage letztes Jahr, dass Großeltern ihre Enkel besser nicht sehen sollten, fand sie fürchterlich, »das macht einen ja depressiv«. In der von ihr geleiteten Gruppe seien schließlich alle »mit viel Herzblut« dabei. Die Grundidee dahinter ist nicht nur, dass die Familien Hilfe bekommen, sondern auch, dass die Generationen zusammenkommen und einander unterstützen und bereichern.

Grundsätzlich müsse es für beide Seiten passen, »die Chemie muss stimmen«. Lydia Hogger stellt immer wieder fest, dass alle Beteiligten davon profitieren: »Es tut den älteren Menschen gut, mit der Jugend zusammen zu sein. Man lernt wieder, spontan zu sein und muss oft flexibel handeln. Der Horizont wird erweitert und man kann sich in Toleranz und Akzeptanz üben.«

Die Omas und Opas würden oft sogar Teil der Familie, deren Kinder sie betreuen. Die Kinder wiederum haben oft keine eigenen Großeltern oder diese leben weit weg. Sie genießen die Zuwendung und Fürsorge, die ihnen ihre eigenen Großeltern nicht geben können.

Nach wie vor können sich interessierte Omas und Opas oder Familien melden, die Kontakt suchen. Informationen gibt es bei Lydia Hogger, Telefon 08669/37 663 oder im Mehrgenerationenhaus, mit dem die Agentur eng zusammenarbeitet, unter Telefon 08669/90 98 121.

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