Gebühren für Musikschulunterricht werden erhöht

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Die zehnjährige Frieda aus Hörzing nimmt aktuell bei Klavierlehrer Thomas Hartmann Online-Unterricht, der ganz normal bezahlt werden muss. Ab dem kommenden Schuljahr 2021/2022 sollen die Gebühren der Sing- und Musikschule Traunwalchen um durchschnittlich 3,9 Prozent angehoben werden. (Foto: Rasch)

Traunreut – Die Gebühren für den Unterricht an der Sing- und Musikschule Traunwalchen der Stadt Traunreut sollen zum nächsten Schuljahr um durchschnittlich 3,9 Prozent erhöht werden. Darauf hat sich der Hauptausschuss in einer öffentlichen Sitzung am Dienstag im Traunreuter Rathaus verständigt. Die Empfehlung muss aber noch vom Stadtrat abgesegnet werden. 


Nach Angaben der Verwaltung sei aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen, sowie tariflicher Vorgaben und gekürzter Staatszuschüsse ein neuerlicher Anstieg der Gebühren unausweichlich. Zuletzt wurden die Gebühren mit Beginn des Schuljahres 2020/21 ebenfalls um 3,9 Prozent angehoben.

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Wie jedes Jahr werden die Musikschulgebühren im Rahmen der Haushaltsplanungen neu kalkuliert. Ausgehend von 234 Unterrichtsstunden hat die Kalkulation ergeben, dass die kostendeckenden Jahresgebühren nach Abzug der kommunalen Zuwendungen zu zahlenden Schülergebühren eigentlich um 8,3 Prozent angehoben werden müssten. Unter der Berücksichtigung der Corona-Pandemie habe sich der Zweckverband, dem neben der Stadt Traunreut auch die Gemeinden Nußdorf und Chieming angehören, jedoch auf eine moderate Erhöhung von 3,9 Prozent verständigt, teilte Bürgermeister Hans-Peter Dangschat (CSU) mit. Alle drei Bürgermeister seien sich einig gewesen, sagte Dangschat und lobte ausdrücklich das »starke und tolle Miteinander« des Zweckverbandes. Nach Angaben von Reinhard Maier, Leiter des Amtes »Kultus und Vergaben«, liegen die Kosten bei den angenommenen 234 Wochenstunden bei insgesamt 823 000 Euro. Davon nehmen die Personalkosten bei den Ausgaben mit 124 000 Euro den größten Posten ein, gefolgt von den Sachkosten mit 46 000 Euro und den inneren Verrechnungen (44 000 Euro) und Abschreibungen (9000 Euro). An Zuschüssen erhofft man sich vom Staat und vom Landkreis Traunstein 125 000 Euro.

Desweiteren wurden eine Spende der Kreissparkasse in Höhe von 10 000 Euro mit eingerechnet und die Instrumente-Leihgebühren mit 3800 Euro. Bei einem errechneten Schüleranteil von 657 000 Euro müssten die Gebühren eigentlich um 8,3 Prozent erhöht werden. Nach dem aber zu erwarten sei, dass die Kostenberechnung, wie im laufenden Schuljahr aufgehen werde, könne eine Erhöhung von 3,9 Prozent akzeptiert werden, so Maier. Sollten sich die Kosten dennoch verändern und die 3,9 Prozent nicht ausreichen, würde das Defizit zu Lasten der Gemeindeanteile gehen. Insofern hofft nicht nur Johannes Danner (Bürgerliste), dass auch die Zuschüsse des Staates fließen werden.

Als Vorsitzender des Elternbeirats der Musikschule hofft Stadtrat Johann Jobst (CSU) darauf, dass die Erhöhung auch aufgrund von Kurzarbeit und anderen Einschränkungen, mit denen die Familien derzeit zu kämpfen hätten, weiterhin moderat gehalten werden könne. »Das Geld von der Stadt ist gut angelegt und es wird sinnvoll investiert«, so Jobst. Er hoffe, dass im nächsten Schuljahr wieder neue Schüler das Angebot annehmen und bis dahin hoffentlich wieder Präsenz-Unterricht möglich ist. Jammerschade sei, dass aufgrund der Pandemie für Ensembles im Moment kein Unterricht möglich sei: » Der 'Jeki'- und Gruppenunterricht und die Früherziehung gehen unwahrscheinlich ab«, beklagte Jobst. Der Stadtrat hatte im vergangenen Jahr aufgrund der Corona-Pandemie beschlossen, dass die Erteilung des Musikschulunterrichts für den betreffenden Zeitraum, in dem kein Unterricht in den Unterrichtsräumen wegen höherer Gewalt möglich ist, in Einzel- und Gruppenunterrichtsformen für bis zu vier Schüler mittels digitaler Unterrichtsformen im Internet ein gleichwertiger Ersatz ist. Ensembles, Orchester, Musikalische Früherziehung und Großgruppen wurden von der Regelung ausgenommen.

Obwohl die Stundenzahl gegenüber dem Vorjahr ohnehin begrenzt wurde, regte Matthias Bauregger (FW) an, angesichts der Haushaltssituation die Stunden noch mehr zu begrenzen. Die Musikschule sei durchaus eine wichtige Einrichtung, aber man sollte sicherheitshalber die Unterrichtsstunden aufgrund der Haushaltslage noch etwas runterfahren.

»Für mich ist es wichtig, dass die Musikschule weiter offen bleibt«, erklärte Christian Stoib (SPD). Einer Studie zufolge, sei während der Pandemie die Anschaffung von Musikinstrumenten in der Bevölkerung deutlich gestiegen: »Wir sollten eher dafür werben, dass sich diese Leute an der Musikschule anmelden«, forderte Stoib.

Auch Markus Schupfner (BP) vertrat die Meinung alles daran zu setzen, die Musikschule zu erhalten und dafür Geld zu investieren. Lobend erwähnte er in diesem Zusammenhang die Arbeit der Musiklehrer in Zeiten wie diesen. Es sei beachtlich, wie sich die Lehrer in Pandemiezeiten um die Schüler bemühen. Nicht nur die Gebührensatzung wurde einstimmig abgesegnet, sondern auch die nach Abzug der gemeindlichen Zuwendungen zu zahlenden Gebühren für die Schüler aus Traunreut. Beim Einzelunterricht (45 Minuten) ändert sich nichts. Hier beträgt die Schülerjahresgebühr weiterhin 1330 Euro. Die Kommune schießt hier 1364 Euro zu. 30 Minuten Einzelunterricht kosten beispielsweise künftig 899 Euro (bisher 865 Euro). Hier legt die Kommune fast den gleichen Betrag drauf. Bei einem Kombiunterricht – 60 Minuten in einer Zweiergruppe – liegen der Schüleranteil bei 934 Euro und der Anteil der Kommune bei 863 Euro. ga


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