Frühlinger-Spitz-Straße soll Fahrradstraße werden

Bildtext einblenden
Anstatt eines großen Ausbaus der Frühlinger-Spitz-Straße soll jetzt auf Vorschlag der CSU die rund 800 Meter lange Straße zwischen der Jugendsiedlung (rechts im Bild) und dem städtischen Bauhof bestandsorientiert saniert und in eine »Fahrradstraße« umgewidmet werden. (Foto: Rasch)

Traunreut – Mit knapper Mehrheit hat der Verkehrsausschuss des Traunreuter Stadtrats den Antrag der CSU angenommen, die Frühlinger-Spitz-Straße in eine »Fahrradstraße« umzuwidmen. Die CSU hatte für diesen Ausbaustandard geworben, um endlich Bewegung in das seit Jahren diskutierte Straßenprojekt zu bringen. Bei dieser auf 30 km/h beschränkten, sogenannten »unechten« Fahrradstraße, auf der laut CSU-Antrag Lkws über 3,5 Tonnen ausgeschlossen werden sollen, haben die Fahrradfahrer Vorrang vor Pkws und Krafträdern. Die Verkehrseinrichtung soll zunächst für ein Jahr getestet werden. »Wir sollten diesen Kompromiss eingehen und es probieren«, sagte CSU-Fraktionssprecher Bernhard Seitlinger.


Ursprünglich war geplant, die rund 800 Meter lange Straße zwischen der Jugendsiedlung und dem städtischen Bauhof zu verbreitern, einen abgesetzten Geh- und Radweg anzulegen und die Trag- und Deckschicht zu asphaltieren. Dafür würden aber Fremdgrundstücke benötigt, um die sich die Stadt seit geraumer Zeit bemüht. Nachdem aber ein Durchbruch bei den Grundstücksverhandlungen und ein Erwerb der erforderlichen Grundstücke in absehbarer Zeit schwierig bis ausgeschlossen sei, könnte nach Ansicht der CSU mit ihrem Vorschlag nicht nur eine zeitnahe Abwicklung, sondern auch eine Lösung für eine schwächere Verkehrsteilnehmer-Gruppe möglich werden. Nicht nur die Situation der Fahrradfahrer, der Schüler der Jugendsiedlung und auch der Schrebergartenbesitzer könnte damit sofort erheblich verbessert werden. Auch wäre eine Sanierung der Straße ohne Grundstückszukäufe möglich und würde nur einen Bruchteil der Kosten eines Komplettausbaus verursachen. Zudem müssten auch keinerlei Erschließungsbeiträge entrichtet werden.

Anzeige

Laut Bürgermeister Hans-Peter Dangschat (CSU) ist mit den Anliegern bereits über den Vorschlag der CSU gesprochen worden. Diese hätten keine Einwände erhoben, aber für sich beansprucht, weiterhin freie Fahrt zu haben. Der Firma BSH, die unmittelbar an die Frühlinger-Spitz-Straße grenzt, sei es »wurscht, weil ihre Lkws da nicht entlang fahren«, so Dangschat.

Reinhold Schroll (CSU) erinnerte an das vor zwei Jahren von den »Freunden Traunreuts« angeleierte Bürgerbegehren zum Ausbau der Straße, das vom Stadtrat auch mehrheitlich angenommen wurde. Damals sei unter anderem mit Nachdruck darauf hingewiesen worden, dass die Straße im jetzigen Zustand für Radfahrer lebensgefährlich sei. »Wenn wir jetzt keine Entscheidung treffen, passiert in den nächsten drei bis vier Jahren nichts. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass die Grundstücksverhandlungen sehr schwierig sind und der Stadtrat den Tausch eines innerstädtischen Grundstücks gegen einen Grundstücksstreifen entlang der Straße aus wirtschaftlichen Gründen abgelehnt hat«, sagte Schroll und forderte, den Vorschlag der CSU für ein Jahr auf Probe umzusetzen. Diese Lösung könnte zeitnah und für wenig Geld umgesetzt werden. Alex Gruber (CSU) unterstützte den Vorschlag seiner Partei und auch Gerti Winkels (SPD) und Stefan Mirbeth (BP) sorgten am Ende für eine knappe und positive 6:5-Entscheidung. Mirbeth hatte jedoch angeregt, an den Grundstücksverhandlungen grundsätzlich dran zu bleiben.

»Als Verkehrsreferent und Fahrlehrer kann ich dem Antrag nicht zustimmen«, sagte Roger Gorzel (Bürgerliste). Die Straße verfüge über keine Beleuchtung und für ihn sei eine »unechte« Fahrradstraße im Außenbereich nicht zielführend. Angesichts der Tatsache, dass der Autoverkehr weitaus größer sei als der Radverkehr, mache eine solche Fahrradstraße hier keinen Sinn. Er plädierte für einen Ausbau mit einem abgesetzten Geh- und Radweg und appellierte an die Grundstücksbesitzer: »Gebt uns Grundstücke für eine gescheite Lösung.«

Der Sprecher des Arbeitskreises »Verkehr«, Reinhard Piehler, vertritt dieselbe Meinung wie der Verkehrsreferent. In seinen Augen sei das Vorhaben von vorne herein zum Scheitern verurteilt, zumal der Autoverkehr überwiege. »Bei einer Straßenbreite von rund fünf Metern sind die Konflikte vorprogrammiert«, befürchtet Piehler. Auch Dr. Jürgen Winter (L!Z) befürchtete, dass eine Fahrradstraße die Situation zwischen Rad- und Pkw-Fahrern eher erschweren werde. »Ich halte es für sinnlos und es soll dafür kein unnötiges Geld ausgegeben werden«, so Winter. Eine Fahrradstraße an einer Hauptzufahrt zu installieren »geht überhaupt nicht«, kritisierte Paul Obermeier (FW). Auch Simon Bauer von den Grünen konnte sich mit der Vorstellung nicht anfreunden. Auf seine Nachfrage, mit welchen baulichen Maßnahmen in der Testphase zu rechnen sei, erklärte Claudio Beilhack von der Stadtverwaltung, dass vor allem eine entsprechende Beschilderung erforderlich sei. Inwieweit man mit Provisorien, zum Beispiel bei Engstellen, arbeiten könne, müsse noch abgeklärt werden.

ga


Mehr aus Traunreut
Einstellungen