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»Früher war alles einfach, aber doch schön«

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An Weihnachten in ihrer Kindheit im Sudetenland erinnerte sich die Traunreuterin Auguste Hartel im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. (Foto: P. Mix)

Traunreut – Auguste Hartel hat schon viele Weihnachtsfeste gefeiert. Noch immer gern erinnert sich die 99-Jährige an die Feste ihrer Kindheit, die sie im Sudetenland erlebt hat. Als jüngstes von vier Kindern wuchs sie auf dem Hof der Eltern auf, auf dem die Nahrung für die ganze Familie angebaut und gezüchtet wurde.


»An Weihnachten gab es bei uns immer eine Gans von unserem Hof«, erzählt Auguste Hartel im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Von den Tieren wurde alles verwertet. Die Federn brauchte man für die Betten und am Heiligen Abend wurden die Innereien mit allerlei Gemüse aus dem eigenen Garten in einer leckeren Soße zubereitet. Das Fleisch beziehungsweise die gefüllte Gans kam dann am Weihnachtsfeiertag auf den Tisch, dazu Knödel und Gemüse. »Bei uns war damals schon alles Bio«, betont die Seniorin.

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Der Christbaum in der guten Stube war mit Selbstgebasteltem geschmückt. »Das hat nicht so geglitzert wie heute, bei uns war alles Natur.« Strohsterne und Ketten aus buntem Papier wurden am Baum angebracht. Darunter lagen dann die Geschenke, die wiederum auch zum Großteil selber gemacht waren. »Meistens haben wir was zum Anziehen bekommen, was wir gerade brauchten«, berichtet Auguste Hartel.

Im Ort gab es eine Weberei, in der der auf dem Hof angebaute Flachs verarbeitet wurde. Und das Spielzeug für sie und ihre Geschwister hatte der Vater in der Regel aus Holz gemacht. »Es war alles sehr einfach aber doch schön. Wir waren zufrieden.«

Wenn sie heute davon hört, dass Spielzeug oft belastet ist mit giftigen Schadstoffen, kann sie nur den Kopf schütteln: »Die Leute machen sich selbst kaputt.« Ihre Familie ging früher natürlich auch geschlossen zur Christmette, die im Heimatdorf der 99-Jährigen allerdings am 25. Dezember früh um fünf Uhr stattfand, da der Pfarrer für mehrere Kirchen zuständig war und nicht alle an einem Tag schaffte.

Als kleines Mädchen war Auguste sehr neugierig und konnte das Weihnachtsfest gar nicht erwarten. So geschah es auch einmal, dass sie sich nicht wie befohlen schlafen gelegt hatte, sondern heimlich ihre Geschwister dabei beobachtete, wie sie den Baum schmückten und alles für das Fest herrichteten. So kam sie hinter das Geheimnis des Christkinds. Später habe sie sich dann selbst verplappert und verraten, was sie weiß.

Seit 1956 lebt Auguste Hartel nun schon in Traunreut und feiert mit ihren zwei Kindern und deren Familien Weihnachten. Seit vielen Jahren ist es bei ihnen Tradition, dass es am Heiligen Abend schlesische Bratwürste gibt. Und auch zum Frühstück am nächsten Tag kommen die sehr schmackhaften Würste aus Kalbfleisch auf den Tisch. Dazu gibt es Kartoffelsalat und Sauerkraut und »jeder muss ein Stück Brot essen«. Dies sieht sie als Zeichen dafür, dass das wichtige Grundnahrungsmittel Brot niemals ausgehen soll. mix

 


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