Erste Fahrradstraße in Traunreut

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Zwei große Banner an den Zufahrten der Frühlinger-Spitz-Straße sollen auf die neue Verkehrsregelung aufmerksam machen. (Foto: Rasch)

Traunreut – Augen auf und runter vom Gaspedal heißt es ab sofort auf der Frühlinger-Spitz-Straße in Traunreut. Am Freitag wurde von den städtischen Bauhofmitarbeitern an beiden Einfahrten der östlichen Gemeindestraße die Beschilderung »Fahrradstraße« aufgestellt. Künftig haben auf der rund 800 Meter langen Straße die Radfahrer Vorrang vor Autos und Motorrädern. Erlaubt sind nur noch Lastwagen bis zu 3,5 Tonnen. Die neue Verkehrsregelung, die auf Initiative der CSU-Fraktion mit knapper Mehrheit vom Stadtrat beschlossen wurde, wird ein Jahr lang getestet.


Um die Verkehrsteilnehmer auf die neue Regelung aufmerksam zu machen, wurden neben der offiziellen Beschilderung an den Zufahrten am Kreisverkehr beim Bauhof sowie bei der Abzweigung Waginger Straße auf Höhe der Jugendsiedlung beziehungsweise Mediamarkt zwei große Banner aufgestellt. Auf Höhe der Ausfahrt des Bauhofs sowie bei der Einmündung aus Richtung Waginger Straße wurden zusätzlich mobile Fahrbahnverengungen installiert. Nach Angaben von Claudio Beilhack vom Ordnungsamt sollen auf der Fahrbahn noch Bodenmarkierungen aufgebracht werden.

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Die Autofahrer am Kreisverkehr beim Bauhof waren am Freitagmorgen sichtlich überrascht von der neuen Verkehrsführung, die automatisch auf der gesamten Strecke 30 km/h bedeutet. Bisher galt hier stadteinwärts Tempo 30 erst nach dem Bauhof. »Es wird ein Umdenken notwendig sein und es muss sich alles noch einspielen«, sagte Beilhack dem Traunsteiner Tagblatt.

Mit der neuen Verkehrsregelung soll die Straße am Frühlinger Spitz für den Radverkehr sicherer werden. Die Fahrradstraße beginnt auf der einen Seite innerorts an der Kreuzung Waginger Straße / Kirchholzweg / Frühlinger Spitz und endet außerorts am Kreisverkehr beim städtischen Bauhof. In diesem Abschnitt haben künftig Radfahrer grundsätzlich Vorrang. Das heißt, dass auf sie Rücksicht genommen werden muss. Anlieger, besonders die Mitarbeiter von BSH, die den Parkplatz anfahren, und Besucher der Schrebergärten, dürfen mit maximal 30 Stundenkilometern den Frühlinger Spitz passieren. Radfahrer dürfen weder gefährdet noch behindert werden, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. Ein Nebeneinanderherfahren mit Fahrrädern sei ausdrücklich erlaubt, erklärt Beilhack. Beim Überholen müssten die Kraftfahrer aber den vorgeschriebenen Abstand von mindestens 1,50 Meter innerorts beziehungsweise zwei Meter außerorts einhalten. Die sogenannte »unechte« Fahrradstraße hat nicht nur bei vielen Stadträten, sondern auch in der Bevölkerung massive Kritik ausgelöst. Der Traunreuter Verkehrsreferent Roger Gorzel (Bürgerliste) und der Sprecher des Arbeitskreises »Verkehr«, Reinhard Piehler, vertreten die Meinung, dass eine Fahrradstraße auf dieser Strecke von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.

Angesichts der Tatsache, dass der Autoverkehr weitaus größer sei als der Radverkehr, mache eine Fahrradstraße an dieser Straße keinen Sinn, sagte Gorzel bei der Entscheidung des Stadtrats. Sowohl Gorzel als auch weitere Stadträte hatten dafür plädiert, die Straße, wie ursprünglich geplant, mit einem abgesetzten Geh- und Radweg auszubauen.

Für einen großen Ausbau fehlten der Stadt aber die Grundstücke. Nachdem aber ein Durchbruch bei den Grundstücksverhandlungen und ein Kauf der erforderlichen Grundstücke in absehbarer Zeit schwierig bis ausgeschlossen erschien, hatte die CSU-Fraktion mit der Fahrradstraße eine zeitnahe Lösung auch für die schwächeren Verkehrsteilnehmer vorgeschlagen. Die CSU vertrat die Meinung, dass mit der Lösung nicht nur die Situation der Fahrradfahrer, der Schüler der Jugendsiedlung, sondern auch der Schrebergartenbesitzer sofort erheblich verbessert werden kann.

Die Entscheidung, anstatt eines großen Ausbaus eine Fahrradstraße zu installieren, hatte auch in der Bevölkerung die Kritiker auf den Plan gerufen; hatte doch der Stadtrat das vor rund zwei Jahren von den »Freunden Traunreuts« angeleierte Bürgerbegehren zum Ausbau der Straße mehrheitlich angenommen. Aufgrund der schwierigen Grundstücksverhandlungen schien aber eine zeitnahe Lösung für einen großen Ausbau nicht in Sicht. Vor diesem Hintergrund hatte die CSU den Antrag eingereicht, für wenig Geld mit einer Umwidmung in eine Fahrradstraße einen Kompromiss einzugehen. Dieser Kompromiss wurde am gestrigen Freitag mit der Beschilderung umgesetzt.

ga


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