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Einst aus der Not heraus als Elterninitiative entstanden

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Unser Bild zeigt einige der ersten Kinder des Vereinskindergartens Traunreut, der vor50 Jahren gegründet wurde. (Foto: Vereinskindergarten)

Traunreut – 1970 gab es in Traunreut nur zwei Kindergärten, den evangelischen und den katholischen. Der Bedarf an Plätzen für die Buben und Mädchen konnte von den beiden allerdings nicht vollständig abgedeckt werden, Wartezeiten von bis zu drei Jahren für einen freien Platz waren normal.


Um für ihren Nachwuchs einen Kindergartenplatz sicherzustellen, gründeten 1970 schließlich 14 engagierte Frauen und Männer den »Kindergartenverein Traunreut e. V.«. Im November desselben Jahres bezogen die ersten Kinder dort die neuen Räumlichkeiten. Mit einer Gruppe von 15 Buben und Mädchen startete die Kindertagesstätte.

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Von Anfang an waren die Eltern in den Betrieb des Kindergartens mit eingebunden, ihre Mithilfe war erforderlich und auch gewünscht. Und noch heute haben Mütter und Väter in dieser Einrichtung einen ganz besonders engen Draht zum Team und zum Kindergartenverein, in dem sie Mitglied sind.

Gleich zu Beginn musste man sich damals noch mit Provisorien behelfen. Die bestellten Möbel waren bei der Eröffnung noch nicht geliefert, sodass der evangelische Kindergarten erst einmal mit Tischen und Stühlen aushalf. Spielsachen wurden damals von Eltern gespendet, ebenso das notwendige Geschirr. Initiatoren des Vereins waren unter anderem Ursula und Julius Wachsmann, die einen Kindergartenplatz für ihre Tochter suchten.

Wiltrut Dangschat war die erste Erzieherin im Vereinskindergarten, 25 Jahre dessen Leiterin und später noch zwei Jahrzehnte Vorsitzende des Vereins. Auch Renate Janku, die vor ihr 20 Jahre den Verein anführte, und Monika Nord, die nach ihr ebenso lange Leiterin war, trugen maßgeblich zum Erfolg der Einrichtung bei. »Vor 50 Jahren hätte niemand gedacht, dass der Kindergarten so lange überleben würde«, erzählt Wiltrut Dangschat rückblickend. Für sie war er nicht nur eine Arbeitsstätte, »er war mein Leben, Hobby und Beruf«. Sie freut sich immer, wenn sie ehemalige Kindergartenkinder, die längst erwachsen und selber Eltern sind, in der Stadt wiedersieht.

Das Haus an der Franz-Schubert-Straße, in dem sich der Vereinskindergarten seit seiner Gründung befindet, hat eine lange Geschichte. 1938 erbaut, ist es eines der alten P-Häuser (Pulverhäuser), von denen es nur noch ganz wenige in Traunreut gibt, und diente ab 1941 als Munitionslager. Es war zunächst als Halle gebaut worden, ohne Innenräume und ohne Zwischenwände. Anfang der 1950er Jahre zog ein Maurerlehrgang der Jugendsiedlung Zwischenwände ein und das Haus diente daraufhin als »Haus der Jugend«. Lehrer Siegfried Knirsch gründete darin eine Spielschar und die Traunreuter Blaskapelle, es gab Volkstanz- und Singabende. Auch die Volkshochschule bezog kurzzeitig dort Quartier.

Mit der Vereinsgründung übernahm dann 1970 der Kindergartenverein das Haus, das aber erst einmal entsprechend ertüchtigt werden musste, um darin die Unterbringung von Kindergruppen zu ermöglichen. Die Väter der Kinder bemalten die davor ziemlich düsteren Wände mit frischen Farben. Eine Heizung und kindgerechte Toiletten und Waschbecken wurden eingebaut. Zunächst gab es von der Aufsichtsbehörde wegen fehlender Nebenräume nur eine vorläufige Anerkennung des Kindergartens.

Vom Landratsamt vor die Alternative gestellt, den Kindergarten zu schließen oder die notwendigen zusätzlichen Räume zu schaffen, entschloss sich die Stadt Traunreut dann 1981 zur Renovierung und Erweiterung des alten Hauses. So entstanden ein weiterer Gruppenraum, ein Mehrzwecksaal, eine Küche und auch die Sanierung der Sanitärräume wurde durchgeführt. Im großzügigen Garten mit altem Baumbestand können die Buben und Mädchen seit fünf Jahrzehnten nach Lust und Laune toben und spielen.

Aus kleinen Anfängen entwickelte sich der Vereinskindergarten damals rasch und wurde immer größer. 52 Kinder können heute in zwei Gruppen betreut werden, wobei sie jederzeit Gruppen-übergreifend miteinander spielen dürfen, außer jetzt in Coronazeiten. Sieben Erzieherinnen und Kinderpfleger betreuen die Kleinen. Nach wie vor spielt der Kindergartenverein eine große Rolle.

Die Mitgliederversammlung berät die Geschicke des Kindergartens und wählt für zwei Jahre einen fünfköpfigen Vorstand. Und genau das macht auch laut Wiltrut Dangschat das Besondere der Kindertagesstätte aus: »Die Gemeinsamkeit, Toleranz und Einsatzbereitschaft, alle arbeiten eng zusammen, Vorstände, Eltern, Mitarbeiter, um das Bestmögliche für die Kinder zu erreichen.«

Der Vereinskindergarten ist inzwischen längst von der Aufsichtsbehörde anerkannt. Die Betriebskosten werden durch die Elternbeiträge und gesetzliche Zuschüsse voll gedeckt. Durch sparsame Haushaltsführung, zahlreiche Eigenleistungen und die ehrenamtliche Verwaltungsarbeit des Vorstandes ist es möglich, mit den gesetzlichen Zuschüssen von Landkreis und Stadt die laufende Finanzierung zu bewältigen. Heizungs-, Strom- und Gebäudekosten werden selbst getragen. mix


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