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Eine gute Bienenweide

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Imker Georg Wiesmaier (links) und der Steiner Bauernobmann Meinrad Bernhofer haben ihre helle Freude an dem schön blühenden Rapsfeld. (Foto: P. Mix)

Traunreut – »Es geht nur miteinander«, sagen Landwirt Meinrad Bernhofer und Imker Georg Wiesmaier im Gespräch mit unserer Zeitung. Alle Menschen müssten gemeinsam etwas gegen das Artensterben unternehmen, jeder in seinem Umfeld und soweit es ihm selbst möglich ist. Aktuell blüht der Raps auf den Feldern der Region und die beiden nutzen die Gelegenheit, über dessen Bedeutung zu informieren.


Georg Wiesmaier ist seit vielen Jahrzehnten Imker und weiß: »Der Raps ist eine sehr gute Bienenweide. Er honigt auch bei trübem Wetter und die Bienen fliegen bis zu zwei Kilometer weit zu einem Rapsfeld in der Nähe.« Wenn man am Rand des herrlich blühenden Rapsfeldes von Meinrad Bernhofer steht, hört man ein vielfältiges Summen und Brummen, das Feld ist voll von Insekten aller Art, darunter Wildbienen und Hummeln und auch zahlreiche Schmetterlinge und Vögel findet man darin. Nach der ersten Blüte im Frühjahr an den Obstbäumen und auf den Wiesen, ist der Raps für die Bienen ein willkommener Nahrungslieferant. Und der Bauer freut sich, wenn der Raps bestäubt wird. Er ist zwar eigentlich ein Eigenbefruchter, aber wenn Bienen die Blüten bestäuben, ist der Ertrag bei der Ernte später um 30 Prozent höher als ohne, weiß der Steiner Bauernobmann.

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Raps ist in der Landwirtschaft überhaupt sehr wichtig. Er wird als Tierfutter verwendet, es wird hochwertiges Speiseöl aus ihm gewonnen und 60 Prozent des Ertrags werden als Kraftstoff in Form von Biodiesel verwendet. Aufgrund seines hohen Anteils an mehrfach ungesättigten Fetten ist Rapsöl sehr gesund und wird oft auch »Olivenöl des Nordens« genannt.

Landwirte bauen Raps auch gerne an, weil er gut für die Bodenqualität ist. »Wir arbeiten mit der Natur«, betont Meinrad Bernhofer. Die Frucht steht von der Aussaat bis zur Ernte fast ein Jahr auf dem Feld und schützt den Boden. Als Tiefwurzler lockert der Raps den Boden, bindet den Stickstoff darin über den Winter und schützt vor Auswaschung. Landwirte wie Bernhofer stellen anhand von Bodenproben jedes Jahr fest, wie viel Stickstoff für die Pflanze zur Verfügung steht und geben nur so viel wieder hinzu, wie notwendig ist. »Wir düngen nicht einfach wild drauf los, sondern geben nur das Nötigste«, erläutert er und führt weiter aus: »Auch Pflanzenschutz ist beim Rapsanbau unabdingbar, ohne geht es einfach nicht«. Zu gefährlich seien Krankheiten und Schädlinge, die vor allem diese Pflanze gerne befallen und für Totalausfälle sorgen können. Nach Feststellung der »Schadschwelle«, also der Befallsdichte mit Schädlingen, werde genau dosiert gespritzt. »Es gibt gute Mittel, die den Bienen nicht schaden«, weiß Bernhofer, »und man spritzt auch nur, wenn die Bienen nicht im Feld sind.« Das heißt entweder noch vor der Blüte oder, wenn der Raps schon blüht, am besten nach den Flugzeiten der Bienen. Dass dies für die Bienen ungefährlich ist, bestätigt auch Imker Wiesmaier. Der Bauer betont: »Schließlich wollen auch wir die Bienen schützen.« Mit den neuen Vorgaben aus dem Volksbegehren, wonach der Anteil der Biolandwirte in Bayern deutlich ansteigen soll, befürchtet der Steiner Bauernobmann allerdings einen deutlichen Rückgang des Rapsanbaus, »weil der biologisch nicht funktioniert«. Schon jetzt sei die Rapsmenge in Europa rückläufig, was teils auch dem Preisverfall geschuldet sei. Aus dem Rapsanbau komme aber unter anderem gentechnikfreies, heimisches Eiweißfutter für das Vieh. Wenn der Raps immer weniger wird, müsse Eiweißfutter, meist in Form von Soja, aus dem Ausland zugekauft werden.

»Leider«, sagt Imker Georg Wiesmaier zum Raps-Rückgang. Auf seinem Hof in Benetsham bei Lindach wird seit 66 Jahren Imkerei betrieben. Er ist froh, dass sein Nachbar heuer wieder ein Rapsfeld angebaut hat, wo seine Bienen derzeit viel Nektar finden. In seinen Augen ist das größte Problem der Imker nicht die Landwirtschaft sondern die Varroamilbe; man müsse alles tun, um diese in den Griff zu kriegen. Erfreulicherweise gebe es wieder vermehrt Imker. Doch es sei nicht so einfach, wie manche glauben. Man müsse Kurse belegen und viel lernen. Wiesmaier plädiert zum Beispiel dafür, die Völker wieder mehr schwärmen zu lassen für eine natürliche Vermehrung. Vor drei bis vier Jahrzehnten habe man angefangen, das Schwärmen der Bienen zu unterbinden, um sie nicht zu schwächen oder gar zu verlieren. In der Brut im Stock würden sich schädliche Milben jedoch rasch vermehren, eine Aufzucht im Schwarm zeige dagegen wesentlich weniger Schädlinge. - mix