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Ein Leben für die Politik – Alois Glück wird heute 80 Jahre alt

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Alois Glück aus Hörzing feiert heute seinen 80. Geburtstag. »Es geht mir gut, aber ich merke schon, dass die Berge immer höher werden«, scherzt der Landtagspräsident a. D. (Foto: Rasch)

Traunreut – Es ist beneidenswert, wenn ein Mensch mit 80 Jahren noch so fit und hellwach ist und auf ein abwechslungsreiches, prall gefülltes Leben zurückblicken kann. Ein Leben für die Politik, so kann man das von Alois Glück, der am heutigen Freitag 80 Jahre alt wird, ohne Umschweife auf einen Punkt bringen. Obwohl der rüstige Jubilar vor über zehn Jahren von der politischen Bühne abgetreten ist, mischt er noch oder wieder mit: Als Leiter des nach wie vor bestehenden Runden Tisches zum Artenschutz in Bayern vermittelt er zwischen Bauern und Bienenrettern.


»Ein totales Ruhestandsleben liegt mir nicht, würde mich eher krank machen«, sagte Glück vor fünf Jahren anlässlich seines 75. Geburtstags. An dieser Aussage hält er auch heute noch fest. Auch wenn ihn seine Arbeit als Leiter des Runden Tisches und auch daheim an seinem Schreibtisch mehr beansprucht als ihm lieb ist. »Ich merke schon, dass die Berge höher werden und stelle einen 'Klimawandel' auch an mir fest«, scherzt er im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Aber bei Telefonaten mit Freunden seiner Altersklasse stelle er immer wieder fest, wie gut es ihm gehe.

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Wie man es schafft, auch mit 80 Jahren noch fit und hellwach zu sein, erklärt Glück folgendermaßen: Den richtigen Rhythmus mit einem entsprechenden Freiraum finden. Dazu gehöre auch, sich gesund zu ernähren und diszipliniert zu leben.

In seinem langen Politikerleben hat der Landtagspräsident a. D. auch das gesellschaftliche Engagement schätzen gelernt. Und das nicht nur durch seine eigenen zahlreichen Ehrenämter, wie in der Hospiz-Bewegung, bei der Bergwacht Bayern sowie bis als Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, die er jahrelang nebenher bekleidete, sondern auch in seiner Heimatgemeinde. »Ein lebendiges Vereinsleben ist ein kostbares Gut«, sagt Glück. Das Ehrenamt, das auch in seiner Heimat Traunwalchen großgeschrieben werde, sei auch eine wichtige Aufgabe der Politik, betont er.

Glück schaut »mit großer Dankbarkeit zurück«. Er trauere »nichts nach und habe immer das mir mögliche getan«, so der Jubilar. Dabei war dem zweifachen Vater eine politische Karriere nie in die Wiege gelegt. Glück wuchs auf dem elterlichen Bauernhof in Hörzing auf. 1970 zog er erstmals für die CSU in den Landtag ein. Von 1994 bis 2007 war er Chef des mächtigen CSU-Bezirks Oberbayern. Glücks Hauptaugenmerk lag auf der Sozialpolitik.

Von 1974 bis 1986 war er Vorsitzender des Ausschusses für Landesentwicklung und Umweltfragen. Nach zwei Jahren als Staatssekretär im Umweltministerium übernahm er 1988 den CSU-Fraktionsvorsitz. 2003 wurde Glück zum Landtagspräsidenten gewählt. Bei der Wahl 2008 trat er nicht mehr an. 2011 berief Kanzlerin Angela Merkel ihn in die Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung. Und im vergangenen Jahr bestellte ihn Ministerpräsident Markus Söder zum Leiter des Runden Tischs Artenvielfalt.

Söder und Glück galten bis dato nicht als enge Freunde, vielmehr scheute Glück auch keine öffentliche Kritik. Doch Söder wusste, dass Glück als Sohn einer Bauernfamilie der richtige Brückenbauer war, um die größten Kritiker in der CSU am Volksbegehren Artenschutz zu überzeugen.

Sein Geheimnis als Vermittler? »Bevor man sich in Verhandlungen begibt, sollte man sich in Gedanken auf den Stuhl des anderen setzen«, fasst Glück seine Strategie zusammen. Zudem sei es wichtig, auch Andersdenkenden in Gesprächen Raum zu geben und ihnen zuzuhören.

»Ich stelle fest, dass alle wesentlichen Einsichten und Entscheidungen in meinem Leben mit anderen Menschen zu tun haben«, betont er. Das verdanke er allen Menschen, die ihn mit anderen Positionen und Meinungen herausgefordert hätten. »Alle haben mich immer ein Stück weiter gebracht.« Gleichwohl dürfe dies nicht darüber hinweg täuschen, dass es auch immer für ihn wichtig war, zu wissen, wohin er wolle.

Wünsche zum 80. Geburtstag hat Glück keine besonderen – dafür aber Sorgen: »Die Qualität in der Politik leidet.« Der Zeitdruck sei enorm, zugleich seien aber die Parteien immer mehr mit sich selbst beschäftigt und es gebe keine Ansprechpartner für die jungen Menschen, die politisch sehr interessiert seien. Das sei gefährlich. »Es beunruhigt mich, dass viele in der Bevölkerung die Diskussionen kritisieren und immer schnellere Entscheidungen sowie charismatische Führungspersönlichkeiten fordern. Aber von den Debatten lebt die Demokratie.« Demokratie lebe aber von der Suche nach Kompromissen.

Seinen runden Geburtstag feiert Alois Glück nach eigener Aussage gleich mehrfach. Neben einem Fest mit seiner Familie und Freunden sowie den Nachbarn und Ortsvereinen, wird es für den Traunreuter Ehrenbürger in einer Woche auch einen Empfang von der Stadt geben. Festredner wird der Ex-CSU-Chef Erwin Huber sein. Auch in München sind Essenseinladungen geplant. ga/hm