Ein gesundes Leben dank Impfungen

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Ihre Impfbescheinigungen selbst aus Kindheitstagen hat Renate Bornmann aus Stein aufgehoben. (Foto: Samuel Stanley)

Traunreut – Sie macht jede Impfung mit – Renate Bornmann (80) aus Stein a. d. Traun ist genau das Gegenteil von dem, was landläufig als Impfmuffel bezeichnet wird. Auch gegen das Coronavirus ist sie bereits vollständig geimpft, erzählt sie bei einem Besuch der Heimatzeitung. Ihre neuste Impfung – anders als wohl bei der Mehrheit der Bevölkerung – ist das allerdings nicht: Vor einem Monat ließ sie sich gegen Gürtelrose impfen. »Wohl gerade weil ich gesetzliche wie freiwillige Impfungen seit 1942 mitgemacht habe«, sagt Bornmann, sei sie mit ihren 80 Jahren bei bester Gesundheit.


Ein Pieks gegen Pocken, Diphterie, Kinderlähmung

Pocken, Diphterie, Kinderlähmung – gegen alle diese Krankheiten wurde Renate Bornmann geimpft, daran erkrankt war sie nie, versichert sie und zeigt auf ihre teilweise zerfledderten Impfbescheinigungen, die bei ihr zu Hause auf dem Esstisch liegen. Eine Schulfreundin hatte hingegen Kinderlähmung, »die hat mir so leidgetan«, sagt sie. Die einzige Krankheit, gegen die sie in jungen Jahren wegen den Wirren der Nachkriegszeit nicht geimpft wurde, sei Hepatitis gewesen – und die bekam sie auch.

Die Impfungen in ihrer Kindheit »waren damals sicher nicht so gut erforscht wie jetzt Covid«, meint Renate Bornmann. Darum verstehe sie die Skepsis gegenüber den Corona-Impfstoffen nicht. »Ich habe gewusst, der Piks ist weniger schlimm, als dauernd die Angst und dauernd diese Tests«, sagt sie. »Das Impfen gibt mir eine innere Freiheit und eine Sicherheit.«

Weil Renate Bornmann noch keine 80 Jahre alt war, als der Impfstoff gegen Corona zugelassen wurde, kam sie erst im März mit der ersten Impfung an die Reihe – sie konnte es kaum abwarten. Bornmann habe zwei Bekannte, die sich mit dem Coronavirus angesteckt hatten und nun unter Long-Covid leiden. Die beiden konnten sich jedoch nicht impfen lassen, weil es damals noch gar keinen Impfstoff gab.

Eine Impfreaktion habe Renate Bornmann zwar schon gespürt. »Mich hat es beim zweiten Piks auch geschleudert«, gibt sie zu. Ihre Grippe ohne Fieber habe sie aber ohne Probleme überstanden. Gravierende Impfschäden hatte sie weder bei der Corona-Impfung noch bei ihren zahlreichen anderen. Einzig bei der Pocken-Impfung hatte sie eine Blase am Arm – ihre Pocken-Narbe erinnert sie bis heute daran. »Damals hat meine Mutter gesagt: Stell’ dich nicht so an«, erzählt sie.

Die Impfungen in ihrer Kindheit waren gesetzlich vorgeschrieben. »Da hat keiner gemuckt«, erinnert sich Renate Bornmann. Von einer Impflicht gegen das Coronavirus hält sie trotzdem nichts. »Kann ich einen Menschen zu seinem Glück zwingen?«, fragt sie sich. »Eigentlich nicht.« Vielmehr müsse Überzeugungsarbeit geleistet werden. Das mobile Impfen findet sie gut. Von Geschenken zum Anreiz für eine Impfung ist sie hingegen nicht begeistert, dieses Geld solle lieber an eine wohltätige Einrichtung gespendet werden. Die Abschaffung der kostenlosen Corona-Tests befürwortet sie. Sie glaubt, dass sich dadurch noch mehr Menschen zu einer Impfung durchringen können.

Bei den Impfgegnern erkennt Renate Bornmann eine gewisse Doppelmoral: »Jeder lässt sich Sachen impfen, weil sie nach Afrika reisen«, sagt sie. Bei der wichtigen Corona-Impfung würden sich die Menschen aber zieren. Auch, weil im Internet Unwahrheiten über die Vakzine verbreitet werden. Wenn sie mit solchen konfrontiert wird, stelle sie sich vehement dagegen, betont Bornmann: »Da gehen Fakes herum, bei denen ich sage: So nicht!«

Als weiteres Beispiel greift Renate Bornmann die Grippe-Impfung auf. Die holt sie sich jährlich ab, wie sie sagt. Denn auch diese biete ihr ein »gutes, befreiendes Leben«: »Ich möchte wegen einer Grippe keine Bergtour mehr versäumen«, erklärt sie. Falls ihre Grippeimpfung zur Sprache kam, habe niemand zu ihr »Spinnst du« gesagt. Wenn Renate Bornmann nun erzählt, dass sie gegen Corona geimpft ist, gebe es hingegen immer wieder »blöde Sprüche«, weil sie das mitmacht.

»Mein Körper hat es mir gedankt«

Häufig sei die Devise bei den Impfgegnern laut Renate Bornmann: »Ich bin dafür, dass ich dagegen bin.« So etwa auch bei einem Ehepaar (88 und 91 Jahre alt) aus ihrem Bekanntenkreis, das ihr kundtat, es lasse sich wegen möglicher Spätfolgen nicht impfen, erzählt Renate Bornmann und muss dabei zum Lachen anfangen. »Was sollst du da noch sagen?«, fragt sie. »Solche Blüten treibt das Ganze.«

Auch beim Alpenverein Achental, mit dem Renate Bornmann ihre Bergtouren unternimmt, komme es immer wieder zu Streitigkeiten. Denn dort werden Ungeimpfte nicht auf die Touren mitgenommen, erzählt sie. Deshalb komme öfters der Vorwurf: »Ihr macht eine Zweiklassengesellschaft.« Bornmann entgegne dann den Ungeimpften: »Nein, die machst Du.«

Allen, die noch zweifeln, ob sie sich eine Spritze gegen das Coronavirus abholen sollen, sagt Renate Bornmann: »Leute, lasst euch impfen, damit ihr auch so gesund 80 werdet wie ich. Mein Körper hat es mir gedankt.« Auch eine mögliche Auffrischungsimpfung würde Bornmann wahrnehmen, da sie jede Impfung mitmacht.

Simon Stanley


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